Derzeit sind 80 Zoom-Roller im Einsatz. In den kommenden zwei Wochen soll die Flotte auf 200 Fahrzeuge aufgestockt werden. Foto: GOVECS SHARING GmbH

Bislang konnte man in Stuttgart zwar zahlreiche E-Scooter, aber nur 200 große Elektroroller leihen – die Stella-Roller bei den Stadtwerken. Jetzt kommt ein neuer Verleiher auf den Markt, weitere könnten folgen.

Stuttgart - Die hellblauen Elektroroller von Stella in Stuttgart bekommen Konkurrenz: Der Elektroroller-Hersteller Govecs hat in der baden-württembergischen Landeshauptstadt einen neuen Verleih namens Zoom Sharing gestartet. Nach Angaben des Münchner Unternehmens stehen in der Kesselstadt künftig rund 200 neue E-Schwalben zum Ausleihen bereit. Bislang konnte man in Stuttgart zwar zahlreiche E-Scooter, aber nur 200 große Elektroroller leihen – die Stella-Roller bei den Stadtwerken. Nun gibt es mit den weißen Flitzern von Zoom mehr Auswahl. Offenbar wollen künftig mehrere Anbieter zur Offensive blasen.

250 Stuttgarter haben die App schon

Bisher hat der Hersteller Govecs zahlreiche andere Verleiher in ganz Europa beliefert, nun will man erstmals – und vorerst auch nur in Stuttgart – ein eigenes System aufbauen. „Wir sind sehr zufrieden mit dem Start von Zoom Sharing“, sagt Geschäftsführer Thomas Grübel am Montag auf Anfrage unserer Redaktion. Demnach haben sich am vergangenen Wochenende bereits 250 Nutzer über die App registriert. „Das sehen wir durchaus als positives Zeichen! Wir freuen uns, dass die E-Schwalbe auch in Stuttgart so gut angenommen wird.“ Derzeit seien 80 Zoom-Roller im Einsatz. In den kommenden zwei Wochen soll die Flotte auf 200 Fahrzeuge aufgestockt werden. Dann sollen auch sukzessive Randbezirke wie Zuffenhausen bestückt werden. Wo die Roller aktuell stehen, ist in der App einsehbar.

Stuttgarter Stadtwerke nehmen Konkurrenz gelassen

Die Stuttgarter Stadtwerke nehmen die neue Konkurrenz gelassen. „Wir sehen das als Belebung des Geschäfts“, sagt Sprecherin Karoline von Graevenitz. Vor allem aus Kundensicht sei das zusätzliche Angebot positiv zu bewerten. Denn je mehr Auswahl es gebe, desto leichter sei es für die Stuttgarter, im Stadtgebiet einen Elektroroller zu finden. Meistens hätten die Kunden ohnehin Apps von mehreren Anbietern auf dem Smartphone installiert – und legten sich nicht auf nur einen Verleiher fest. „Es wird der E-Mobilität in Stuttgart und dem Sharing-Gedanken als solchem guttun“, resümiert die Stadtwerke-Sprecherin.

Insgesamt legten die Stuttgarter im vergangenen April 21.000 Kilometer mit Stella-Rollern im Stadtgebiet zurück, diese verteilen sich auf 4300 Fahrten. Und das trotz der Corona-Krise, in der die Nutzer aufgerufen waren, Handschuhe zu tragen und die Fahrzeuge gründlich zu desinfizieren. „Luft nach oben gibt es immer, aber im Prinzip sind wir mit der Auslastung zufrieden“, sagt die Sprecherin. Durch den neuen Anbieter befürchtet man bei den Stadtwerken demnach keine finanziellen Einbußen.

Strenge Hygieneregeln wegen Corona

Die Corona-Pandemie wird auch bei Govecs ernst genommen. Um das Ansteckungsrisiko mit dem Coronavirus zu verringern, sind die Nutzer zu guter Handhygiene, Husten- und Nies-Etikette sowie Social Distancing aufgerufen. „Wir empfehlen bei der Nutzung der E-Roller das Tragen von Handschuhen und die Nutzung von Desinfektionsmittel vor dem Fahrtantritt“, sagt Sprecherin Imke Berger. Zusätzlich würden alle Berührungspunkte der Roller wie Griffe, Knöpfe und die Helmbox bei jedem Akkutausch desinfiziert.

Es gebe immer wieder neue und bekannte Marktteilnehmer, die das Sharing-Geschäft mit E-Rollern und E-Scootern auch in Stuttgart betreiben wollen, sagt Ralf Maier-Geißer vom Referat Strategische Planung und Nachhaltige Mobilität der Stadt Stuttgart. So beabsichtige beispielsweise der Anbieter felyx ein mit Zoom oder Stella vergleichbares E-Rollersharing in Stuttgart. „Aber auch kleinere Startup-Unternehmen beobachten den Markt insbesondere in Stuttgart sehr genau und suchen eine Nische für ihr Produkt“, verrät Maier-Geißer.

Neue Sharing-Angebote bergen auch Probleme

Offenbar wollen also mehrere Anbieter zur Offensive blasen – was auch Probleme bringen könnte. Denn die Roller brauchen Stellflächen. Schon die sehr viel kleineren E-Scooter, die seit einiger Zeit von inzwischen drei Anbietern aufgestellt werden, rufen immer wieder Beschwerden von Bürgern hervor. Wenn mehr Sharing-Roller im öffentlichen Raum abgestellt werden, werde dieser nicht nur „gefühlt“ stärker genutzt, sagt Stadtsprecher Maier-Geißer. Ähnlich wie bei den E-Scootern müssten dann einheitliche und für alle Anbieter geltende Regeln vereinbart werden. Grundsätzlich sei es wünschenswert, wenn neue Anbieter sich Stadtbezirke annehmen, die bisher noch kein vergleichbares Angebot hätten.

Govecs ist laut eigenen Angaben der führende Hersteller von Elektrorollern in Europa. In einer Pressemitteilung des Unternehmens heißt es, die neuen Elektroroller sollen dabei helfen, „Feinstaub im Kessel zu reduzieren, den Bürgern eine Alternative zu bestehenden Angeboten urbaner Mobilität zu geben, und den Verkehr mit Privatfahrzeugen im Stadtgebiet zu entlasten.“

So funktioniert der Verleih

Nutzer können die Elektroschwalben per App orten und reservieren. Zur Registrierung wird einmalig eine Anmeldegebühr in Höhe von zehn Euro erhoben – dafür gibt es dann 30 Freiminuten. Anschließend kostet die Fahrt 24 Cent pro Minute. Die Elektroflitzer sind mit einer Handyhalterung und zwei Helmen ausgestattet. Voraussetzung ist, dass der Nutzer mindestens 18 Jahre alt ist und einen PKW-Führerschein besitzt.

Im sogenannten Free-Floating kann der Roller im Geschäftsgebiet flexibel an einem beliebigen Ort – gemäß den Parkanweisungen – abgestellt werden. Das Geschäftsgebiet schließt neben der kompletten Innenstadt auch Zuffenhausen und Untertürkheim/Wangen ein. Ein Teil der Flotte wird durch die „Landesinitiative III Marktwachstum Elektromobilität BW“ vom Land Baden-Württemberg mit 1.500 Euro pro Roller gefördert.

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