Göppingen will seinen Busbahnhof freundlicher und vor allem barrierefrei gestalten. Foto: /Staufenpress

Die Stadt Göppingen will ihr Drehkreuz für den öffentlichen Nahverkehr behindertengerecht und schöner gestalten. Bis es so weit ist, wird allerdings noch einige Zeit ins Land gehen.

Es gibt schönere Orte in Göppingen als den Zentralen Omnibusbahnhof, kurz ZOB. Aber im Zuge einer Generalsanierung soll auch der Platz zwischen Bahnhof-, Kellerei- und Grabenstraße schöner werden. Das ist jedoch nicht der eigentliche Grund für den Umbau. Der ZOB soll, nein, muss barrierefrei werden. Da sitzt der Stadt das Personenbeförderungsgesetz im Nacken, das barrierefreie Haltestellen vorschreibt – eigentlich seit dem 1. Januar 2022. Der ist schon verstrichen, für Barrierefreiheit ist es aber nie zu spät, auch das Gesetz lässt Ausnahmen zu. Die meisten anderen Kommunen hinken auch hinterher.

 

In Göppingen ist bereits die Hälfte der 235 Haltestellen barrierefrei umgebaut, 60 weitere folgen dieses und kommendes Jahr. Auch das Thema ZOB-Umbau ist schon länger auf dem Tisch, jetzt stand es im Gemeinderatsausschuss für Umwelt und Technik auf der Tagesordnung. Klar ist, dass am Busbahnhof nicht einfach nur die Bussteige erhöht werden können. Denn dann passen die Kurvenradien nicht mehr. Deshalb muss neu gebaut werden.

Noch nicht klar ist, wie der neue ZOB aussehen soll. Deshalb soll ein Planungswettbewerb helfen, den der Ausschuss positiv aufgenommen hat und der am Donnerstag vom Gemeinderat wohl beschlossen wird. 210 000 Euro soll der Wettbewerb kosten. Das könnte sich lohnen, meint Werner Hauser, der Leiter des Fachbereichs Tiefbau, Umwelt, Verkehr und Vermessung: „Damit wir Input kriegen.“ Input, also Anregungen und Ideen, wie es schöner werden könnte am Busbahnhof in Göppingen.

Kann nicht schaden, finden auch die Räte. „Der ZOB ist kein städtebauliches Highlight“, sagte die Grünen-Fraktionschefin Elke Caesar. Widerspruch war auch von den anderen Ausschussmitgliedern nicht zu hören. Für die Räte Michael Grebner (SPD) und Michael Freche (Lipi) stand vor allem die Barrierefreiheit im Vordergrund, Klaus Rollmann (FDP/FW) hoffte, dass der Planungswettbewerb helfe, „den ZOB zukunftsfähig“ zu machen. Im Frühjahr sollen die Wettbewerbsbeiträge vorliegen, die Entwurfsplanungen für den Busbahnhof dann bis zum Herbst folgen. Frühestens Ende 2026 wird der neue ZOB fertig sein. Noch nicht geklärt ist, wohin der Busbahnhof, oder zumindest Teile von ihm, verlagert werden, während er umgebaut wird. Eine Möglichkeit wäre, die Busse von einem Interims-Bahnhof am Parkplatz am Fischbergele, bei der ehemaligen Arznei-Mittel-Fabrik Müller, abfahren zu lassen.

Derzeit liegt die Kostenschätzung bei 11,5 Millionen Euro

Unmittelbar angrenzend an den jetzigen ZOB hat die Stadt die Grundstücke und Gebäude Grabenstraße 34 und 36 gekauft. Das ist das Areal der ehemaligen Eisenwarenhandlung Weber, die vor einigen Monaten geschlossen wurde. „Seit ein paar Tagen haben wir die Schlüssel zu den Gebäuden“, sagte die Baubürgermeisterin Eva Noller. Was genau mit diesen Häusern und Grundstücken passieren soll, sei allerdings noch unklar, ein Abriss und eine Erweiterung des ZOB seien denkbar.

Billig wird der Umbau nicht, die Stadt erwartet aber einiges an Fördergeld. Die Erneuerung des Busbahnhofs soll nach aktueller Rechnung rund 11,5 Millionen Euro kosten. Nicht alles kommt aus der Stadtkasse, rund 60 Prozent sollen aus Stuttgart kommen, aus dem Landesgemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz-Programm. Voraussetzung für die Förderung ist ein Antrag, der bis zum 31. Dezember 2024 in Stuttgart auf dem Tisch liegen muss. Das sollte die chronisch überlastete Bauverwaltung schaffen.

Die Zahl der Bahnsteige ist offen

Ausblick
 Die Göppinger Verwaltung hat schon im vergangenen Jahr zwei Varianten für den Umbau des Busbahnhofs in vorgestellt.

Variante 1
 Die erste Variante verfügt über 17 Bussteige, was dem bisherigen Angebot entspricht. Dabei könnten die Bäume erhalten werden.

Variante 2
Zwei Versionen sollten den Bedürfnissen eines deutlich erweiterten Angebots für den Nahverkehr gerecht werden und 26 Bussteige haben, dafür müssten etwa acht Bäume im südlichen Bereich entfernt und durch Neupflanzungen im zentralen Bereich ersetzt werden.