Quelle: Unbekannt

Ein 20-Jähriger will sich das Leben nehmen und klettert im Zoo von Santiago de Chile in das Löwengehege. Zwei der drei Raubkatzen müssen getötet werden.

Stuttgart - Drama im Zoo von Santiago de Chile. Vor den Augen schockierter Besucher ist ein junger Mann in das Löwengehege eingedrungen und von den Raubkatzen schwer verletzt worden. Der 20-Jährige sei nackt und anscheinend in Selbstmordabsicht auf die Überdachung des Geheges geklettert. Er habe sich von dort aus Zugang ins Innere verschafft und sich dann nackt ausgezogen, sagte Zoo-Direktorin Alejandra Montalba in der chilenischen Hauptstadt.

Löwengehege auf der Homepage ist verwaist

Der Vorgang hatte sich am Samstagmittag ereignet, wie die chilenische Online-Zeitung „Emol.national“ berichtet. Auf der Homepage des Zoológico Nacional de Chile und dem virtuellen Rundgang durch das 4,8 Hektar große Areal ist das Löwengehege bereits als verwaist gekennzeichnet. Der Zoo von Santiago wurde 1925 gegründet.

Zunächst hätten ihn die drei Tiere nicht beachtet, berichtete die Zeitung „La Tercera“. Dann habe der Mann sich aber an einer der Löwen geklammert und sei schließlich angefallen worden. Um den Eindringling zu retten, erschossen die Wärter zwei der Raubkatzen, wie der Zoo auf Facebook mitteilte.

Die Situation sei so gefährlich gewesen, dass der Einsatz eines Betäubungsgewehrs nicht ausgereicht hätte, sagte Montalba. Das Betäubungsmittel wirke erst nach etwa vier Minuten, in dieser Zeit hätte der Mann tot sein können.

Der Mann wollte sich offenbar das Leben nehmen

In der Hose des 20-Jährigen sei ein Schreiben gefunden worden, bei dem es sich um einen Abschiedsbrief handeln könnte, sagte Polizeikommissar Gerson Sepúlveda. Augenzeugen berichteten, der Mann habe in dem Gehege Bibelverse zitiert. Sein Zustand sei kritisch, erklärte Sebastián Ugarte von der Clínica Indisa in Santiago, wo der Mann behandelt wird. Tierschützer protestierten gegen die Erschießung der Löwen, die sich seit mehr als 20 Jahren in dem Zoo befanden, wie der chilenische Sender TVN berichtete.

„Das ist sehr schmerzhaft für jeden von uns“

Die Tötung der beiden Löwen ist umso tragischer, da der Zoo nur drei der Großkatzen beherbergt. Durch diese Aktion sei die Tötung von zwei unserer drei Löwen notwendig gewesen, heißt es in der offiziellen Stellungnahme des Zoológico Nacional de Chile auf Facebook. „Das ist sehr schmerzhaft für jeden von uns und vor allem für ihre Betreuer und alle, die sich Tag für Tag um sie kümmern und die Teil ihres Lebens geworden sind. Trotz des Schmerzes, war diese Aktion notwendig, um das Leben des Mannes zu retten, der sich derzeit in einer Klinik befindet.“

Und weiter heißt es auf der Facebook-Seite des Zoos: „Wir wollen klarstellen, dass die Tierhaltung in unserem Zoo für unsere Besucher absolut sicher ist und dieser Fall absolut ungewöhnlich ist, weil die verletzte Person alle Sicherheitsmaßnahmen missachtet hat.“

Tödliche Unfälle in Zoos

Immer wieder kommt in Zoos zu tödlichen Attacken durch Raubkatzen und andere Tiere.

Dezember 2014

Ein Mann dringt in das Löwengehege des Zoos von Barcelona ein und wird von den Raubtieren schwer verletzt. Laut Medienberichten hatte der Mann in der Vergangenheit schon häufiger mit provokanten Aktionen Aufsehen erregt.

September 2013

Mit einem Biss ins Genick tötet ein Tiger im Zoo von Münster seinen langjährigen Tierpfleger. Der Pfleger hatte offenbar beim Füttern der Tiere vergessen, eine Luke des Käfigs zu schließen.Der 56 Jahre alte Mann sei durch eine Schleuse in das Freigehege gegangen, um es zu reinigen, erklärte der Zoo. Dabei hatte er wohl übersehen, dass der zehnjährige Amurtiger Rasputin schon durch die offene Luke zurück ins Gehege gelangt war. Dort fiel Tiger Rasputin den Pfleger an.

August 2012

Eine 43 Jahre alte Pflegerin wird von einem Sibirischen Tiger getötet. Die Besucher bekamen nichts mit, das Drama geschah im Innern des Raubtiergeheges.

Oktober 2007

In Frankreich tötet ein Zoo-Löwe einen Tierpfleger. Er griff den Mann im Tierpark von Haute-Touche im Westen des Landes an, als er ihn ins Nachtgehege bringen will. Der Leiter des Tierparks musste den Löwen töten, der bereits 2001 im Zoo von Vincennes einen Pfleger tödlich verletzt hatte.

Mai 2007

Im Berliner Tierpark Friedrichsfelde wird eine Tierpflegerin von einem 350 Kilogramm schweren Moschusochsen erdrückt. Der Sicherungsbalken vor der Gehegetür war nicht korrekt vorgeschoben. Der Bulle gelangte so in das Vorgehege und drückte die 41-jährige Frau gegen ein Gitter. Das Tier bleibt am Leben. „Es kann nichts dafür“, urteilte der Tierpark-Chef.

November 2006

Im Chemnitzer Tierpark fällt ein Leopard seine Pflegerin an und tötet sie mit einem Nackenbiss. Die Schieber zum Käfig waren nicht richtig verriegelt. Die 23-jährige Frau wollte das Gehege reinigen.

Februar 2005

Ein deutscher Tierpfleger wird im Wiener Zoo von einem Elefanten getötet. Er spießte den 39-jährige Mann auf, als er den vier Jahre alten Jungbullen duschen wollte.

März 2002

Bei der Fütterung im Jaguar-Gehege des Wiener Zoos vergisst eine 21-jährige Pflegerin, die Luke zu den Großkatzen zu schließen. Sie wird vor den Augen vieler Besucher von drei Jaguaren angefallen und durch einen Genickbiss getötet.

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