Aidlingen braucht dringend ein weiteres Pflegeheim. Frühe Pläne für einen Neubau in der Sonnenbergstraße sorgen schon jetzt für Debatten.
In Aidlingen ist bei Altenpflegeplätze schon seit einiger Zeit an der Kapazitätsgrenze. Da kommt es der Gemeinde sehr gelegen, dass die Aidlinger Diakonissen ihr Grundstück oberhalb der Sonnenbergstraße veräußern wollen und ein auf Wohn- und Pflegequartiere spezialisierter Projektentwickler die Finanzierung übernehmen will.
Nach intensiver und kontrovers geführter Debatte stellte der Gemeinderat in seiner letzten Sitzung vor den Sommerferien in der vergangenen Woche dafür jetzt die Weichen.
Deutliche Abweichungen sind möglich
Auf der Tagesordnung stand der Aufstellungsbeschluss für das Projekt namens „Südöstlich der Sonnenbergschule“. Das fertige Gebäudeensemble könne in Größe und Ausgestaltung noch deutlich von diesem sehr frühen Planentwurf abweichen. Das machten der Architekt Marc Steinhoff und Peter Kemmer, Geschäftsführer beim Stuttgarter Projektentwickler KIAG Grundbesitz GmbH, bei ihrer Präsentation am vergangenen Donnerstag deutlich.
Geplant sind 66 Wohneinheiten und 60 Pflegeplätze
Das Vorhaben am Aidlinger Nordhang, schräg unterhalb von Sonnenbergschule und Kindergarten, sieht auf rund 6150 Quadratmetern einen Mix aus betreutem Wohnen, stationärer Pflege, barrierefreien Wohnungen und ergänzenden sozialen Dienstleistungen vor. Im nördlichen Teil sind bis zu zehn Doppelhaushälften vorgesehen, im südlichen Abschnitt sind vier mehrgeschossige Gebäuden mit 66 Wohneinheiten, 60 Pflegeplätzen und einer Tiefgarage darunter geplant.
Ein zentrales Element des Entwurfs ist ein barrierefreier, parkähnlicher Innenhof, der von Bewohnern und Ortsbevölkerung gemeinsam genutzt werden soll.
KIAG-Geschäftsführer Kemmer sprach in der Sitzung von einem Investitionsvolumen von voraussichtlich mehr als 30 Millionen Euro. Der Technische Ausschuss (TA) hatte sich bereits am 7. Juli mit dem Vorhaben befasst und seine grundsätzliche Zustimmung gegeben. Wie schon im TA gab es aber auch im Gemeinderat Bedenken.
Grünen-Rätin Elke Anders bezeichnete den Entwurf als „zu wuchtig“ für eine Gemeinde der Größe von Aidlingen. „Das passt städtebaulich eher aufs Flugfeld“, spielte sie auf das von der KIAG dort errichte Wohn- und Pflegezentrum in der Konrad-Zuse-Straße an.
Standortvorschlag neben Bücherei lässt Zuhörerschaft aufhorchen
Anders sprach sich stattdessen für eine Bebauung neben der Ortsbücherei aus. Dieser Vorschlag ließ die Zuhörerschaft im Ratssaals aufhorchen: Schließlich möchte die Gemeinde an dieser Stelle doch eigentlich ein lange erwartetes Ärztezentrum bauen. „Stand heute ist der Standort weiterhin im Rennen“, versichert Bürgermeisterin Helena Österle (CDU). Allerdings sei man noch immer auf Investorensuche und erwäge deshalb auch andere Alternativen.
In der Folge entwickelte sich eine intensive Debatte über Standort, Gebäudegröße, Parkplätze und Fachkräftemangel. „Das ist ein super Gelände“, sprach sich Edgar Benz (CDU) für das Grundstück am Sonnenberg aus. Er erinnerte zudem daran, dass seine Fraktion seit Jahren auf den Ausbau der Pflegekapazitäten im Ort drängt.
Bis die Betten stehen, vergehen Jahre
Laut Statistischem Landesamt fehlen schon jetzt 53 Pflegeplätze, im Jahr 2035 werden es 87 sein. Bei Angeboten für Wohnen im Alter ist der Bedarf noch größer Hier fehlen schon jetzt 87 Wohneinheiten, in zehn Jahren dürften es 100 sein.
Am Ende stimmte der Gemeinderat mit einer Gegenstimme und vier Enthaltungen mehrheitlich dafür, das Projekt „Südöstlich der Sonnenbergschule“ auf den Weg zu bringen. Bis dort tatsächlich gebaut wird, dürfte es aber noch lange dauern. „Wenn 2027 Baubeginn ist, haben Sie vor 2029 oder 2030 noch kein Pflegebett in der Sonnenbergstraße stehen“, betonte Peter Kemmer.