Ab 2035 sollen in der EU keine Fahrzeuge mit Diesel- oder Benzinmotoren mehr zugelassen werden. Im Rest der Welt ist die Lage ganz unterschiedlich. Foto: Imago/Bihlmayerfotografie

Während in der EU das Verbrennerverbot ab 2035 wackelt, haben andere Länder bereits Nägel mit Köpfen gemacht. Der überraschende Pionier dabei: Äthiopien.

Eigentlich war das Verbrenner-Aus in der EU längst beschlossene Sache. Doch ob das Verbot ab 2035 wirklich kommt, ist derzeit fraglicher denn je. Erst kürzlich hat das EU-Parlament mit großer Mehrheit dafür gestimmt, den Autoherstellern mehr Zeit zu geben, um die verschärften CO2-Grenzwerte für Neuwagen einzuhalten. Am 2023 beschlossenen Verbrennerverbot hält die EU aktuell noch fest, doch mehren sich die Stimmen, die ein Aus für das Aus fordern.

 

Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen will noch in diesem Jahr eine „technologieneutrale“ Überprüfung des Verbots durchführen lassen. Dabei sind die Europäer bei Weitem nicht die einzigen, die ein Verbrennerverbot beschlossen oder zumindest angekündigt haben. Die Stimmungslage in den verschiedenen Weltregionen ist jedoch höchst unterschiedlich. Die Situation in den beiden größten Automärkten China und USA zeigt jedoch, dass ein schnelles Ende des Verbrennungsmotors derzeit nicht absehbar ist.

Äthiopien und Norwegen als Pioniere

Der Anfang ist aber schon gemacht: Als erstes Land beschloss Äthiopien im Januar 2024 ein Importverbot für Benzin- und Dieselfahrzeuge. Da es in dem ostafrikanischen Staat keine eigene Autoindustrie gibt, war dies gleichbedeutend mit einem Verbrennerverbot. In Europa folgte dieses Jahr Norwegen. Dort gibt es zwar kein gesetzliches Verkaufsverbot wie von der EU beschlossen, doch Fahrzeuge mit konventionellen Antrieben wurden steuerlich so stark verteuert, dass es einem indirekten Verbot gleichkommt. Seit April 2025 werden für Verbrenner im Durchschnitt 1240 Euro mehr Steuern erhoben, bei Plug-in-Hybriden sind es sogar 3850 Euro. Dazu kommen eine beträchtliche Zulassungssteuer und hohe Mautgebühren.

Eine Ladesäule für E-Autos in einer norwegischen Landschaft: Das nordeuropäische Land ist in der Verkehrswende bereits deutlicher weiter als viele EU-Länder. Foto: IMAGO/imagebroker

Der Umstieg fiel Norwegen allerdings nicht mehr schwer. Schon im vergangenen Jahr lag der Anteil der E-Autos an den Neuzulassungen bei fast 90 Prozent. Die Norweger haben nahezu widerstandslos den Weg in die E-Mobilität beschritten. Das hat mehrere Gründe: Zum einen förderte die Regierung schon seit Jahren den Verkauf von Elektroautos gezielt in Form von Steuererleichterungen. Hinzu kommt, dass der Strom in Norwegen deutlich günstiger als in Deutschland ist und dank der vielen Wasserkraftwerke obendrein zu einem großen Teil klimaneutral. Nicht zu unterschätzen ist auch die Tatsache, dass es in Norwegen keine Autoindustrie gibt und dementsprechend auch keine Autolobby, die sich für einen Erhalt des Verbrennungsmotors einsetzen würde.

Großbritannien überholt die EU

Norwegen gilt in Europa schon lange als E-Auto-Pionier. Mittlerweile hat ein weiteres Land die EU überholt – wieder einmal: Großbritannien hatte unter Premier Boris Johnson den Ausstieg aus dem Verbrenner von 2035 auf 2030 vorgezogen, Rishi Sunak machte das wieder rückgängig. Die neue Regierung von Keir Starmer vollzog nun die nächste Kehrtwende und zog den Ausstieg erneut auf 2030 vor. Von da an dürfen keine Fahrzeuge mit konventionellem Antrieb mehr verkauft werden – Hybride bleiben noch bis 2035 erlaubt. Mit der Ausnahme will die Regierung der wichtigen Autoindustrie im Land mehr Zeit verschaffen.

Auch einige EU-Länder wie beispielsweise Dänemark wollten den Ausstieg bereits 2030 vollziehen – was allerdings bislang daran scheiterte, dass sie damit gegen EU-Recht verstoßen würden. Es gilt damit weiter das 2035-Ziel, wie es die EU in ihrem Klimaplan „Fit for 55“ beschlossen hat. Die Schweiz hat sich bislang nicht darauf verständigen können, die Richtlinie zu übernehmen. Effektiv wird aber auch die kleine Alpenrepublik vom EU-Verbot betroffen sein, denn schon heute müssen Neuwagen in der Praxis EU-Vorgaben entsprechen. Es wird sich kaum ein Hersteller finden, der in Zukunft extra für die Schweiz Verbrenner herstellt.

China bleibt ein Reich der Gegensätze

Richtet man den Blick aus Europa heraus, gibt es vielerorts ähnliche Bestrebungen. In Kanada dürfen ab 2035 keine Verbrenner mehr verkauft werden. Ein Hintergrund für den Beschluss der kanadischen Regierung Ende 2023 war auch, dass in dem nordamerikanischen Land große Mengen der für die Batterieproduktion notwendigen Rohstoffe lagern. Kanada möchte die Abhängigkeit von chinesischen Rohstoffen verringern und gleichzeitig die heimische Industrie stärken. Der Schritt erfolgte jedoch nicht kritiklos: 2023 waren nur rund 12,5 Prozent aller Neuzulassungen E-Autos. Befürchtet wird, dass China die künftig steigende Nachfrage wiederum mit seinen billigen E-Autos bedienen könnte.

Apropos China: Das Reich der Mitte ist in Bezug auf Elektromobilität auch ein Reich der Gegensätze. Obwohl dort bereits jetzt mehr E-Autos und Hybride als Verbrenner verkauft werden, ist der Ausstieg aus fossilen Antrieben erst für 2060 geplant. Zuletzt machten sogar Nachrichten die Runde, dass China massiv in die Entwicklung von Verbrennungsmotoren investiert. Für China bietet sich hier eine große Gelegenheit: Während die bislang überlegenen traditionellen Autobauer aus der Entwicklung von Verbrennern aussteigen, können chinesische Firmen diese Lücke füllen. Denn für Verbrenner wird es auch nach 2035 noch große Märkte in der Welt geben.

Die USA rücken unter Trump von der E-Mobilität ab

Einer der kommenden großen Automärkte ist Indien. Dort hat sich die Regierung zum Ziel gesetzt, bis 2030 den Anteil der E-Autos an den Neuzulassungen auf 30 Prozent zu steigern. Derzeit sind es gerade einmal zwei Prozent. Der derzeit noch zweitgrößte Automarkt nach China, die USA, zeichnet sich dagegen durch eine große Uneinheitlichkeit aus. In Kalifornien ist bereits ein Verbrennerverbot ab 2035 in Kraft. Elf weitere Bundesstaaten haben die Regelung übernommen. Doch nun stimmte das US-Repräsentantenhaus dafür, dieses Sonderrecht aufzuheben – Ausgang ungewiss.

Gleich am Tag seiner Amtseinführung unterzeichnete Donald Trump mehrere Dekrete, um die weitere Verbreitung von E-Autos zu bremsen. Foto: Imago/UPI Photo

Was allerdings feststeht ist, dass mit Donald Trump im Januar ein entschiedener Gegner der Elektromobilität ins Amt kam: Schon kurz nach seiner Vereidigung hatte er angekündigt, alle Förderungen für E-Autos beenden zu wollen und stattdessen die Abgasnormen abzuschwächen. Trump trifft damit einen Nerv in der amerikanischen Gesellschaft: Fast jeder Dritte gab in einer Umfrage an, niemals ein Elektroauto kaufen zu wollen. Ein Ende des Verbrenners ist in den USA jedenfalls in weite Ferne gerückt.