Der Weltweihnachtscircus in Stuttgart: Solche Darbietungen will die linke Mehrheit im Gemeinderat nicht mehr sehen. Aus ihrer Sicht ist das Tierquälerei. Foto: Lichtgut/Verena Ecker

Die linke Mehrheit im Stuttgarter Gemeinderat will Wildtiere wie Löwen und Elefanten aus den Zirkussen verbannen, die auf dem Cannstatter Wasen gastieren. Begründung: Tierschutz. Laut Stadtverwaltung zieht diese Begründung aber nicht.

Stuttgart - Ein Wildtierverbot für Zirkusse auf dem Cannstatter Wasen, wie sie die linke Mehrheit im Stuttgarter Gemeinderat fordert, ist nach Einschätzung der Stadtverwaltung zwar möglich. Sachliche Gründe sieht das Ressort des Ersten Bürgermeisters Michael Föll (CDU) dafür aber nicht.

Hervorragende Bedingungen

„Aus veterinärmedizinischer Sicht gibt es keine Gründe, Zirkusbetriebe mit Wildtieren von der Vergabe der Plätze auszuschließen“, heißt es in einer Stellungnahme der Stadt, die am Donnerstag an die Stadträte ging. Das Stuttgarter Modell, demzufolge nur noch auf dem Wasen Wildtiere erlaubt sind, gelte als vorbidlich. Die Tiere würden dort hervorragend gehalten, die Betriebe für “sehr gute, über die gesetzlichen Vorschriften hinausgehende Bedingungen“ sorgen. Ohne sachliche Gründe aber ist es laut der Stadt rechtlich schwierig, ein Wildtierverbot zu erlassen. Denn ein solches Verbot sei ein hoheitlicher Eingriff und dabei sein man an das Willkürverbot und das Prinzip der Verhältnismäßigkeit gebunden.

Wirtschaftsausschuss entscheidet Mitte Dezember

Grüne, SPD und SÖS-Linke-PluS hatten Ende Juli ein Wildtierverbot auf dem Cannstatter Wasen beantragt – und dies mit Tierschutz begründet. Kritiker wie die Freien Wähler und die CDU werfen ihnen vor, aus rein ideologischen Gründen für ein Verbot zu sein und blind der Argumentation der radikalen Tierschützerorganisation Peta zu folgen. Wie es mit dem Antrag weitergeht, soll am 16. Dezember im Wirtschaftsausschuss entschieden werden. Sollte die linke Mehrheit an ihrem Plan festhalten, plädiert die Stadt „zur Minderung des Rechtsrisikos“ für eine großzügige Übergangsfrist – zum Beispiel bis 2020 . Der Weltweihnachtscircus, der gerade auch mit Wildtieren auf dem Wasen gastiert, könne einen gewissen Vertrauensschutz für die kommenden Jahre geltend machen, heißt es. Im Übrigen sei dieser Zirkus mit jährlich bis zu 150 000 Besuchern eine „herausragende Attraktion“ und für Stuttgart ein „Alleinstellungsmerkmal“.

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