Nach knapp 30 Jahren soll der Zentrale Omnibusbahnhof in Göppingen erneuert werden. Doch beim Gewinnerentwurf für die neuen Haltestellen sieht der regionale Fahrgastbeirat für den Kreis Göppingen Nachbesserungsbedarf.
Seit 1994 steht das Drehkreuz für Linienbusse in dieser Form in Göppingen: der Zentrale Omnibusbahnhof. Bis 2027 soll der Ort in neuer Gestalt wiederentstehen. Anfang Oktober entschied sich ein Preisgericht aus 17 Entwürfen für die vorgestellten Pläne der Bürogemeinschaft „Uniola AG mit Hieber, Marquart, Lay und Bollinger + Grohmann“ aus Stuttgart. Vonseiten des regionalen Fahrgastbeirats hagelt es zumindest Kritik an dieser Entscheidung. Der Siegerentwurf werde den Anforderungen des modernen Linienbusverkehrs nicht gerecht, der Mehrwert sei gering. Es sei zu bezweifeln, ob der Entwurf tatsächlich für einen barrierefreien Busbahnhof geeignet sei.
Denn die Barrierefreiheit war – neben dem Alter der Anlage – auch ein Grund, warum die Kreisstadt den ZOB neu bauen will. „Bisher ist nicht einmal eine geeignete barrierefreie Verbindung zwischen Bahnhof und ZOB über den neuen Erschließungsweg an der Fußgängerzone Kanalstraße berücksichtigt“, schreibt der Sprecher des Fahrgastbeirats, Heiko Stobinski, in einer Pressemitteilung, welche der Beirat im Vorfeld zu seiner Sitzung verschickt hatte.
Gremium listet eine ganze Reihe an Mängeln auf
Auch während der jüngsten Sitzung, die in Geislingen stattfand, bekräftigte Stobinski die Zweifel des Gremiums an den Plänen der Stadt Göppingen. „Mit dem, was als Siegerentwurf hervorgegangen ist, sind wir überhaupt nicht zufrieden.“ Durch die Enge des Raums, fehlende Sichtachsen und mangelnde Wegebeziehungen entstehe „ein Labyrinth an Bussteigen“, welches die Sicherheit der Fahrgäste – insbesondere jener mit Behinderungen – gefährde. Zudem: „Bei Inbetriebnahme des neuen ZOB muss man in der Hauptverkehrszeit mit mehr als 60 Abfahrten und mehr als 60 Ankünften von Linienbussen rechnen“, findet Stobinski. Diese dichte Taktung an Fahrzeugen habe man nicht berücksichtigt.
Ebenso habe man im Entwurf bei der Größe zu wenige Busbuchten für Fahrzeuge länger als zwölf Meter eingeplant. Zum Vergleich: Schon ein Gelenkbus habe eine Länge von 18 Metern, wie Beiratsmitglied Heinz Oswald zur jüngsten Sitzung des Gremiums erläuterte. Stobinski ergänzte, dass nach Angaben des VVS schon bis zu 17 Busse länger als zwölf Meter im Kreis Göppingen unterwegs seien. „Also könnte es hier zu Problemen kommen“, sagte er. Dies auch bei der Barrierefreiheit, wenn diese Busse die Buchten nicht richtig anfahren können.
Der Leiter des Amts für Mobilität und Infrastruktur beim Kreis Göppingen, Jörg-Michael Wienecke, mahnte zur Fahrgastbeiratssitzung, besonnen zu bleiben. Das Gremium hatte zuvor moniert, seitens der Göppinger Stadtverwaltung blieben dessen Einwände ungehört. Anders beim Kreis: „Wir haben ein Schreiben an die Stadt Göppingen verfasst, dass wir mit dem Siegerentwurf in dieser Form weder glücklich sind, noch einverstanden sein können.“ Man benötige funktionale Buseinheiten, welche barrierefrei sein müssten und „realistisch zu organisieren“. Dies spiegle sich im Gewinnerentwurf nicht wider.
Landkreis sucht das Gespräch mit der Stadtverwaltung
Angesichts dessen habe der Kreis das Gespräch mit Göppingens Baubürgermeisterin Eva Noller gesucht. „Das war auch ein sehr gutes Gespräch“, berichtete Jörg-Michael Wienecke. Er habe viel Verständnis gespürt, dass man für den neuen Göppinger ZOB eine „andere Form der Organisation“ benötige, als dies beim derzeitigen Entwurf der Fall sei. Ohne sich auf einen anderen Entwurf festlegen zu wollen, sagte der Amtsleiter: „Das ist die Grundvoraussetzung, mit der geplant wird.“
Ebenso wünschte sich Wienecke, einzelne Elemente des neuen ZOB würden so gestaltet, dass die Interimsphase mit Ersatz-ZOB am Fischbergele möglichst abgemildert werde. Konkret: Die innenstadtzentrierten City-Busse müssten am bisherigen ZOB bleiben. Ebenso sollte für Linien Richtung Osten eine Bushaltestelle vor dem Göppinger Hauptbahnhof eingerichtet werden, fand Wienecke. „Was die Stadtpolitik daraus macht, darauf haben wir keinen Einfluss“, gab er zu bedenken. Es sei nicht ausgeschlossen, dass man Elemente aus unterschiedlichen Entwürfen auch kombinieren könnte. „Das war ein gutes Gespräch, durch das wir mit Sicherheit auch weiterkommen“, zeigte er sich einmal mehr zuversichtlich, dass Göppingen die Bedenken des Kreises als Aufgabenträger für den öffentlichen Personennahverkehr ernst nehme.
Die Pläne für den neuen ZOB
Pläne
Am Wettbewerb für die Gestaltung des neuen Omnibusbahnhofs an der Bahnhofstraße in Göppingen hatten sich 17 Büros beteiligt. Mit einstimmigem Votum hat das Preisgericht nach komplexer Bewertung die Bürogemeinschaft Uniola mit Hieber, Marquart, Lay und Bollinger + Grohmann, alle aus Stuttgart, mit dem ersten Preis ausgezeichnet.
Optik
Der Siegerentwurf sieht für den Zentralen Omnibusbahnhof eine prägnante Dachkonstruktion in der Mitte des Platzes vor. Das neue Dach hat die Form eines flachgelegten „ß“. Es gibt geschlossene und mit Photovoltaik-Zellen versehene Dachflächen und offene, mit Lamellen besetzte Strukturen.