Die Band Feine Sahne Fischfilet polarisiert. Jetzt gibt es Ärger um einen Auftritt in Dessau. Foto: dpa

Im Dessauer Bauhaus ist ein Konzert der Band Feine Sahne Fischfilet abgesagt worden – offenbar aus Angst vor rechten Protesten. Nun regt sich erst recht Protest.

Stuttgart - Mehr als hundert Konzerte sind in der traditionsreichen TV-Reihe „zdf@bauhaus“ , die der Mainzer Fernsehsender in der Mensa der Dessauer Bauhausgebäude veranstaltet, bereits über die Bühne gegangen. International bekannte Künstler wie Nada Surf, der britische Songwriter Tom Odell oder die dänische Sängerin Aura Dione traten dort ebenso auf wie viele nationale Größen, etwa Cro, Bap, Adel Tawil und Annett Louisan. Die Band Feine Sahne Fischfilet aus Mecklenburg-Vorpommern wird sich dort nicht einreihen, denn die Dessauer Bauhaus-Stiftung hat jetzt eine ursprünglich für den 6. November geplante Konzertaufzeichnung mit der Band abgesagt. Begründet hat die Stiftung dies mit der politischen Ausrichtung der Band, sie befürchte Protestkundgebungen und mache daher von ihrem Hausrecht Gebrauch. Das Bauhaus solle nicht zum Austragungsort politischer Debatten werden.

Aber genau das, was verhindert werden sollte, ist dadurch eingetreten. CDU und AfD hatten bereits zuvor gegen die Veranstaltung protestiert, rechte Gruppierungen in sozialen Netzwerken gegen das Konzert mobilisiert, und nun ist auch ein Sturm der Entrüstung von der linken Seite entfacht.

Erst protestieren Rechte – jetzt Linke

„Wenn Rechte eine Gefahr sind, dann muss man deren Aufmarsch verbieten und nicht das Konzert“, kritisierte gegenüber dem „Spiegel“ der innenpolitische Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion, Sebastian Striegel. „Es sind Zeiten wie diese, in denen deutlich wird, ob jemand überhaupt eine Haltung hat und welche“, schrieb der Landtagsvizepräsident Wulf Gallert (Die Linke) bei Twitter. Und Gerhard Kämpfe, der Intendant des Kurt-Weill-Festes Dessau, erklärte im MDR, er habe immer dann Angst, wenn Kultur sich ducken müsse, egal in welche Richtung. Er glaube, dass man sehr aufpassen müsse, nicht hoffähig gegenüber Aktivitäten zu werden, die „dieses Land unter Umständen eines Tages in einen braunen Sumpf verwandeln“.

Rainer Robra, der CDU-Kulturminister von Sachsen-Anhalt und Vorsitzende des Bauhaus-Stiftungsrats, verteidigte hingegen die Absage. Der Stiftungsrat habe sich in diese Entscheidung der Direktion zwar nicht eingemischt, er trage sie jedoch aus Sicherheitsbedenken mit, auch weil das Bauhaus schon im letzten Jahr einen rechten Aufmarsch erleben musste. „Die Einladung der Band ist schwer bis nicht nachvollziehbar“, sagte der Regierungssprecher Sachsen-Anhalts, Matthias Schuppe. „Eine Band mit Texten wie ,Die Bullenhelme, die sollen fliegen, eure Knüppel kriegt ihr in die Fresse rein‘ gehört einfach nicht ins Bauhaus“, twitterte der CDU-Europa-Abgeordnete Sven Schulze. Und der AfD-Bundestagsabgeordnete Andreas Mrosek setzte zum Frontalangriff auch gegenüber dem ZDF an: „Es ist ein Skandal, dass ein von Zwangsabgaben finanzierter und zur Ausgewogenheit verpflichteter öffentlich-rechtlicher Sender einer linksextremistischen Band ein solches Forum bietet.“

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