Der Gang zur Kasse in Stuttgarts zoologisch-botanischen Garten wird künftig teurer. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Von März 2019 müssen die Besucher der Wilhelma tiefer in die Tasche greifen, um Elefanten, Pinguine und Co. zu sehen. Der Förderverein ist verärgert über die Preispolitik.

Stuttgart - Die Meldung kam en passant, im dritten Absatz einer Pressemitteilung, in der am Anfang mit Blick auf den Herbst die Rede von einer „goldenen Zeit“ in der Wilhelma ist. Der zoologisch-botanische Garten erhöht mit dem Beginn der Sommersaison am 1. März 2019 seine Eintrittspreise; die Karten verteuern sich um bis zu 25 Prozent. „Wir haben die Preise für Tageskarten vier Jahre lang stabil halten können, für Jahreskarten sogar sechs Jahre. Aber auch an uns geht die Teuerungsrate nicht vorbei“, sagt Wilhelma-Chef Thomas Kölpin.

Die Preiserhöhung betrifft alle Kategorien. Das Kinder- und Jugendticket (6 bis 17 Jahre) verteuert sich zum Beispiel von acht auf zehn Euro, das entspricht einer Steigerung von 25 Prozent. Erwachsene zahlen künftig für den Einzeleintritt 19 Euro (bisher 16), das sind knapp 19 Prozent mehr. Familien kostet das Tagesticket 48 statt bisher 40 Euro (20 Prozent plus). Zoochef Kölpin sagt zu den deutlichen Sprüngen: „Unser Ansatz ist, nicht ständig kleine Preiserhöhungen vorzunehmen, sondern lieber die Tarife länger stabil zu halten und dann einen größeren Sprung zu machen.“ Zum Vergleich: Der allgemeine Verbraucherindex stieg von 2014, dem Zeitpunkt der letzten Preiserhöhung in der Wilhelma, bis 2017 um 2,5 Prozent, bis zur neuen Preiserhöhung Anfang März dürfte er auf rund vier Prozent steigen. Mit dem neuen Preisniveau für die Einzelkarte rangiert Stuttgart künftig zwischen Hellabrunn in München (15 Euro), dem Zoo in Berlin (21 Euro) und Hagenbeck in Hamburg (20 Euro, Aquarium 14 Euro extra).

Deutliche Kritik kommt vom Förderverein

Die Besucher in Stuttgart müssen künftig mehr bezahlen, obwohl der Zoo in der Vergangenheit einige Attraktionen wie zum Beispiel die Flusspferde und auch die Eisbärin Corinna verloren hat. Ob es in Stuttgart künftig wieder Eisbären geben wird, ist übrigens nach wie vor nicht entschieden. Man prüfe noch, heißt es. Zu den Gründen der Preisanhebung heißt es auf Nachfrage: „Zu Buche schlägt bei den Kosten, dass die Wilhelma eine Institution des Artenschutzes ist. Die Versorgung der rund 11 000 Tiere ist personalintensiv. Und am Futter von Erdmännchen bis Elefant kann man nicht sparen.“

Deutliche Kritik an der Preiserhöhung kommt aus dem Kreis des Fördervereins der Wilhelma. Die Beiträge des mehr als 34 000 Mitglieder zählenden Vereins sind an die Eintrittspreise der Wilhelma gekoppelt. Der Mindestbeitrag für den Verein ist der Preis einer vergleichbaren Jahreskarte plus fünf Euro. Die Preiserhöhung verteuert jetzt zum Beispiel den Mitgliedsbeitrag eines Erwachsenen für ein Jahr von 60 auf 70 Euro, Familien zahlen statt 125 Euro künftig 155 Euro. Für ein Kind sind künftig 30 statt 20 Euro fällig, also satte 50 Prozent mehr. „Unsere Mitglieder sind darüber alles andere als glücklich“, sagt dazu der Vorsitzende des Vorstandes des Fördervereins, Georg Fundel, „bei der Nachricht gab es Unmut, wie ich ihn so noch nicht erlebt habe.“

Koalabären nach Stuttgart?

Dabei geht es aber nur zum Teil um die Erhöhungen an sich. Der Verein, der teilweise mit Millionenbeträgen Projekte der Wilhelma fördert, vermisst Tempo in der Umsetzung einiger Pläne für die Zukunft. „Wir zahlen ja gerne, aber es passiert gerade zu wenig“, sagt Fundel. So hat der Verein zum Beispiel für den Neubau der Elefantenwelt, in der einmal bis zu 14 Dickhäuter leben sollen, zehn Millionen Euro zugesagt. Der Baustart ist aber vom Jahr 2020 über 2021 auf nun 2022 verschoben worden. Mit einer weiteren Million Euro will der Verein das Vorhaben fördern, Koalabären nach Stuttgart zu holen. Und im geplanten asiatischen Bereich will er sich an Projekten bei den Raubtieren beteiligen. „Was wir jetzt gerne hätten, wäre ein belastbarer Zeitplan, wann die Projekte realisiert werden“, sagt Fundel. Laut Wilhelma soll der Umbau des ehemaligen Menschenaffenhauses als Heimstatt der Koalas im Jahr 2021 abgeschlossen sein, für den Baubeginn des asiatischen Dorfs nennt der Zoo das Jahr 2020.

Lesen Sie hier: So schneidet die Wilhelma im europaweiten Vergleich ab

Reduziert wird das Angebot der Wilhelma künftig zeitlich. Von November bis Februar schließt der Park außer in der Herbstferien (offen bis 18.30) bereits um 16.30 Uhr, also eine halbe Stunde früher als bisher. Der Zoo begründet dies damit, dass es in der Winterzeit um 17 Uhr bereits dunkel ist. „Wir haben uns entschlossen, die ausgewiesene Zeit den Lichtverhältnissen anzupassen“, sagt Zoo-Sprecher Harald Knitter. Bis zum 20. Januar ist es tatsächlich am späten Nachmittag zumindest dämmrig, von da an geht die Sonne in Stuttgart aber erst nach 17 Uhr unter. Einen Vorteil hat der Winterplan allerdings – bis zum 1. März gelten deutlich günstigere Preise.

Sehen Sie im Video eine Reportage daürber, wie bedrohte Tierarten in die Wilhelma kommen:

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: