Die junge Anwältin (Katrin Bauerfeind) glaubt fest daran, dass das Verbrechen nicht siegen darf. Foto: ARD

Mit den „Zürich-Krimis“ setzt die ARD ihre Donnerstags-Krimireihe fort. Christian Kohlund und Katrin Bauerfeind kämpfen darin für das Gute auf der Welt.

München - Zürich ist weder sexy noch südländisch-exotisch und will daher nicht so richtig in die neue Donnerstags-Krimireihe der ARD passen, deren übrigen Teile in Athen, Urbino und Tel Aviv angesiedelt sind. Im „Zürich-Krimi“ lässt der Regisseur Matthias Steurer zum Auftakt die Kamera übers Seewasser gleiten, um sie hernach durch die Großstadt mit beschaulichen Gassen und ausgedehnten Villenvierteln spazieren zu lassen. Sie folgt dabei den Wegen eines einsamen Wolfes, dem von Christian Kohlund dargestellten Wirtschaftsanwalt Thomas Borchert.

Der trägt einen seriösen Herrenmantel, aus dem die Kapuze eines Sweatshirts herausragt, und ist somit gleich von Anfang an sehr offensichtlich gegen den bieder-saturierten Zürcher Strich gebürstet. Borchert kehrt als Gefallener in seine Heimatstadt zurück, weil er als Wirtschaftsanwalt einer Frankfurter Firma in einen Bestechungsskandal in Südamerika verwickelt ist. Sein Arbeitgeber hat ihn gefeuert, ihm wird vorgeworfen, Millionen veruntreut zu haben, zudem beschuldigt ihn die Witwe seines Geschäftspartners, für dessen Suizid verantwortlich zu sein. Es wird mehrmals überdeutlich angedeutet, dass Borchert Opfer eines Komplotts geworden ist; nun versucht er seine Unschuld zu beweisen. Die Vorgeschichte vom doppeldeutig betitelten „Borcherts Fall“ wird im zweiten Zürich-Krimi „Borcherts Abrechnung“ nachgeliefert, den die ARD eine Woche später am 5. Mai folgen lässt.

Der Jurist haust in einem Trailer vor der zerfallenden elterlichen Villa – warum nicht dort selbst, wird erst im zweiten Teil aufgelöst. Dass er ein gescheiterter, aber nicht völlig desillusionierter Kämpfer für das Gute ist, das ehrliche Leben der kleinen Leute wertschätzt und diese halt nur vorübergehend verraten und verkauft hat, erkennt man daran, dass er gern eine südamerikanisch geführte Bar aufsucht und dort seine bärtige Wange sehnsuchtsvoll an die Schulter einer attraktiven dunkelhäutigen Sängerin legt.

Irgendwie erinnert dieser Film an Steven Soderbergh

Das ist in etwa die Symbolik, mit der Steurer und die österreichische Autorin Verena Kurth ihre Botschaften übermitteln. Trotzdem hat man den flüchtigen Gedanken, dieser Borchert könnte so etwas wie die öffentlich-rechtliche und schweizerische Ausgabe von Julia Roberts Figur Erin Brockovich halten, die einst im Jahr 2000 im gleichnamigen Hollywoodfilm von Steven Soderbergh als Anwältin gegen die Ungerechtigkeit der Welt kämpfte. Soll womöglich das extreme Dekolleté einer Kanzlei-Sekretärin ein Zitat sein?

Um seinen „Drang zur Gerechtigkeit“ ausleben zu können, den Christian Kohlund in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur seiner Figur als herausragendes Merkmal zuschreibt, verwickelt ihn die Autorin Kurth in einen Entführungsfall um das philippinische Kindermädchen Amihan und den Jungen Daniel, den ein wohlhabendes Ehepaar adoptierte. Borchert will der bei einem Diebstahl ertappten und festgenommenen Asiatin helfen; Unterstützung vermittelt ihm Borcherts Juristenfreund Reto Zanger in Gestalt seiner Tochter Dominique Kuster (Katrin Bauerfeind), einer jungen, schicken, aber nichtsdestotrotz sozial engagierten Anwältin. Gemeinsam bringen sie Licht in den Entführungsfall, das wahre Schicksal der Asiatin Amihan und die kriminellen und moralisch verwerflichen Machenschaften der Zürcher besseren Gesellschaft, mit der Borchert andererseits nun wieder über eine ehemalige Liaison (Leslie Malton) bestens vernetzt ist.

Katrin Bauernfeind spielt ihre erste große Fernsehrolle

Die Macher verstehen es hervorragend, einen simplen Plot sehr in die Länge zu dehnen und diesen dabei möglichst kompliziert aussehen zu lassen. Dynamik sucht man vergebens, mit Blaulicht ausrückende Polizeiwagen sind das höchste der Gefühle. Die Themen gehen wild durcheinander und werden nur angetippt: Ausbeutung und moderne Sklaverei; dazu kommt noch die Kinderwunsch-Tragödie von Daniels Adoptiveltern.

Kohlunds Spiel soll dem allem eine Schwere und Tiefe verleihen, über die der Plot selbst nicht verfügt. Er gibt diesen Borchert gebrochen, schwermütig, aber von der eigenen Schuld gereinigt und sehr lebensweise, was er mit Dürrenmatt-Zitaten und anderen Sprüchen („Schweigen ist die Tugend des Wissenden“) belegt – und ähnelt so trotz allen Differenzen doch sehr den Rollen, die er bisher vorzugsweise in Schmonzetten wie „Traumhotel“ oder „Insel der Träume“ verkörpert hat.

Kohlund und Bauerfeind geben zwar ein fotogenes Paar ab, die Spannung ist aber rein oberflächlicher Natur. Im zweiten Teil wird die Moderatorin, die hier ihre erste TV-Hauptrolle abliefert, von der gestandenen Schauspielerin Ina Paule Klink, bekannt aus der ZDF-Reihe „Wilsberg“, abgelöst.

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