Zoodirektor Dieter Jauch Wilhelma: „Mehr Fläche gibt es nicht“

Von Josef Schunder 

Dieter Jauch ist Chef der Wilhelma und wird es nich gut zehn Monate bleiben. Foto: Peter-Michael Petsch
Dieter Jauch ist Chef der Wilhelma und wird es nich gut zehn Monate bleiben. Foto: Peter-Michael Petsch

Weil der benachbarte Rosensteinpark unter Schutz steht, wird sich die Wilhelma immer mit knapp 30 Hektar bescheiden müssen, glaubt ihr Direktor Dieter Jauch. Aber auch damit lasse sich viel machen, tröstet er im Interview den Nachfolger, der zurzeit gesucht wird.

Stuttgart – Direktor Dieter Jauch glaubt, dass die Wilhelma dauerhaft mit knapp 30 Hektar auskommen muss.

Herr Jauch, Ende 2013 werden Sie mit dann 66,5 Jahren in den Ruhestand gehen.

Das Land sucht schon eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger für Sie als Direktor

. Tut das weh?
Der Abschied wäre ja bereits fällig gewesen. Der 31. Dezember 2013 war aber mein Wunschdatum, weil ich endlich noch das neue Affenhaus fertig kriegen will. Natürlich bedauere ich, dass ich den Bau des neuen Elefantenhauses nicht mehr begleiten kann. Das wird eine tolle Herausforderung sein. Aber dieser Bau ist erst nach der Fertigstellung des Rosenstein-Straßentunnels möglich, und das dauert noch länger. Nein, was ich machen wollte, werde ich Ende 2013 fertig haben. Wir hoffen, das Affenhaus spätestens im Frühsommer eröffnen zu können.

Sie werden beim Abschied mehr als 24 Jahre Wilhelma-Chef gewesen sein. Wodurch ist Ihre Ägide geprägt worden?
Meine Rolle war es in dieser Zeit, den baulichen Bestand zu sanieren und zu konsolidieren, zugleich aber auch mit Neubauten wie dem Amazonienhaus und dem Insektarium zum Beispiel den Aufbruch der Wilhelma in die Moderne zu leiten. Ich wollte die historische und die moderne Wilhelma miteinander versöhnen. Zum Dritten war es mir ein Anliegen, die Bildungsarbeit voranzutreiben. Das ist eine ganz wichtige Aufgabe der Zoos und der botanischen Gärten. Die Wilhelmaschule, in der Schulklassen zum Teil an lebenden Tieren unterrichtet werden, ist neu gebaut worden, und die Mitarbeiter dort sind auf einem guten Weg.

Was heißt Aufbruch in die Moderne?
Das neue Menschenaffenhaus ist nach Form, Größe und Inhalten eine neue Generation von Zoogebäuden in der Wilhelma. Es war ein wichtiger Schritt in Richtung Zukunft, ein Quantensprung bei der Gehegegröße und den Lebensbedingungen für die Tiere. Und dieser Quantensprung bleibt auch künftig auf der Tagesordnung.

Sie meinen damit wieder das Elefantenhaus?
Der Neubau muss kommen, weil wir heute an die Haltung von Elefanten viel höhere Anforderungen haben als früher. Wir schätzen die Ansprüche, die die Tiere an ihren Lebensraum haben, anders ein. Auch die Erwartungen der Besucher, von denen manche diese Tiere in freier Wildbahn sahen, haben sich gewandelt. Als die Wilhelma in der jetzigen Form entstand, waren die Vorstellungen darüber noch ganz anders. Aber auch das, was meine Vorgänger gemacht haben, war eine gewaltige Aufbauleistung.

Werden die Platzreserven bald nicht mehr ausreichen? Wird die Wilhelma mehr Platz beanspruchen müssen?
Ich gehe davon aus, dass es für die Wilhelma niemals mehr zusätzliche Flächen geben wird. Der benachbarte Rosensteinpark ist Landschaftsschutzgebiet. Mit den knapp 30 Hektar Gesamtfläche, über die die Wilhelma verfügen kann, lässt sich aber auch künftig viel machen. Speziell für das neue Elefantenhaus haben wir genügend Reservefläche.

Wodurch wird die Ägide Ihrer Nachfolgerin oder Ihres Nachfolgers geprägt werden?
Ich möchte meine Nachfolgerin bzw. meinen Nachfolger nicht durch irgendwelche ­programmatischen Aussagen binden. Sie oder er wird dann die Verantwortung tragen und genügend zu tun haben. Ich sage immer, nach 30 Jahren sollten die Gebäude wieder abgebrochen werden, weil sich die ­Anforderungen gewandelt haben. Eine ­große Ausnahme ist unser Aquariengebäude, das immer noch modern ist.

Wo steht die Wilhelma zum Ende Ihrer Dienstzeit im Vergleich zu anderen Zoos oder zoologisch-botanischen Gärten in Deutschland?
Nach der Besucherzahl und dem Tierbestand sind wir mit Berlin zusammen sicherlich spitze. Aber ich habe mich auf Rankings nie gern eingelassen. Die Wilhelma ist unvergleichlich: als Schloss gegründet, dann in einen botanischen Garten verwandelt und schließlich zu einem Zoo mit botanischem Garten und historischem Park gemacht.

Von der Persönlichkeit, die Ihnen nachfolgt, wird die Fähigkeit verlangt, Konzepte für die Zukunft der Wilhelma zu entwickeln. Wie könnte diese Zukunft aussehen?
Das kann ich nicht sagen. Ich weiß nur: Einen Vergnügungspark könnte ich mir hier nicht vorstellen.

Gab es in Ihrer Zeit Bemühungen bei den Verantwortlichen des Landes, aus der Wilhelma einen Vergnügungspark zu machen?
Nein, die gab es nicht. Aber vielleicht bringen ja andere Kräfte diesen Wunsch auf.

Sie waren und sind mit Herzblut mit der Wilhelma verbunden, haben aber als gebürtiger Schwenninger und als Fastnachtsnarr bis heute starke Wurzeln in Villingen-Schwenningen. Wo werden Sie als Ruheständler leben?
Es stimmt, ich liebe die Fastnacht und bin stark auf der Baar verwurzelt. Ich weiß noch nicht, wo wir künftig leben werden. Ob in Waiblingen, wo wir seit ein paar Jahren wieder wohnen, oder auf der Baar, wo ich auch eine Bleibe habe. Vielleicht werden wir uns abwechselnd an beiden Orten aufhalten. Einen Garten habe ich hier wie dort – und das ist mir wichtig.

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