Eine Kugel schlug durch die Scheibe in den Maschinenraum einer Lok ein. Diese konnte danach nicht weiterfahren. Foto: Bundespolizei

Zwei Züge sind am Donnerstagabend von zunächst unbekannten Objekten getroffen worden, eine Lok blieb danach liegen. Die Bundespolizei hat nun neue Erkenntnisse zu dem Fall.

Geislingen - Zwei Lokführer haben am Donnerstagabend in Geislingen (Kreis Göppingen) einen gehörigen Schrecken erlitten. Auf ihre Züge wurde geschossen. Um 19.15 Uhr und um 19.34 Uhr schlugen Projektile in die Scheiben der Lokomotiven zweier Güterzüge ein. Am Donnerstagabend war noch nicht klar, was in die Züge eingeschlagen hatte. Am Freitag weiß die Bundespolizei mehr: „Es handelte sich ziemlich sicher um Kleinkalibergeschosse“, sagt Daniel Kroh, der Pressesprecher der Bundespolizeiinspektion Stuttgart. Eine Lok wurde so stark beschädigt, dass sie nicht mehr fahren konnte. Die andere war noch fahrbereit.

„Der Lokführer hörte das Splittern des Glases und die dumpfen Schläge auf das Metall“, gibt der Polizeisprecher wieder, was der Mann im Führerstand des ersten Zuges beschrieb, der in Fahrtrichtung Ulm unterwegs war. Er habe den Zug dann gestoppt und über Funk Kollegen und die Bundespolizei verständigt. Ähnliche Geräusche habe um 19.34 Uhr ein weiterer Lokführer wahrgenommen, der in Richtung Göppingen fuhr. „Er hatte schon von dem ersten Fall gehört und war entsprechend gewarnt“ , sagt der Polizeisprecher.

Eine Lokomotive hat einen Maschinenschaden

Beim ersten Zug schlug ein Geschoss in den Maschinenraum ein, nachdem es ein Fenster durchschlagen hatte. Dort richtete die Kugel einen so großen Schaden an, dass die Lok liegenblieb. Sie musste nach den Arbeiten der Spurensicherung abgeschleppt werden. Außer dem Schaden am Fenster und in der Maschine wies diese Lok noch einen Lackschaden unterhalb des Fensters auf. Beim zweiten Zug wurden zwei Lackschäden und Dellen festgestellt. Beide Güterzüge wurden für weitere Untersuchungen sichergestellt. Sie seien in Werkstatthallen der Deutschen Bahn gebracht worden, sagt Daniel Kroh.

Schüsse wurden wohl von einem Sportplatz abgefeuert

Die Züge fuhren zum Zeitpunkt der Schüsse zwischen den Bahnhöfen Geislingen-West und der großen Schleife, die um die Stadt zum Bahnhof Geislingen führt. Das Gleis verläuft dort parallel zur Anton-Ilg-Straße. Die Polizei habe eine erste Vermutung, von wo geschossen worden sein könnte: „Mutmaßlich stammen die Schüsse aus Richtung eines nahegelegenen Sportplatzes“, teilte sie mit. Der Sportplatz liegt neben der Tegelberghalle, zwischen den Schienen und dem Platz verläuft die Straße. Die Bundespolizei geht davon aus, dass die Schüsse gezielt auf Züge abgefeuert worden sein könnten, die in diesem Bereich langsam fahren. Die Polizei ermittelt wegen des Verdachts des gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr. Versuchte Körperverletzung oder sonst eine Gefährdung der Lokführer werde nicht verfolgt, da die Kugeln nicht auf die Führerstände abgefeuert worden seien.

Wegen der Zwischenfälle und der Ermittlungen der Bundespolizei sowie der Kriminalpolizei wurde die Strecke am Donnerstag in der Zeit von 19.38 Uhr bis 21.42 Uhr gesperrt. Dadurch sei es zu Verspätungen und Teilausfällen von Zügen gekommen, sagte ein Bahnsprecher. Die Auswirkungen auf den Bahnverkehr hätten sich im Rahmen gehalten, da die Strecke zu der Zeit nicht sehr stark befahren sei.

Bereits mehrere Fälle in diesem Jahr

In diesem Jahr haben sich bereits mehrere Fälle ereignet, in denen auf Züge Kugeln abgefeuert wurden. Erst Anfang Oktober sollen drei Personen auf einen ICE bei Frankfurt geschossen haben. Mitte August musste ein Zug seine Fahrt von Zürich nach Hamburg bei Karlsruhe unterbrechen, weil Seitenscheiben zerstört waren. Auch hier vermuteten die Ermittler, dass auf den Zug geschossen worden sein könnte. Mitunter werden auch Steine auf Züge geschleudert, so geschehen am Mittwoch dieser Woche zwischen Freiburg und Offenburg. Dabei wurde eine Scheibe zerstört.

Die Bundespolizei bittet Zeugen des Geislinger Falls, sich unter der Telefonnummer 07 11/87 03 50 zu melden.

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