Der Busbahnhof in Stuttgart-Degerloch hat seine Kapazitätsgrenze längst erreicht. Nun erklären Vertreter der SSB, was sich an einer der wichtigsten Verkehrsdrehscheiben auf den Fildern ändern wird.
Degerloch - Der Expressbus der Linie X4 glänzt in der Abendsonne. Am Rande des ZOB Degerloch wartet er an einem Bussteig, der weder Schutz vor schlechtem Wetter bietet noch barrierefrei ist, auf Fahrgäste. Die übrigen Bussteige sind ebenfalls mit Fahrzeugen belegt. Hier, an einem der größten Knotenpunkte auf den Fildern, herrscht akuter Platzmangel. „Die Kurzfahrten der Linie 71 können aktuell nicht direkt in den ZOB einfahren“, so Joachim Keller von der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) am Dienstag im Bezirksbeirat Degerloch. Sie müssten an der B 27 warten und könnten den zentralen Bahnhof dann erst auf der Rückfahrt ansteuern.
Die Entscheidung, das Busaufkommen durch eine Verlegung der Haltestelle für die Linien 70 und 71 Richtung Hoffeld und Asemwald/Schönberg an die B 27 zu entzerren, musste wieder revidiert werden – zu groß waren letztlich die Beschwerden vieler Fahrgäste. Die Haltestelle an der Löffelstraße wurde wieder aufgegeben. Die Interimslösung sei vor allem für ältere oder in ihrer Mobilität eingeschränkte Bürger ungünstig gewesen, sagt Keller. Trotzdem muss eine Lösung her.
Was die SSB am ZOB Degerloch plant
Nun gibt es konkrete Pläne für eine Erweiterung des Busbahnhofs. Die Zahl der aktuell vier vollwertigen Bussteige soll auf sechs erhöht werden. Damit hätte jede der sechs verkehrenden Linien (70/71 und 74/76 werden jeweils als eine Linie betrachtet) eine Anlaufstelle für sich. Ein Steig wird komplett neu entstehen. Der provisorisch wirkende Halt für den X4 an Bussteig 5 soll aufgewertet werden. Unterstand für Wartende inklusive.
Lesen Sie aus unserem Angebot: Degerlocher ZOB platzt aus allen Nähten
Nun liegt dieser Steig im jetzigen Zustand zur einen Seite hin quasi im Grünen. Der 1990 gepflanzte Baumbestand am ZOB rückt hier nahe an die Fahrbahn heran. Das erschwert größere Baumaßnahmen. „Wir haben bei der Planung darauf geachtet, die Bäume zu erhalten, so gut es irgend möglich war“, betont Jasmin Heller vom Amt für Stadtplanung und Wohnen. Zwei von ihnen müssten trotz allem weichen. Das sei aus Platzgründen unumgänglich, versichert Jasmin Heller.
Immer wieder kommt es zu Verzögerungen und Verspätungen
Um auch die Wurzeln der übrigen Bäume zu schonen, werde man bei der Errichtung des neuen Wetterunterstands auf ein Fundament verzichten, so der SSB-Vertreter. Statt ihn in der Erde zu verankern, wird er direkt auf eine Betonplatte montiert. So muss man lediglich planieren, statt zu graben. Zusätzliche Bewegungsfreiheit für Rollstuhlfahrer soll am neugestalteten Bussteig 5 durch Gitter geschaffen werden.
Lesen Sie aus unserem Angebot: Verzweiflung wegen Umzug von Haltestelle
Jeder Bus benötigt 80 Meter Strecke, um an- und abfahren zu können. Auch das ist ein Faktor, der bei der derzeitigen Busdichte am ZOB immer wieder zu Verzögerungen führt und Unstimmigkeiten verursacht. Um trotz des neuen Bussteigs möglichst wenig ins Grün eingreifen zu müssen, sind Steig 5 und Steig 6, der 2,5 Meter breit und ebenfalls mit einem Unterstand ausgestattet sein soll, versetzt angeordnet, wie die Verkehrsentwurfsplanerin der Stadt Stuttgart bei der Sitzung ausführt.
Auf E-Ladesäulen und Radabstellplätze wird verzichtet
Zusätzliche Fahrradstellplätze sind direkt am ZOB zugunsten der Grünflächen ebenso wenig vorgesehen wie E-Ladesäulen. „Wir verfolgen für unsere elektrifizierten Busse nach wie vor das Prinzip des Depot-Ladens“, erklärt Joachim Keller. Unterwegs zu laden, sei angesichts des Stuttgarter Stadtverkehrs kein gangbarer Weg. Dafür könne man nicht exakt genug sagen, wann ein Lade-Halt angesteuert werden könnte.
Für die Fahrgäste verspricht er hingegen noch größere Pünktlichkeit, wenn der Busknoten in Degerloch erst einmal geplatzt ist. Im Moment gebe es zusätzliche Fahrbewegungen innerhalb des ZOB, die zu Fahrplanabweichungen beitrügen, etwa wenn Fahrer vom Bussteig zu einem der Pausenplätze gelangen müssten. Dies könnte künftig entfallen.
Beginnen soll der Ausbau des Degerlocher ZOB laut Jasmin Heller im zweiten Halbjahr 2022. Läuft alles nach Plan, wird der Busverkehr dann 2023 wieder fahrgastfreundlicher und flüssiger in Degerloch an- und abrollen. Der Bezirksbeirat zeigte sich vom Konzept der SSB und der Stadt überzeugt. Die Zustimmung zu den Plänen erfolgte einstimmig.