Zirkuschef Henk van der Meijden mit seiner Tochter und Nachfolgerin Elisa van der Meijden, die nach Stuttgart mit Baby reist, das kürzlich zur Welt gekommen ist. Foto: Lichtgut//Willikonsky

Das Zelt wird größer, damit mehr Abstand möglich ist: Mit acht statt sechs Masten kehrt der Weltweihnachtscircus auf den Wasen zurück. Im Interview verrät Zirkuschef Henk van der Meijden seine Pläne für den Neustart und sagt, wie wichtig gerade jetzt Clowns sind.

Stuttgart - Als der niederländische Journalist und Impresario Henk van der Meijden vor 27 Jahren den Weltweihnachtscircus zum ersten Mal auf den Cannstatter Wasen brachte, konnte keiner ahnen, was für ein großer Erfolg daraus entstehen sollte. Nach der Corona-Zwangspause feiern die besten Artisten der Welt am 9. Dezember Premiere in Stuttgart und bleiben bis zum 9. Januar.

Herzlichen Glückwunsch, Henk van der Meijden, zum Enkelkind!

Danke sehr! Ja, das ist sehr schön. Das zweite Kind meiner Tochter kam kürzlich zur Welt, rechtzeitig vor unserer Premiere auf dem Cannstatter Wasen. Man sieht: Die übernächste Generation ist auch schon da, um eines Tages den Weltweihnachtscircus in Stuttgart fortzuführen. Meine Familie und Eure Stadt haben eine wichtige Gemeinsamkeit: Wir lieben den Zirkus!

Im vergangenen Jahr musste wegen Corona das Gastspiel ausfallen. Wie schwer ist Ihnen das gefallen?

Sehr schwer! Ich hab’ die Tage der Abwesenheit gezählt. Wenn wir am 9. Dezember Premiere des 28. Weltweihnachtscircus feiern, waren wir genau 703 Tage lang getrennt. Es heißt ja immer, Stuttgart freut sich über unser Programm mit den weltbesten und mit so vielen preisgekrönten Zirkusnummern. Die Wahrheit ist: Stuttgart tut auch uns sehr gut, meiner Familie und den 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vor und hinter den Kulissen. Die Zirkusbegeisterung in Stuttgart ist phänomenal. Stuttgart ist die Zirkushauptstadt von Deutschland.

Fürchten Sie, dass wegen Corona das Publikum in diesem Jahr zurückhaltend ist beim Kauf von Karten?

Wir sorgen dafür, dass niemand Angst haben muss und dass sich alle bei uns sicher fühlen. Wir haben viel Geld investiert, um das Zelt zu vergrößern. Wir haben diesmal acht statt sechs Masten, um mehr Platz zu schaffen für das Publikum. Das ist psychologisch wichtig. Obendrein wird damit auch der Luftaustausch besser.

Welche Hygieneregeln gelten bei Ihnen?

Genau weiß man es ja noch nicht. Das ändert sich ja immer wieder. Wir gehen aber davon aus, dass nur Geimpfte und Genesene Zutritt bekommen. Wie wir gehört haben, wird die 2-G-Regel in Baden-Württemberg vorbereitet. Aber man weiß es noch nicht genau. Ohnehin sind immer mehr Menschen geimpft, das ist schön. Ich bin es natürlich auch.

Im nächsten Jahr werden Sie 85. Es scheint aber nicht, dass Sie alt werden.

Meine Tochter arbeitet ja schon lange mit, sie wird auch in Stuttgart mit ihrem Baby sein. Es ist wichtig, sich auch im Alter immer neue Ziele zu setzen. Dies ist genauso wichtig wie Bewegung. Ich gehe jeden Tag fünf oder sechs Kilometer spazieren. Darüber hinaus denke ich darüber nach, wie der Zirkus immer wieder für Begeisterung sorgen kann. Weihnachten ist die Zeit der Familie. In diesem Jahr veranstalten wir ein echtes Familienfest, und genau dafür eignet sich Zirkus so gut wie keine andere Unterhaltungskunst! Schließlich ist es viel zu lange her, dass wir mit der ganzen Familie, den Kindern und Enkeln in der schönsten Zeit des Jahres – in der das Zusammensein eine uralte Tradition ist – gemeinsam lachen, genießen, zittern und staunen konnten! Wir sind nicht nur ein Zirkus, wir sind die Olympischen Spiele der Goldgewinner. Denn bei uns treten Artisten auf, die nach Monte Carlo eingeladen sind, um die höchsten Auszeichnungen zu bekommen.

Wer Ihr neues Programm für 2021/2022 anschaut, sieht: Es wird sehr lustig in diesem Jahr. Gleich mehrere Clowns kommen nach Stuttgart.

Nach all den schwierigen Coronamonaten ist es wichtig, dass das Lachen in unserem Programm wieder triumphiert. Neben Mooky zeigen wir das erfolgreiche Clown-Trio Equivokee aus Kiew, das seit 21 Jahren gemeinsam an der Spitze steht. Das lebende Symbol des klassischen Clowns ist Yann Rossi, der ebenfalls in Monte Carlo ausgezeichnet wurde. Mit seinem weiß geschminktem Kopf, den herrlich bunten, üppigen Kostümen und den musikalischen Einlagen bringt er den großen klassischen Clowns der Vergangenheit, die leider immer mehr auszusterben scheinen, eine Hommage.

Lustig wird’s, aber auch magisch.

Unter den rund 20 Weltklasse-Acts in diesem Jahr wird der weltberühmte Schweizer Illusionist Peter Marvey eine Hauptrolle spielen. Im Gegensatz zu vielen anderen Illusionisten erfindet, gestaltet und baut er seine eigenen großen Illusionen, die in der Welt einzigartig und völlig neu sind. Er verkauft seine Ticks. Fürst Albert von Monaco verlieh ihm den Grand Prix der Magie. Jetzt zeigt er zum ersten Mal in Deutschland seine Diamant-Illusion mit nicht weniger als 7000 Glasdiamanten und 2000 LED-Leuchten. Es ist ein neues Kapitel in der reichen Geschichte der Illusion, die nun Zirkusgeschichte in Stuttgart schreiben wird. Marvey hat sieben Jahre lang an dieser Illusion gearbeitet.

Mussten Sie wegen Corona geplante Nummern streichen?

Auf Akrobaten aus China und aus der Mongolei müssen wir verzichten. Sie dürfen nicht ausreisen. Aber wir sind in vielen anderen Ländern fündig geworden, etwa in Kanada und in Italien. Stuttgart kann sich freuen!

Wir freuen uns sehr, dass es weitergeht! Bleiben Sie bitte gesund, lieber Henk van der Meijden!

Danke sehr. Ja, das ist mein Ziel. In meinem Alter muss man schon einiges dafür tun. Vor vielen Jahre hatte ich eine Tournee mit dem Dirigenten und Komponisten Robert Stolz veranstaltet, als dieser schon über 90 war. Nach jedem Auftritt hat er eine Flasche Weißwein bestellt und diese mit jungen Damen getrunken. Man darf das Genießen nicht verlernen. Kunst und Kultur geben Energie – und der Zirkus natürlich auch!

Zur Person und zum Voverkauf

Vita
 Henk van der Meijden wurde im Juni 1937 in Den Haag geboren. Er hat zunächst als Journalist gearbeitet, unter anderem für „De Telegraaf“. Besonders gern berichtete er über den Zirkus und beschloss aus dieser Leidenschaft heraus, eigene Zirkusshows zu veranstalten, zunächst in Amsterdam. Als er merkte, dass Weihnachten als Familienfest eine besonders gute Zeit für den Zirkus ist, kam er vor 27 Jahren auf die Idee, nach Stuttgart zu gehen, wo er seitdem mit dem Musiccircus zusammenarbeitet. Mit seiner Tochter Elisa van der Meijden führt er die Geschäfte seines Unternehmens.

Karten
 Der 28. Weltweihnachtscircus startet am Donnerstag, 9. Dezember, 19 Uhr, auf dem Cannstatter Wasen mit einer Benefizveranstaltung für die Olgäle-Stiftung. Gespielt wird bis zum 9. Januar, an manchen Tagen dreimal. Eintrittskarten (es sind VVS-Kombikarten) gibt es beim Easy Ticket Service unter Telefon 0711/ 2 55 55 55 oder im Netz unter www.weltweihnachtscircus.de. Rollstuhlkarten sind an der Zirkuskasse direkt auf dem Wasenerhältlich.

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