Der Weissacher Bauhof soll saniert werden – das wird teuer. Foto: Simon Granville

Die geplante Sanierung des Weissacher Bauhofs löst im Gemeinderat eine hitzige Debatte aus. Durch Planungsfehler sind die Kosten auf fast 24 Millionen Euro gestiegen.

Die Sanierung des Weissacher Bauhofs steht seit Jahren weit oben auf der Agenda der Heckengäugemeinde. Jetzt wird klar: Das Projekt, das auch den Neubau einer großen Fahrzeughalle beinhaltet, ist selbst für die finanzstarke Porsche-Kommune ein schwerer Brocken. Teile des Gemeinderats zeigen sich angesichts prognostizierter Gesamtkosten von inzwischen knapp 24 Millionen Euro massiv verstimmt.

 

Bürgermeister Jens Millow war sichtlich überrascht, mit welcher Heftigkeit ihm am Montag im großen Sitzungssaal des Weissacher Rathauses die Vorwürfe entgegenprasselten: „Ich erkenne den Willen zum Sparen nicht“, kritisierte etwa Gremiumsmitglied Daniel Weeber (Unabhängige Liste) die Verwaltungsspitze. Mit der Anschuldigung „Sie bieten uns nirgends einen Kompromiss an“ attackierte Nikolaus Melwitz von den Freien Wählern den Rathauschef ganz direkt. Melwitz deutete gar einen Vertrauensbruch an.

23,6 Millionen Gesamtkosten

Was war passiert? Damit die Verwaltung nach Jahren des Projektstillstands die geplante Sanierung des neuen Bauhofs endlich vorantreiben kann, sollte der Gemeinderat am Montagabend sein Plazet zu einer notwendig gewordenen neuen Vorentwurfsplanung geben. 23,6 Millionen Euro Gesamtprojektkosten waren aufgerufen.

Eine Summe, die auch für Weissach, das dank der Firma Porsche deutlich mehr als 100 Millionen Euro auf der hohen Kante hat, kein Pappenstiel ist. Doch sowohl die Rathausspitze, die Bauhofleitung als auch das beauftragte Architekturbüro beteuerten in der Sitzung, alle Sparpotentiale bei dem anstehenden Sanierungsprojekt ausgelotet zu haben. Im Mai war angesichts des beeindruckenden Kostenvolumens bereits ein erster Versuch im Gemeinderat gescheitert, einen Beschluss herbeizuführen. Die Verwaltung sollte damals stattdessen zunächst nach Einsparmöglichkeiten fahnden.

Projekt kaum billiger zu bewältigen?

Fündig wurde sie dabei nur bedingt. Lediglich etwas über 300 000 Euro Einsparpotenzial hatte die Überprüfung ergeben. Mit anderen Worten: Soll der Bauhof in Zukunft reibungslos funktionieren, ist er, nach Ansicht der Fachplaner, offenbar nicht billiger zu haben. In dessen Hauptgebäude in der Weissacher Straße 18 ist neben dem Bauhof auch das Deutsche Rote Kreuz, der Eigenbetrieb Wasserversorgung, der Forstbetrieb und eine Wohnung untergebracht. Was man zudem wissen muss: Ein in der Vergangenheit immer wieder ins Feld geführter Komplettneubau würde geschätzt mindestens 33,7 Millionen Euro kosten.

Ullrich Shih, ebenfalls Freie Wähler, hatte die Zustimmung seiner Fraktion zur neuen Vorentwurfsplanung in der Sitzung gleichwohl zeitweise davon abhängig gemacht, dass die Gesamtkosten bei 80 Prozent des prognostizierten Volumens gedeckelt werden. Für Jens Millow ist das wiederum undenkbar: Der Bürgermeister machte mehrfach deutlich, dass ein solches Vorgehen einem Projektende gleichkäme. „Wir würden das nicht im Ansatz schaffen“, sagte der Rathauschef.

2023 gab es „eine Fehlkalkulation“

Die Krux: Ursprünglich waren die Kosten für die Sanierung und den Neubau der Fahrzeughalle im Jahr 2023 auf nur 10,6 Millionen Euro beziffert worden. Wie die Gemeindeverwaltung jetzt mitteilte, seien dieser Kalkulation eines Architekturbüros, dem die Kommune inzwischen den Auftrag entzogen hat, aber einige Planungsfehler zugrunde gelegen. So seien beispielsweise zwischen 20 und 30 Prozent der Flächen nicht berücksichtigt worden, weil auf veraltete Daten zurückgegriffen worden war. Zudem seien beim Thema energetische Sanierung die Mitnutzer des Bestandsgebäudes unberücksichtigt geblieben. Hinzugerechnet werden muss außerdem nun die übliche Teuerung im Baugewerbe, die bekanntlich umso größer wird, je mehr Zeit vergeht.

Wie die Verwaltung in der Sitzung erklärte, sehen die aktuellen Planungen vor, dass der modernisierte und erweiterte Bauhof neben einer Verbesserung des Arbeitsschutzes und der Arbeitssicherheit auch mehr Platz für alle Geräte und Fahrzeuge in einer „nicht nur reinen Kalthalle“ bieten soll. Angedockt wären an den Warmbereich der Halle neue Sanitäranlagen sowie Büro-, Schulungs- und Aufenthaltsräume.

Am Ende der hitzig geführten Debatte zog Ullrich Shih seinen Antrag auf Kostendeckelung zurück. Der Gemeinderat nahm die aktuelle Vorentwurfsplanung mit drei Gegenstimmen mehrheitlich an. Der neue Bauhof, so die aktuelle Prognose, könnte nun etwa im September 2028 an den Start gehen.