Im Januar 2025 kam es zu unschönen Szenen in einem Zug zwischen VfB-Fans und der Linken-Abgeordneten Gökay Akbulut. Die Staatsanwaltschaft schweigt zum Stand der Ermittlungen.
Die Staatsanwaltschaft hat die Ereignisse aus dem Januar 2025 nicht vergessen: Damals erhob die Linken-Bundestagsabgeordnete Gökay Akbulut schwere Vorwürfe gegen VfB-Fans, wonach diese sie in einem Zug angegangen haben sollen. Die Fußballfans und Augenzeugen stellten den Fall anders dar, wonach Akbulut die Aggressorin gewesen sei. Mehr als ein Jahr später ist die Staatsanwaltschaft in der Angelegenheit kaum weitergekommen.
Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Stuttgart erklärte an diesem Dienstag auf Nachfrage unserer Zeitung: „Da es sich bei der Beschuldigten um eine Bundestagsabgeordnete handelt, ist vor der Einleitung strafrechtlicher Maßnahmen die Aufhebung der Immunität durch den Deutschen Bundestag erforderlich.“ Dieser Vorgang nehme Zeit in Anspruch und führe dazu, dass sich die Dauer des Ermittlungsverfahrens verzögern könne.
Immunität bereits vor zehn Monaten aufgehoben
Allerdings: Akbuluts Immunität als Abgeordnete ist bereits im Juni 2025 vom Bundestag aufgehoben worden. Das war vor zehn Monaten. Auf mehrmalige Nachfrage, ob es aus Verfahrensgründen nach der Aufhebung der Immunität weitere rechtliche Hürden gebe, warum es seit Juni nichts Neues zu vermelden gibt, antwortete die Staatsanwaltschaft, dass sie „derzeit keine weiteren Auskünfte zum Gang des Verfahrens“ erteile. Was also seit Sommer 2025 zu weiteren Verzögerungen geführt haben soll, lässt die Staatsanwaltschaft im Unklaren.
Zuvor teilte die Sprecherin mit, dass das Ermittlungsverfahren weiterhin wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung und Beleidigung geführt werde. Zu einem zeitlichen Horizont, wann das Verfahren abgeschlossen sein könnte, machte sie ebenfalls keine Angaben.
Gökay Akbulut hatte damals auf ihrem Instagram-Kanal gesagt, in einem Zug von Heidelberg nach Stuttgart mit VfB-Fans aneinandergeraten zu sein, wobei man sie rassistisch beleidigt, sexuell belästigt und sogar eine Flasche nach ihr geworfen hätte. Mitreisende säten Zweifel an der Darstellung: Demnach habe Akbulut gepöbelt, habe alkoholisiert gewirkt und selbst eine Rotweinflasche nach den Fans geworfen.
Antifa distanziert sich von Drohbriefen
Die Staatsanwaltschaft hat daraufhin auch Ermittlungen gegen Akbulut eingeleitet. Der Fall erregte bundesweit Aufsehen. Infolge der Auseinandersetzung erhielten VfB-Fanklubs offenbar auch Drohschreiben, die sie zunächst der Antifa zuordneten. Der Stuttgarter Ableger, das Antifaschistische Aktionsbündnis Stuttgart und Region (AABS) distanzierte sich jedoch von der Urheberschaft.