Auch dieses Kamel gehört zum Sortiment des Munkholm-Zoos Foto: John Frandsen Business Estates

So ein Angebot kommt nicht alle Tage: In Dänemark steht ein privat geführter Tierpark mit mehr als 400 Tieren zum Verkauf. Für rund 600 000 Euro fast schon ein Schnäppchen.

Kopenhagen/Balle - Ganze erinnert an den Hollywood-Familienfilm „Wir kaufen einen Zoo“ aus dem Jahr 2011. Wer wie Filmheld Benjamin Mee (gespielt von Matt Damon) von einem Neustart in ein mutmaßlich idyllisches Leben träumt und Tiere und glückliche Kinder liebt, sollte ein ungewöhnliches Angebot aus Dänemark in Erwägung ziehen. Auf der Halbinsel Jütland steht der Munkholm-Zoo zum Verkauf. Er liegt unweit des 572-Seelen-Dorfs Balle, nordöstlich von Kopenhagen.

Im Kaufpreis von 4,5 Millionen Kronen (rund 600 000 Euro) sind neben dem Zoo mit einer Fläche von 21 000 Quadratmetern auch ein Besuchercafé, ein Spielplatz und ein geräumiges, 250 Quadratmeter großes Wohnhaus enthalten. Über 400 Tiere verteilt auf 80 unterschiedliche Arten leben derzeit im Munkholm-Zoo – darunter Lamas, Kängurus, Affen, Luchse, Schlangen und Hängebauchschweine.

Der Zoo ist vor allem bei Kindern und Schulklassen beliebt. Die Tiere können aus nächster Nähe bestaunt und größtenteils auch gestreichelt werden, was rund 35 000 zahlende Besucher Jahr für Jahr anzieht.

„Ich liebe diesen Ort und werde ihn unter Tränen verlassen“

Der Tierpark, den es schon seit 25 Jahren gibt, ist das Lebenswerk des 62-jährigen Benny Munkholm und seiner Frau Annelise. „Ich liebe diesen Ort und werde ihn unter Tränen verlassen“, sagt der Zoodirektor. Das Paar besaß ursprünglich einen Bauernhof, den es schrittweise zum Kindertierpark umbaute. „Reich ist das Ehepaar davon nicht geworden, doch der Lebensunterhalt war ausreichend gesichert“, erklärt Poul Bech Sörensen vom Maklerbüro John Frandsen Erhverv.

Sörensen kennt die Munkholms gut. Es seien glückliche, harmonische Menschen, sagt er. „Benny war vor einiger Zeit an Krebs erkrankt. Inzwischen ist er geheilt, aber er und Annelise wollen den Zoo allmählich an Jüngere weitergeben. Sie bleiben in der Nähe wohnen und haben versprochen, den neuen Eigentümern mit Rat und Tat zur Seite zu stehen“, so der Makler. Was man ein Leben lang aufgebaut habe, lasse man nicht einfach im Stich.

„Ich bin inzwischen gut über die Erkrankung hinweggekommen. Aber so was setzt das Leben in eine gewisse Perspektive. Man ist nicht unsterblich“, sagt Zoobetreiber Munkholm. Er und seine Frau wollten sich etwas mehr Freizeit gönnen und auch mal verreisen. „Es ist schwer, von zu Hause wegzukommen, wenn man einen zoologischen Garten hat.“

„Das ist ein Lebensstil, den man da kauft – und der nicht nur romantisch“

In der Gemeinde Balle ist das Paar sehr beliebt und wird respektiert für sein jahrzehntelanges soziales und animalisches Engagement. So haben sie im oberen Stockwerk ihres großen Wohnhauses stets Gäste, um die sie sich kümmern. Manchmal sind es Jugendliche mit Problemen, denen das ländliche Leben und die Pflege der Tiere guttut. Zudem wohnen dort regelmäßig junge Tierpfleger, die eine dreijährige staatliche Ausbildung absolvieren und als Praktikanten mit anpacken.

Einige Interessenten hätten sich schon gemeldet, sagt der Makler. Aber die Munkholms wollten nicht überstürzt verkaufen, sondern ihr Lebenswerk in aller Ruhe übergeben. „Das ist ein Lebensstil, den man da kauft – und der ist nicht nur romantisch. Genauso wie wenn man Landwirt wird.“

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