Es gibt in Stuttgarter zu wenig Sporthallen. Bis ins Jahr 2030 wird sich der Mangel verschärfen. Die Stadt hat das Problem erkannt, muss aber mehr tun, meint Redakteur Frank Rothfuß.
Stuttgart - Die Stuttgarter sind Vereinsmeier. Knapp ein Drittel aller 620 000 Einwohner mischen in den 250 Sportvereinen mit ihren knapp 200 000 Mitgliedern mit. Die im wahrsten Sinne des Wortes größte Bewegung der Stadt. Gerne beschworen werden die Vereine in Sonntagsreden, wie bedeutend sie doch seien, doch wenn es zum Schwur kommt, bleiben das oft nur hehre Worte. Kein einziger Vorschlag aus der Wunschliste des Sportamtes in Sachen Sportförderung/Wunschliste hatte es in den Haushaltsentwurf von OB Fritz Kuhn gebracht. Kein einziger!
Dabei hatte das Sportamt jüngst errechnet, dass der Versorgungsgrad bei den Sporthallen bei 75 Prozent liegt. Ermittelt wird dies über einen Schlüssel: Dieser beträgt 0,2 Quadratmeter Hallenfläche je Einwohner. Das bedeutet ganz praktisch, ein Viertel aller Vereinsmitglieder, 50 000 Stuttgarter, würden sich gerne mehr bewegen, allein, es gibt keinen Ort dafür. Immerhin wurden die Sportvereine nach Langem Trommeln und Werben von den Stadträten erhört, sie öffneten die Kasse und gaben reichlich.
Was auch, siehe oben, vonnöten ist. Aber natürlich ist es für die Vereine nicht damit getan, nach Geld zu rufen. Sie müssen ihre Hausaufgaben machen. Die Zeit der kleinen Vereine, die nebenbei feierabends und sonntags geführt werden, ist unwiederbringlich vorbei. Das zeigt sich daran, dass die drei größten Bauvorhaben von Vereinen selbst gestemmt werden. Die Sportvereinigung Feuerbach, der MTV und der TV Cannstatt investieren Millionen von Euro. Erheblich von der Stadt unterstützt, aber in eigener Verantwortung. Dafür braucht es professionelle Strukturen. Deshalb fördert die Stadt seit 2008 auch die Zusammenarbeit von Vereinen und das Einrichten von hauptamtlichen Stellen. So hat sich in den Neckarvororten aus vier Vereinen die Sportkultur gegründet. Mittlerweile sind sie zu fünft. Und konnten so eine topmoderne Golfübungsanlage bauen. Auf der Waldebene Ost machen die Nachwuchsfußballer dreier Vereine gemeinsame Sache. Durch die gebündelte Schlagkraft wird es nicht nur wahrscheinlicher, dass man ein Kleinspielfeld mit einem Dach versehen kann, sondern dass endlich am Nachmittag und frühen Abend ein Kleinbus auf die Waldebene fährt. Bisher mussten immer die Eltern fahren.
Alles bestens also? Weit gefehlt. Wir wollen gar nicht erst von den fehlenden Schwimmbädern anfangen, auch bei den Sporthallen steigt trotz aller Investitionen die Lücke. Denn es gibt mehr Kinder, und die Senioren sind bewegungsfreudiger denn je. Immerhin bekommt das Sportamt Geld, um ein „Hallenkonzept 2030“ zu erstellen. Damit man schneller Entwicklungen erkennt und rascher und flexibler bauen kann. Das wird nicht wenig Geld kosten. Doch es ist gut angelegt. Man stelle sich vor, es gebe keine Sportvereine. Kein Kinderturnen, kein Fußballtraining, kein Koronarsport, keine Nachmittagsbetreuung. Undenkbar. Vereine und ihre ehrenamtlichen Helfer sind unersetzlich. Und unbezahlbar.
frank.rothfuss-jenewein@stn.zgs.de