Das wurde teuer: Am ersten Spieltag der Kreisliga B zünden die 07-Anhänger im Jahnstadion Pyrotechnik. Foto: privat

Die Fußballromantik ist weitgehend dahin: Der neu gegründete Verein wird schon zum Saisonstart von einigen Problemen heimgesucht. Eine große Rolle kommt dabei der Fan-Gruppierung „Balljungz“ zu. Was genau läuft derzeit schief?

 

Man sollte vorsichtig sein mit platten Floskeln wie „Da brennt der Baum“ oder „Kein Rauch ohne Feuer“. Auch „Sich die Finger an etwas verbrennen“ gilt gemeinhin als recht abgedroschen. Und doch böten sich derlei flapsige Bemerkungen an beim Blick darauf, was bei 07 Ludwigsburg derzeit so vor sich geht. Und angefangen hat nun mal alles mit Feuer und ja, auch mit Rauch. Was bisher geschehen ist:

Fanclub zündet Pyrotechnik

Am vorvergangenen Wochenende absolvierte der neue Verein 07 Ludwigsburg sein erstes Saisonspiel. Die 1:4-Pleite gegen den SV Kornwestheim II im heimischen Jahnstadion markierte die Rückkehr der „Marke“ 07 auf die Fußballbühne, wenn auch nur in der Kreisliga B. Dazu hatte der Fanclub des Vereins, die Balljungz, eine Choreografie vorbereitet, mit Rauchtöpfen und bengalischen Fackeln in den Clubfarben Schwarz und Gelb. „Wir haben schon im Sommer die Genehmigung bei der Stadt eingeholt“, betont Balljungz-Macher Frank Engeln. Also waberte vor Anpfiff vom großen Fanbanner aus Rauch durchs Rund, und einige Unterstützer schwenkten die Bengalos. „Es hat stark gewindet, so hat sich das auch schnell verzogen“, so Engeln.

Strafe – und die Genehmigungsfrage

Das Problem: Engeln, der sich bis vor Kurzem bei 07 auch um die Social-Media-Belange kümmerte, erhielt zwar von der Stadt Ludwigsburg am 22. Juli per E-Mail die Rückmeldung. Die Aktion könne stattfinden, man habe die Feuerwehr in Kenntnis gesetzt (der Schriftverkehr liegt unserer Zeitung vor). Allerdings gefiel dem Württembergischen Fußballverband (WFV) die Sache gar nicht. Vor einer Woche flatterte den 07ern ein Schreiben ins Haus mit dem Urteil des Sportgerichts, das den Verein mit einer Geldstrafe in Höhe von 500 Euro plus 15 Euro Bearbeitungsgebühr belegte. „Mit der Genehmigung der Stadt war für mich die Sache erledigt“, so Engeln, „da war ich vielleicht zu blauäugig.“ Beim Verband habe man sich vorab nicht erkundigt. „Das hätte ich machen müssen“, gesteht Engeln. Auf Nachfrage bestätigt Staffelleiter Frank Schneider: „Die Statuten untersagen Pyrotechnik, egal bei welchem Spiel.“ Aus dem Urteil schließe er, dass es nicht auf die Genehmigung seitens der Kommune ankomme. Auf Rückfrage unserer Zeitung klärt man bei der Stadt auf: Die Rauchtöpfe, die von Frank Engeln angemeldet worden seien, unterlägen an sich keiner Genehmigungspflicht, so Susanne Jenne von der Pressestelle. Man habe das bei der Anfrage waffenrechtlich und unter Brandschutzaspekten gewertet. Generell greife dabei aber natürlich am Ende das Regelwerk des Fußballverbandes. Es sei aber insgesamt in der Tat „etwas unglücklich gelaufen“.

Problematische Banner und Tumulte

Am zurückliegenden Sonntag kam es zum Spiel beim MTV Ludwigsburg II. Zur Erinnerung: Der MTV ist jener Verein, mit dem die einstige, finanziell angeschlagene SpVgg 07 Ende März 2019 verschmolz. Er übernahm Abteilungen, viele Akteure, aber auch Schulden. Laut Frank Engeln sei der MTV „schon immer ein Intimfeind“. Nun stand auf einem Banner, das die Balljungz vor und während der Partie entrollten: „Keine Amnestie für MTV!“. Dabei handelt es sich eigentlich um einen Songtitel der Band Böhse Onkelz, der sich gegen den Musiksender MTV richtet. Die Balljungz nutzten den Spruch hingegen als vermeintlich coole Anti-Formulierung. Engeln: „Das haben wir früher immer gesungen, als es die Brigade Schwarz-Gelb noch gab.“ Anders sah es bei Banner Nummer zwei aus, eine Reaktion auf die Geldstrafe des Verbands: „Wir F***** Vereine“ – abgekürzt WFV. Waren die Banner an sich bereits von streitbarem Geschmack, kam es noch zum Disput zwischen Balljungz und MTVlern, wie Engeln berichtet. Man sei körperlich angegangen, beleidigt und bespuckt, die Transparente seien abgerissen und zerknüllt worden.

Reaktionen von 07

Der 07-Vorstand ist nicht amüsiert. „Ich war total dagegen“, sagt der Vorsitzende Silvester Apro über die Pyroaktion, „aber sie haben sie trotzdem gezündet.“ Von der Genehmigung habe er gewusst – abgeraten habe er trotzdem. „Bezahlen sollen jetzt die, die das gemacht haben“, fordert Apro. Zum Bannerthema wird er noch deutlicher: „Wir distanzieren uns klar von diesen Idioten.“ Es sei unfassbar, was die Gruppe sich anmaße. Mit seinem Vorstandskollegen Gerd Maser sei er mehrfach zu den Balljungz gegangen und habe darum gebeten, die Banner wieder wegzupacken. Man habe ihn nur vertröstet.

Reaktionen vom MTV

„Das Problem war ja auch, dass wohl einige Kinder beim Spiel dabei waren“, sagt MTV-Geschäftsführer Ralph Schanz, „und es sind wohl sehr viele üble Parolen gerufen worden.“ Er selbst sei bei der Partie nicht dabei gewesen und wisse auch nach Rücksprache mit dem Fußball-Abteilungsleiter nichts von etwaigen Auseinandersetzungen um die Banner. „Wir werden aber noch mit dem Verband sprechen“, so Schanz, der noch zur Generalkritik am neuen Verein 07 ausholt: „Es ist verwunderlich, dass der Verein wiederauflebt. Wenn er gesund gewesen wäre, wäre die Verschmelzung ja gar nicht notwendig gewesen.“ Beleidigende Schlachtengesänge in Richtung MTV seien daher unangebracht.

Reaktionen vom Verband

„Ich vertrete den WFV nur im Ehrenamt“, sagt Staffelleiter Frank Schneider, „aber ich will in meinen Ligen Ruhe haben.“ Verhärtete Fronten hätten noch nie etwas gebracht. Daher werbe er beim Thema Pyrotechnik für den Dialog. Man müsse sich zusammensetzen, um zu klären, was da genau schiefgelaufen sei. Generell sei es aber so, dass eine Gruppierung wie die Balljungz eine Vorbildfunktion auch für Jüngere habe. Zu den Bannern könne er indes noch nichts sagen. „Auf jeden Fall wird noch der Schiedsrichter angehört.“ Dann werde man weitersehen.