Die Metallarbeitgeber sprechen den Bundesgrünen und ihrer Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock immer deutlicher die Wirtschaftskompetenz ab. IG-Metall-Bezirksleiter Roman Zitzelsberger hält dagegen.
Stuttgart - Es hat den Anschein, als hätten sich die Metallarbeitgeber gezielt gegen die Grünen verbündet – aus Angst vor einer Kanzlerin Annalena Baerbock. Wenige Tage nach Gesamtmetall-Präsident Stefan Wolf hat nun sein Nachfolger als Südwestmetall-Chef, Wilfried Porth, im Interview unserer Zeitung massive Zweifel am wirtschaftlichen Sachverstand der Bundesgrünen geäußert. Schon vor wenigen Wochen hatte Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger – der frühere Vorsitzende der Metallarbeitgeber im Bund und im Südwesten – bei einer Veranstaltung in Stuttgart deutlich vor den Grünen als Regierungsführer gewarnt.
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Angesichts dieser massiven Einmischung in den Bundestagswahlkampf erhält die Ökopartei nun Rückhalt von der IG Metall. „Dass die Arbeitgeberseite traditionell eher der CDU und der FDP das Wort redet, ist keine große Überraschung“, sagte Bezirksleiter Roman Zitzelsberger unserer Zeitung. „Dass zusätzlich versucht wird, die anderen politischen Akteure zu diskreditieren, ist sicher nicht in jeder Frage sachgerecht.“ Den Grünen in Baden-Württemberg könne man die Wirtschaftskompetenz ohnehin nicht absprechen – insbesondere Ministerpräsident Winfried Kretschmann nicht. „Gleiches gilt für die Grünen im Bund: für Robert Habeck, Annalena Baerbock, Toni Hofreiter oder auch Cem Özdemir“, sagt der Bezirkschef, der selbst im SPD-Landesvorstand sitzt.
„Ich fürchte, dass sie mit diesem Job überfordert wäre“, hatte Wolf vor Tagen über eine mögliche Kanzlerin Baerbock gesagt. „Ich traue es ihr schlicht nicht zu.“ Zitzelsberger verweist auf Veranstaltungen wie dem „Grünen Wirtschaftskongress“, an dem er schon teilgenommen hätte. Dort würden „auf hohem Niveau die richtigen Dinge“ diskutiert – auch wenn er nicht mit allen Lösungsansätzen einverstanden sei. „Nicht jeder Strömung in der Partei würde ich das Heft des Handelns in die Hand geben wollen – aber die Akteure, die ich auf der Bundesebene kennengelernt habe, sind überwiegend solide Politiker“, betont der Bezirkschef.