Klaus und Elke Bauer (hinten links) übergeben ihre Besenwirtschaft „Zom Äpflbutza“ an die Töchter Melanie Maurer (Mitte) und Carina Bauer. Mit den Drillingen Lina, Emma und Johanna (vorne von links) steht schon die nächste Generation bereit. Foto: Eibner/Buerke

Mit seiner Besenwirtschaft „Zom Äpflbutza“ hat sich Klaus Bauer vor bald 27 Jahren einen Traum erfüllt. Jetzt wird ein neuer Traum für ihn und seine Frau Elke wahr: Seine beiden Töchter Melanie und Carina übernehmen die Führung in dem Neuweiler Gastbetrieb.

Als junger Mann wollte Klaus Bauer so gerne Metzger oder Koch werden. „Aber mei’ Vadder hot’ mi’ net g’lassa“, sagt der 68-Jährige. Stattdessen machte er eine Elektrikerausbildung. Ein ganzes Berufsleben lang war er bei Bosch/Siemens als Hausgerätetechniker tätig. Seinen Traum gab er dennoch nicht auf. Im Jahr 1996 eröffnete er gemeinsam mit seiner Frau Elke in dem Weil im Schönbucher Ortsteil Neuweiler eine Besenwirtschaft. Jetzt erfüllt sich für den Familienvater und seine Frau ein weiterer Traum: Die beiden Töchter übernehmen den Betrieb.

 

„Zom Äpflbutza“ heißt die Besenwirtschaft, die das Ehepaar in den Räumen von Elke Bauers großväterlicher Schreinerei eingerichtet hat und die sich weit über das 1100-Einwohner-Örtchen einen Namen gemacht hat. Der mit Ausnahme des Augusts immer jeweils für sechs Tage im Monat geöffnete Familienbetrieb mauserte sich schon bald vom kleinen Mostbesen zur gefragten Adresse für Einheimische und Neigschmeckte.

Wein kommt vom ehemals eigenen Weinberg in Bretzfeld

Auf der Speisekarte steht Besentypisches wie Schlachtplatte, Rostbraten, Kesselfleisch und Saure Kutteln. Fleisch und Wurst kommen vom Metzgermeisterbetrieb von Bauers Sohn Matthias. Der konnte sich – anders als sein Vater – den Berufswunsch ohne Widerstände erfüllen. Da Tochter Melanie Maurer eine eigene Jagd hat, gibt es auch immer wieder Rehbraten oder handgemachte Wildmaultaschen. Der Kartoffelsalat wird immer noch nach dem Rezept der mittlerweile 88-jährigen Oma Anneliese hergestellt. Im familieneigenen Hofverkauf gibt es alles von Wurst bis Eierlikör und außerdem frische Eier von 300 in Freilandhaltung gehaltenen Hühnern – wobei das Federvieh wegen der aktuellen Geflügelpestverordnung sein Dasein derzeit im Stall fristet.

Zu trinken gibt es neben Most, Obstbränden und Saft von eigenen Streuobstwiesen auch Bier und Weine wie Trollinger, Lemberger, Spätburgunder oder Riesling. Der Wein stammt von einem Weinberg in Bretzfeld im Hohenlohenkreis, den das Ehepaar Bauer 22 Jahre lang selbst bewirtschaftet hat. „Moscht isch jo ganz reacht, aber i trenk halt au gern amol an Woi“, zitiert Klaus Bauer einen Gast, der ihn mit dieser Aussage dazu gebracht habe, sich einen eigenen Wengert zuzulegen.

Manchmal ging es nach nur einer Stunde Schlaf zur Arbeit

Auf einem halben Hektar Fläche haben Klaus und Elke Bauer die Reben angebaut, gelesen und im eigenen Keller reifen lassen. „Vor zwei, drei Jahr’ hend’ mer’s dann nemmer packt ond da Wengert verkauft“, erzählt Klaus Bauer. Mittlerweile kümmere sich ein in Winzerangelegenheiten sehr kompetenter Grundstücksnachbar um den Weinberg und übernehme die Pflege und Ernte der Reben im Auftrag des Ehepaars.

Knapp drei Jahrzehnte lang schulterte das Ehepaar die Doppelbelastung zwischen Mostbesen und Hauptberuf. Mit knapp 68 Jahren ist Elke Bauer noch immer in der diakonischen Altenpflege in Weil im Schönbuch tätig. Klaus Bauer steckt die langen Nächte auch nicht mehr so gut weg wie früher, als er im Extremfall bis vier Uhr morgens mit den Gästen beieinander saß und dann nach einer Stunde Schlaf „ins G’schäft“ gefahren ist.

Jetzt will das Ehepaar allmählich ein wenig kürzer treten. Nachdem alle Formalien von Gaststättenunterrichtung bei der Industrie- und Handelskammer bis zur Gewerbeab- und Anmeldung beim Landratsamt erledigt sind, soll im April die offizielle Geschäftsübergabe an die Töchter erfolgen.

Der Generationswechsel passiert aber im Grunde schon seit geraumer Zeit, denn die 42-Jährige Melanie Maurer und die 32 Jahre alte Carina Bauer arbeiten schon seit Kindesbeinen im Betrieb mit. Viel verändern wollen die beiden nach eigener Aussage nicht – vielleicht von ein paar Ergänzungen auf der Speisekarte abgesehen. Schließlich ziehe der Besen schon jetzt auch viele junge Leute an und präsentiere sich zeitgemäß auf Facebook und Instagram.

„Ein ganz schleichender Übergang.“

„Es ist ein ganz schleichender Übergang“, sagt Carina Bauer, die als Groß- und Außenhandelskauffrau tätig ist. Genau wie ihre Schwester, die in Teilzeit beim Hofgut Mauren arbeitet, schultert sie die monatliche Woche in der Besenwirtschaft in ihrer Freizeit. Beide Schwestern wissen genau, was hier an Arbeit auf sie zukommt. Bis zu 100 Leute passen in den Innenraum des von außen so unscheinbaren Gebäudes in der Schönbuchstraße 1. Seit dem Ende der Corona-Maßnahmen sei der Besen regelmäßig bis auf den letzten Platz besetzt, berichtet Melanie Maurer. „Das ist, als wären die Leute ausgehungert danach gewesen“, meint ihre jüngere Schwester. Im Sommer kommt noch eine Terrassenbewirtung hinzu.

Wenn um 18 Uhr der Betrieb läuft, stehen Carina und Melanie gemeinsam mit der Mutter in der Küche und bereiten das Essen vor. Für die Bedienung der Gäste steht ein Team von Freunden und Bekannten bereit. Der Vater ist insbesondere für die Kontaktpflege zuständig. Ihm ist es nach Ansicht seiner Tochter Melanie auch zu verdanken, dass der „Äpflbutza“ sich neben gutem Essen und Trinken vor allem durch die gemütliche Atmosphäre auszeichne. „Es fällt auf, dass die Gäste bei uns gerne zusammenrücken“, beschreibt sie, wie oft einzelne Grüppchen den Abend an ihrem eigenen Tisch beginnen würden, um ihn dann in großer, lustiger Runde feuchtfröhlich ausklingen zu lassen.

In diversen Fünf-Sterne-Bewertungen im Internet erwähnen die Gäste immer wieder den „singenden Wirt“ Klaus Bader. „30 Jahre Gesangsverein Neuweiler“, kommentiert er mit verschmitztem Lächeln im Gesicht. Seine gesellige Art ist laut Tochter Carina auch das, was hier das besondere „Besen-Feeling“ ausmache. Als sie davon erzählt, wie gerne die Gäste ein Schwätzle mit ihm halten oder seine „Lompaliader“ mitsingen, kommen dem Vater Tränen der Rührung in die Augen.

Die sind aber schnell wieder verschwunden, wenn er seine Enkeltöchter anschaut. Melanie Maurers zwölfjährige Drillingstöchter Emma, Johanna und Lina helfen nämlich ebenfalls schon tatkräftig und mit sichtlicher Freude in der Besenwirtschaft mit. Der Äpflbutza fällt eben nicht weit vom Stamm.

Die Besenwirtschaft „Zom Äpflbutza“ hat in dieser Woche noch bis zum 12. März täglich ab jeweils 18 Uhr (sonntags bereits ab 11 Uhr) geöffnet. Danach wieder vom 18. bis zum 23. April. Reservierungen sind nicht möglich. Infos unter www.besenwirtschaft-neuweiler.de