Gudrun Bürkle hat im Modegeschäft Anna einen Garagenverkauf von Tierfutter. Der Gartenzwerg weist den Weg zum Verkaufsraum. Foto: Eva Schäfer

Noch mit Mitte 80 ist für Gudrun Bürkle ihr früherer Beruf im Zoofachgeschäft ein Lebenselixier. Sie bietet weiterhin einen Garagenverkauf für Tierfutter an.

Gudrun Bürkle hat ihr Zoogeschäft mit viel Leidenschaft geführt. „Mein Lebenselixier“ hat die Fellbacherin (Rems-Murr-Kreis) ihren Betrieb genannt. Noch mit über 80 Jahren hat sie samstags ihre Kunden im Souterrain des kleinen alten Wohnhauses in der Cannstatter Straße in Fellbach beraten, Ende 2022 wurde der Verkauf dort aufgegeben. Doch zu sehr hängt ihr Herz an ihrer Tätigkeit und dem Kontakt mit den Kunden. Deshalb bietet sie seitdem einen Garagenverkauf nebenan im Modegeschäft Annas Mode an. „Wir sind freundschaftlich mit Frau Bürkle verbunden“, sagen Alexandr Cernomoret und seine Frau Anna. Für sie war es daher keine Frage, ihr die Möglichkeit für den Verkauf in der Garage zu schaffen.

 
Der Garagenverkauf von Gudrun Bürkle, der über das Modehaus Anna erreichbar ist. Foto: Eva Schäfer

Treue Stammkunden schätzen das Angebot des Garagenverkaufs

Es mag etwas kurios klingen, dass Tierfutter über den Gang durch ein Modegeschäft zu erwerben ist. Vor dem Eingang steht der bekannte Gartenzwerg mit einer Leuchte und verweist darauf, dass es hier Katzen-, Hunde- und auch Vogelfutter gibt. Vor allem treue Stammkunden von Gudrun Bürkle schätzten das Angebot. Seit vielen Jahren sind die Cernomorets mit Gudrun Bürkle befreundet – so waren auch über viele Jahre Gudrun Bürkles Kakadu Jockel und Graupapagei Jojo in dem Modehaus untergebracht, die Tiere sind inzwischen gestorben.

Für Gudrun Bürkle war ihr Beruf Berufung, wie sie sagt. Und daher will sie auch mit 86 Jahren noch weitermachen. „Ich mache weiterhin die Bestellungen“, sagt Gudrun Bürkle. Ein Gemälde in ihrer Wohnung zeigt das ehemalige Geschäft in der Bahnhofstraße. Die Geschichte des elterlichen Betriebes geht auf das Jahr 1876 zurück, auf ein Geschäft mit Seilen und Garnen in der Hintere Straße von Wilhelm Sayler. Etwa um 1900 folgte dann der Umzug in einen Neubau in der Bahnhofstraße 2 mit Lebensmitteln, Futtermitteln, Feld- und Garten-Sämereien. Gudrun Bürkle machte dann Mitte der 1950er Jahre ihre Lehre im elterlichen Betrieb zur Einzelhandelskauffrau. „In der Zwischenzeit entstand dann durch die Tierliebe meines Vaters Erich Sayler, der im Hinterhof der Bahnhofstraße einen halben Bauernhof betrieb, auf etwa 50 Quadratmeter in einem Teil des Ladens die Zooabteilung“, erinnert sich Gudrun Bürkle.

Das Modehaus Anna befindet sich neben dem ehemaligen Lagerverkauf, der in dem kleinen Häuschen untergebracht war und 2022 aufgegeben wurde. Foto: Eva Schäfer

Und sie gab wichtige Impulse für eine Neuausrichtung des Betriebes. „Ich konnte meinen Vater dann überzeugen, dass wir künftig mit einem Zoofachgeschäft einer besseren Zukunft entgegengehen“, sagt Gudrun Bürkle, „denn in der Cannstatter Straße kamen Konsum, Nanz und Gaissmaier mit ihren Filialen und Preisen, wo wir nicht mehr folgen konnten“.

Die Neuausrichtung war eine Antwort auf den Strukturwandel, den sie damals beobachtet hat. Da es zu dieser Zeit schon einen Zoofachverband gegeben habe, hätten sich gute Möglichkeiten für Fortbildungen in diesem Bereich eröffnet. Sie sei schließlich gar in das Verbandsgremium junger Zookaufleute gewählt worden und habe sich in diesem vielfältig eingebracht – unter anderem bei der IHK Stuttgart in der Prüfungskommission. Der frühere Biologielehrer vom Fellbacher Friedrich-Schiller-Gymnasium habe sie in vielen Situationen als „beispielhaften Berater“ geschätzt.

Meilenstein war der Neubau in den 1980er Jahren

Ein Meilenstein war dann in den 1980er Jahren: Durch die Stadtmitte-Sanierung musste der Betrieb seinen Standort in der Bahnhofstraße 2 aufgeben, und der neue Standort in der Cannstatter Straße 74 wurde bezogen. Über den Betrieb hinaus habe sie sich für den Handel stark gemacht und 1979 die Werbegemeinschaft Stadtmitte mit ins Leben gerufen, aus dem letztlich ein wichtiger Impuls zur Einführung des Fellbacher Maikäferfests entstanden sei erinnert sich die Fellbacherin.

Das liegt alles lange zurück. Zoo Sayler musste schließlich 2002 wegen der Krankheit ihres Mannes aufgegeben werden. Doch daran schloss sich der Lagerverkauf bis 2022 an. Und daran dann der Garagenverkauf über das Geschäft Annas Mode nebenan.

„Ich hatte ja mit meinem Mann unser Hobby zum Beruf gemacht. Jetzt in meinem Alter ist diese Freude zu Berufs-Therapie geworden“, sagt Gudrun Bürkle und strahlt. Es tue einfach gut, dass sie jahrzehntelange treue Kunden immer noch begrüßen dürfe und ihre Beratung noch gefragt sei.