Der Artist geht auf dem „Todesrad“ spazieren, als ob es ein Leichtes wäre. Foto: /Stefanie Schlecht

Die Familie Barelli und internationale Zirkuskünstler lassen die Zuschauer zwei Stunden lang in eine andere Welt eintauchen. Hochseilkünstler tanzen übers Seil, Illusionisten lassen Menschen verschwinden und ein Clown gewinnt die Herzen der Kinder.

Im Zirkuszelt wird es ganz still, das Publikum scheint die Luft anzuhalten. Hoch oben in der Luft auf einem dünnen Drahtseil bauen sieben Artisten eine Pyramide auf. Es ist das Markenzeichen der Gruppe „The Robles“ aus Kolumbien.

 

Vier Artisten stehen direkt auf dem Seil, die anderen drei auf Stangen, die den Artisten auf den Schultern liegen. So entsteht eine dreistufige Pyramide. In dieser Formation bewegt sich die Gruppe über das Seil, begleitet vom atemlosen Staunen des Publikums. Als sie sicher am Ende des Seils angekommen sind, brandet Applaus auf.

Artisten verschwinden, Zuschauer rätseln

Das ist nur eine von vielen spannenden Nummern, die bei der Premiere des Zirkus Barelli am Donnerstagnachmittag auf dem Flugfeld in Böblingen zu sehen sind. Ganz schwindelig wird es einem beim Anblick des „Todesrads“, auf dem zwei Artisten aus den USA turnen. Einer von ihnen geht in mehreren Metern Höhe auf der Außenseite des Rades spazieren und baut waghalsige Sprünge ein. Die Familie Tonito aus Spanien wiederum bietet die perfekte Illusion, lässt Menschen verschwinden und wieder auftauchen. Noch beim Rausgehen rätseln Zuschauer darüber, wie sie das gemacht haben.

Gute Sicht von allen Plätzen

Gut zwei Stunden lang überzeugen die Artisten aus aller Welt das Publikum mit ihrer Kunst. Sie zeigen nicht nur spektakuläre Kunststücke, sondern kreieren auch schöne Bilder. So wie die Luftakrobatin Salima Folco-Barelli, die sich am Vertikaltuch in die Höhe schwingt und durch die Luft schwebt. Oder die Hula-Hoop-Künstlerin Ashley, die unzählige glitzernde Reife um sich schwingt.

In mehreren Metern Höhe wandeln die Artisten über das Seil. /Stefanie Schlecht

Das Zelt, in das 1200 Gäste passen, ist gut zur Hälfte gefüllt. Es ist an einem Außengestell aufgehängt, sodass im Innern keine Stützsäulen den Blick auf die Manege verstellen. Timmy Barelli führt mit manchmal beißendem Humor durch die Vorstellung, unterstützt von seinem Bruder Franz, Vater Harry – und Clown Pieric aus Frankreich.

Live-Orchester begleitet Auftritte

Der bringt das Publikum immer wieder zum Lachen und gewinnt vor allem die Herzen der Kinder im Handumdrehen. Seine Nummern sind witzig und liebevoll durchdacht. Auch die Kinder von Franz Barelli, stellen ihre Zirkustalent unter Beweis – der 14-jährige Francesco mit einer beeindruckender Jonglage, der zehnjährige Antony mit humorvollen Einlagen.

Eine Band aus der Ukraine begleitet die Nummern und unterstreicht stimmungsvoll die Dramaturgie. Nur ist die Musik, verstärkt über Lautsprecher, manchmal etwas laut. Ein Live- Orchester zu haben, sei eine Besonderheit, betont Harry Barelli in der 30-minütigen Pause. Er und sein Sohn Franz verschnaufen im Vorzelt, in dem es Essen und Getränken sowie ein kleines Zirkusmuseum gibt. Eine gewisse Anspannung ist ihnen anzusehen, es ist der erste Auftritt in einer neuen Stadt. Aber das Zwischenfazit fällt positiv aus: „Wir sind sehr zufrieden und das Publikum ist unglaublich“, sagt Franz Barelli.

Die täglichen Kosten sind immens

So beeindruckend die Zirkuswelt ist, ganz billig ist sie nicht. Der Eintritt kostet zwischen 30 und 45 Euro, Kinder zahlen je fünf Euro weniger. Wer in der Pause in den Streichelzoo mit Zwergeseln und -ponys will, zahlt zusätzlich fünf Euro. Allerdings dürften auch die Kosten für den Zirkus hoch sein. Harry Barelli spricht von 10 000 Euro, die sie täglich stemmen müssten. Und: Es gibt Aktionstage mit vergünstigtem Eintritt.

Kritik daran, dass der Zirkus Kamele, Pferde, Esel und Hunde dabei hat, tritt er in der Manege entgegen. Den Tieren gehe es gut bei ihnen und: „Ein Zirkus ohne Tiere ist für mich kein Zirkus.“ Dass Vierbeiner faszinieren, wird deutlich als die Kamele die Manege betreten und ein großes „Hallo“ durchs Publikum geht.

Publikum zeigt sich begeistert

Doch es gibt auch skeptische Stimmen. Daniel Rodrigues aus Schönaich mag keine Tiere im Zirkus. Wohl vor allem wegen seiner Kinder, hat er sich auf den Besuch eingelassen und trotzdem Gefallen daran gefunden. „Die Akrobatik ist großartig“, sagt er. Sein Sohn Joel lobt die Hochseilnummer, „weil sie so spannend war.“ Alle, die gefragt werden, zeigen sich von den Auftritten begeistert. „Die Jonglagenummer war echt sagenhaft, aber auch die Akrobatik ist genial“, sagt eine Besucherin aus Tübingen. Ihrer elfjährigen Tochter hat es ebenfalls die Jonglage angetan, ihrem siebenjährigen Sohn die Hochseilnummer. Aber eigentlich wollen sie sich gar nicht festlegen. Denn: „Es war alles toll“, sagt der Siebenjährige am Schluss.

Der Zirkus Barelli gastiert noch bis zum 27. April in Böblingen. Weitere Infos gibt es unter www.gebrueder-barelli.de

Vorstellungen in Böblingen

Auftritte
Die Vorstellungen finden bis Sonntag, 27. April, statt – täglich um 16 und 20 Uhr, an Sonn- und Feiertagen bereits um 14 und 18 Uhr. Am Sonntag, 27. April, wird ausnahmsweise um 11 und 15 Uhr gespielt. Eine Sonderzeit gilt auch am Dienstag, 22. April – hier beginnt die Vorstellung um 17 Uhr. Außerdem kostet der Eintritt zu dieser Vorstellung laut Homepage nur 5 Euro pro Person. Karten dafür gibt es nur an der Zirkuskasse und nur so lange Plätze verfügbar sind.

Tag der offenen Tür am Karfreitag
Am Karfreitag, dem 18. April, bleibt das Zelt für eine Vorstellung geschlossen: Stattdessen gibt es von 11 bis 18 Uhr einen Tag der offenen Tür mit Einblicken in Proben, das Zirkusmuseum, Kamelreiten und weiteren Attraktionen.