Andreas Schwarz hat nicht lange überlegt und den Täter verfolgt. Foto: Gottfried Stoppel

Ein Räuber in Korb schlägt eine Frau nieder, ein Unfallverursacher fährt einfach davon – in beiden Fällen sorgen couragierte Menschen dafür, dass die Verantwortlichen gestellt werden. Sie und andere sind dafür jetzt ausgezeichnet worden.

Rems-Murr-Kreis - Ich habe nicht lange nachgedacht, sondern einfach etwas getan“, sagt Andreas Schwarz unaufgeregt und nimmt seine Ehrenurkunde entgegen. Die Initiative Sicherer Landkreis Rems-Murr ehrt seit 22 Jahren Bürger, die mit gutem Beispiel vorangehen und Zivilcourage im täglichen Leben zeigen.

Andreas Schwarz aus Marbach am Neckar ist einer von sieben Bürgern, die die Initiative in diesem Jahr geehrt hat. Er wurde im vergangenen Jahr Zeuge, wie der Fahrer eines Paketzustelldienstes in Fellbach mit seinem Transporter einem parkenden Auto im Vorbeifahren den linken Außenspiegel abgerissen hatte und zu seiner Verwunderung einfach weiterfuhr, ohne sich um den Unfall zu kümmern.

Häufiger mit offenen Augen durch die Welt gehen

„Das kann doch nicht sein“, sagt Andreas Schwarz, „da musste ich einfach hinterher und den Fahrer zur Rede stellen.“ Dieses aufmerksame Verhalten würdigte die Initiative Sicherer Landkreis nun mit der Ehrung. Leo Keidel, der Geschäftsführer des Vereins und Erster Kriminalhauptkommissar beim Polizeipräsidium Aalen, unterstreicht dabei vor allem die Vorbildfunktion solcher Taten. „Wir sollten alle häufiger mit offenen Augen durch die Welt gehen“, fordert er und wünscht sich mehr Achtsamkeit in der Bevölkerung.

Dass man dabei nicht gleich den Helden spielen sollte, steht für den Kriminalhauptkommissar außer Frage. Keiner sollte sich bei einer solchen Aktion in Gefahr bringen. Wichtig sei es, dass man als aufmerksamer Bürger gewissenhaft beobachte, sich ein Autokennzeichen oder besondere Merkmale eines Täters merke und dann die Polizei informiere. Die sei schließlich für die Einhaltung von Recht und Ordnung zuständig. „Wenn wir von einem Vergehen aber nichts wissen, können wir den Täter auch nicht dingfest machen“, erklärt Leo Keidel. Und genau da setze bürgerschaftliches Engagement und Zivilcourage ein.

Neben Andreas Schwarz wurden noch sechs weitere couragierte Menschen aus dem Rems-Murr Kreis für ihre Taten gewürdigt. Abdessamad El Malyani hatte beobachtet, wie ein Jugendlicher einer jungen Frau die Handtasche entreißen wollte. El Malyani verfolgte den Täter zu Fuß, stellte ihn und übergab ihn schließlich der herbeigerufenen Polizei.

Mehr aufgeklärte Straftaten durch beherztes Eingreifen

Jürgen Klotz aus Korb beobachtete einen ähnlichen Handtaschenraub, bei dem das Opfer jedoch niedergeschlagen wurde. Er folgte dem Flüchtigen in seinem Auto und informierte parallel dazu die Polizei, sodass die Beamten den Täter schließlich festnehmen konnten. Diese Fälle seien mit großer Wahrscheinlichkeit ohne das beherzte Eingreifen couragierter Bürger im Sande verlaufen, sagt Klaus Auer, Präsidiumsmitglied des Vereins und Polizeioberrat. Ein solches Verhalten verdiene Lob und Anerkennung, die man den aufmerksamen Bürgern mit dieser Ehrung zukommen lassen wolle. Selbstverständlich respektiere man es auch, wenn Menschen nicht in der Öffentlichkeit stehen wollten. So habe man durch die Mithilfe couragierter Bürger, die jedoch anonym bleiben wollten, im vergangenen Jahr noch vier weitere Straftaten aufklären können.

Nachdem Andreas Schwarz den Unfallflüchtigen mit seinem Auto verfolgt hatte und zur Rede stellen konnte, behauptete dieser, nichts von dem Unfall bemerkt zu haben. „Da sagt einem doch der normale Menschenverstand, dass das nicht sein kann“, stellt der Marbacher fest. Also habe er die beiden Unfallgegner zusammengebracht und man habe eine Lösung gefunden. Andreas Schwarz ist überzeugt von seinem Handeln. „Wo soll das hinführen, wenn jeder nur wegschaut“, fragt er.

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