Die Verbindungen der Schusterbahn (hier in Kornwestheim) sollen ausgebaut werden. Details stehen noch nicht fest. Foto: Horst Dömötör (Archiv)

Die Politik ist sich einig, dass die Verbindung zwischen Kornwestheim und Untertürkheim für den Personenverkehr ausgebaut werden soll. Bisher diskutierte Varianten sind sehr teuer und zeitaufwendig. Der Zweckverband Stadtbahn im Kreis Ludwigsburg bringt eine alternative Idee ins Gespräch.

Bis jetzt sind auf der Strecke zwischen Kornwestheim und Untertürkheim vorwiegend Güterzüge unterwegs. Rund 120 von ihnen nutzen täglich die Schusterbahn. Künftig soll es auch wieder einen regeren Personennahverkehr geben. Dieses Ziel verfolgt unter anderem das Regionalparlament der Region Stuttgart. Bisher erarbeitete Pläne zum Ausbau der Strecke sehen jedoch teure und zeitaufwendige Lösungen vor. Ein Alternativkonzept hat nun der Zweckverband Stadtbahn Ludwigsburg entwickelt und präsentiert.

Im Bestfall: 7000 Fahrgäste zusätzlich pro Tag

Statt wie bisher nur sechsmal am Tag und ausschließlich in der morgendlichen und abendlichen Hauptverkehrszeit sollen zukünftig Fahrgäste ganztägig im Stundentakt auf der Strecke pendeln können. Um Fördermittel für den Ausbau der Schusterbahn zu erhalten und die vielversprechendste Variante zu erarbeiten, wurde eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Im Verkehrsausschuss des Verbandes der Region Stuttgart war deren Zwischenfazit im vergangenen Januar ein Thema. Dabei hieß es seitens des Verkehrswissenschaftlichen Instituts (VWI) Stuttgart, dass „nennenswerte verkehrliche Wirkungen“ bereits durch einen ganztägigen halbstündigen Betrieb zwischen Ludwigsburg und Stuttgart-Untertürkheim erzeugt werden können.

Noch bessere Effekte seien zu erzielen, wenn die Schusterbahn in Richtung Osten nach Esslingen und in Richtung Norden nach Bietigheim-Bissingen beziehungsweise Markgröningen verlängert werde. Gerechnet wird im besten Fall dann mit mehr als 7000 Fahrgästen zusätzlich pro Tag.

Aber nicht nur das Institut, sondern auch die Kommunalpolitik liebäugelt mit einer umfangreichen Lösung. Allerdings ist es bei den meisten der neun untersuchten Varianten notwendig, erheblich in die Infrastruktur wie Gleise, Bahnsteige, Brücken und Haltepunkte zu investieren. Wenn die Schusterbahn zu einer S-Bahn ausgebaut werden soll, müssten beispielsweise die Bahnsteige auf 96 Zentimeter Höhe umgerüstet werden. Zudem müsste am Personenbahnhof in Kornwestheim eine Brücke über zwei bis drei Gleise gebaut werden.

Ziel: kurzfristiger umsetzbar

All diese Änderungen machen das Vorhaben sehr teuer. Eine genaue Schätzung gibt es noch nicht. Inoffiziell war aber die Rede von mindestens einem hohen zweistelligen Millionenbetrag. Zudem würden durch die notwendigen Arbeiten bis zu zwei Jahrzehnte ins Land ziehen, bevor die Verbindung genutzt werden könnte, schätzt Frank von Meißner, der Geschäftsführer des Zweckverbands Stadtbahn im Landkreis Ludwigsburg. „Ich bin überzeugt, dass es sich kurzfristiger umsetzen lässt“, sagt er.

Mit der Strecke kennt er sich seit Längerem aus, denn er besitzt einen Lokführerschein und war schon mehrfach auf den Gleisen unterwegs. Daher sieht er bei einigen der diskutierten Varianten zudem Nutzungskonflikte und ungelöste Fragen.

Konzept besteht aus drei Komponenten

Der Zweckverband hat vor diesem Hintergrund ein eigenes Konzept entwickelt, das weniger Kosten und eine schnellere Umsetzung verspricht. Es wurde vor Kurzem dem Kornwestheimer Gemeinderat vorgestellt und besteht aus drei Komponenten. Kernbestandteil des alternativen Konzepts ist es, dass die Schusterbahn über den Kornwestheimer Rangierbahnhof nach Ludwigsburg geführt wird.

Der erste Baustein ist die Verbindung im 60-Minuten-Takt von Esslingen zum Personenbahnhof in Kornwestheim, wo ein Umstieg in die S-Bahn-Linien Richtung Ludwigsburg möglich ist. Als zweiten Baustein nennt von Meißner eine Schusterbahn-Verbindung von Esslingen durchgebunden nach Markgröningen via den Rangierbahnhof in Kornwestheim und mit einem Halt am W&W-Campus, ebenfalls im 60-Minuten-Takt. Der dritte Punkt betrifft eine Durchbindung der Markgröninger Bahn bis zum Halt W&W im versetzten 60-Minuten-Takt. Mit diesem Konzept lasse sich ein attraktiver 30-Minuten-Takt für die Schusterbahn erzielen.

Neuer Vorschlag stößt auf geteiltes Echo

Auch beim alternativen Vorschlag wären bauliche Veränderungen nötig. Eingleisige Abschnitte der Strecke müssen zweigleisig ausgebaut werden. Sehr schnell ist also auch dieses Konzept nicht umsetzbar. „Aber es macht einen Unterschied, ob 10 oder 25 Jahren ins Land gehen“, so von Meißner.

In Kornwestheim, wo die Schusterbahn aufgrund der Historie emotional besetzt ist, ist der Alternativvorschlag auf ein geteiltes Echo gestoßen. Die Frage, ob es einen W&W-Haltepunkt braucht, wurde im Gemeinderat kontrovers diskutiert. Die Tatsache, dass jeder zweite Zug an Kornwestheim vorbeifährt, sei ein Manko. Diese Kritik kann von Meißner nachvollziehen. Auch der Halt am Rangierbahnhof anstatt am Personenbahnhof sei nicht optimal, gibt er zu. „Aber unser Konzept ist immer noch die beste Alternative“, meint er. Der Geschäftsführer ist gespannt, ob sich sein Konzept letztlich durchsetzen kann.

11, 5 Kilometer Länge

Historie
Die RB 11 wird umgangssprachlich Schusterbahn genannt. Diese Bezeichnung hat ihren Ursprung in den ehemaligen Salamander-Werken in Kornwestheim. Früher wurde diese Verbindung hauptsächlich von den Mitarbeitern der Schuhfabrik genutzt, um von ihren Wohnorten nach Kornwestheim und zurück nach Hause zu kommen. Auch viele Eisenbahner waren auf diesem Abschnitt unterwegs. Die Strecke wurde im Jahr 1896 offiziell eröffnet. Die neue Verbindung sollte dem Güterverkehr dazu dienen, den Stuttgarter Hauptbahnhof zu umfahren.

Haltepunkte
Die Strecke von Stuttgart über Untertürkheim nach Kornwestheim ist 11,5 Kilometer lang. Sie verfügt über fünf Haltepunkte. Die Bahnlinie ist nur werktags zwischen 5.45 und 17.45 Uhr in Betrieb. Die Fahrtdauer beträgt rund 14 Minuten.