Kunden können sich die Musik beim Einkaufsbummel aussuchen, für das Personal fällt diese Option aus. Foto: dpa

Verdi warnt vor negativen Folgen von zu lauter Musik in Geschäften. Mitarbeiter hätten das Recht auf eine Pegelreduzierung, Schalldämmung und Ruhepausen. Uns sind noch ein paar weiterreichende Maßnahmen zum Schutz von Personal und Kundschaft eingefallen.

Stuttgart - In einem eindringlichen Appell weist die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi Beschäftigte im Einzelhandel auf ihre Rechte zum Lärmschutz hin: Für Musik und Durchsagen auf den Verkaufsflächen gelte eine Lärmobergrenze von 64 Dezibel. „Das ist etwa die Beschallung durch einen Fernseher in Zimmerlautstärke“, teilt Verdi mit Bezug auf einschlägige Arbeitsplatzvorschriften hin. Zwar gelten die Regelungen das ganze Jahr über, präzisiert ein Sprecher des Verdi-Bundesvorstandes in Berlin, doch das Phänomen „der stundenlangen Dauerbeschallung in Disco-Lautstärke“ trete verstärkt im Advent zutage.

Dem gelte es Einhalt zu gebieten und die vorweihnachtlichen Endlosschleifen in den Geschäften auf ein „erträgliches Maß“ zu reduzieren. Anderenfalls würden nicht nur die Nerven der Mitarbeitern strapaziert, sondern auch deren Gesundheit gefährdet – von Bluthochdruck über negativen Stress bis zur Erhöhung der Herzfrequenz. Das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen nehme dadurch um 20 Prozent zu. Um dem vorzubeugen, rät Verdi den Beschäftigten, bei ihrem Arbeitgeber Ruhe, eine bessere Schalldämmung sowie regelmäßige Erholungspausen einzufordern.

Bekleidungsketten bearbeiten die Trommelfelle der Kunden

Nun ist das Phänomen der musikalischen Belästigung nicht neu. Deshalb ließen sich auch weiterreichende Maßnahmen denken, um Personal und Kundschaft zu schützen. Bekleidungsketten für junge Mode, die das ganze Jahr über die Trommelfelle mit fetten Beats bearbeiten, sollten der Fairness halber im Advent auf „Stille Nacht“, „Oh, du Fröhliche“ und „Jingle Bells“ umsteigen. Und noch besser: Ein paar arg strapazierte Songs könnten auf den Index kommen. Da böten sich an: „Last Christmas“, „White Christmas“, „Driving Home For Christmas“, „Do They Know It’s Christmas“, „All I Want For Christmas“ und „Santa Claus Is Coming To Town“. Sicher, Radiostationen brächte dieses Verbot an den Rande der Existenzbedrohung, aber das muss den Einzelhändlern ja nicht genauso gehen. Und Kunden, die jetzt befürchten, auf diese Weise gar nicht recht in Weihnachtsstimmung zu kommen, könnten nach dem Einkaufsbummel gerne zu Hause „Let It Snow, Let It Snow“ von Frank Sinatra abspielen – und auf 64 Dezibel aufdrehen.

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