Die Zimmersuche gehört zu den Herausforderungen eines Studierenden. Foto: dpa

Zimmer sind knapp in Stuttgart – und um Universitäten herum besonders. Das gilt auch für die Bezirke Birkach und Plieningen. Nun, kurz vor Beginn des Sommersemesters, konkurrieren wieder viele um Wohnraum.

Birkach/Plieningen - Die Studentenbude war oft kalt, wenn Christiane Mergenthaler nach dem Wochenende bei den Eltern wieder zurück war. Ihre Vermieterin war, vorsichtig ausgedrückt, sehr sparsam. „Sie kam am Freitag, nachdem ich los gefahren bin und hat die Heizung heruntergedreht. Nebenbei hat sie noch geschaut, ob ich auch putze“, sagt sie. Christiane Mergenthaler lacht, als sie die Anekdote aus ihren Studienzeiten erzählt. Heute ist sie selbst Vermieterin von Wohnungen – vor allem für Studenten, und die eigenen Erfahrungen helfen bei dem Perspektivwechsel. „Ich kann mich gut in die Studenten hineinversetzen“, sagt sie.

Die Wohnung in Plieningen eignet sich zur WG

Schon seit vielen Jahren vermietet Christiane Mergenthaler an der Plieninger Goezstraße. Sie hat eine Vier-Zimmer-Wohnung, die als Dreier-WG genutzt werden kann. Außerdem kann sie noch mehrere Ein-Zimmer-Wohnungen anbieten. In Zeiten, in denen Studenten – wie nun kurz vor Semesterbeginn Anfang April – um Wohnraum konkurrieren, sind solche Mietobjekte ein sicheres Geschäft.

Im vergangenen Jahr drängten etwa die doppelten Abiturjahrgänge in die Vorlesungen. Sowohl diejenigen, die nach acht Jahren ihr Abitur machten, als auch jene, die in neun Jahren das Gymnasium abschlossen, nahmen ein Studium auf und suchten ein Dach über dem Kopf.

Dieser Umstand besorgte Hochschulpolitiker, strapazierte aber vor allem die Nerven der Studenten. Viele von ihnen mussten lange suchen, bis zur Zusage für ein Zimmer. Und nicht wenige Eltern von Studenten dürften sich über als überteuert empfundene Angebote ärgern, die aus Mangel an Alternativen nicht abgelehnt werden konnten. Christiane Mergenthaler hätte im vergangenen Oktober am liebsten den Telefonstecker gezogen.

Das Telefon hat ohne Unterbruch geklingelt

Sie schätzt, dass sie mit 50 Interessenten gesprochen hat, bis sie gar nicht mehr ans Telefon ging. Letztlich war es nur ein knappes Dutzend, das Mergenthaler einlud, sich die beiden frei gewordenen Zimmer anzuschauen. Normalerweise habe sie Glück, dass ihre Studenten Nachmieter suchen. Wenn dies nicht klappt wie im vergangenen Oktober, wendet sich Mergen-thaler an den Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) an der Universität Hohenheim. Er veröffentlicht Adressen von Vermietern im internen Netz der Hochschule. Und dann beginnt die Zeit, in der das Telefon von Christiane Mergenthaler pausenlos bimmelt.

Mergenthaler kann selbst nicht sagen, was am Ende den Ausschlag bei der Entscheidung für den einen oder anderen Interessenten. Genau erklären kann sie es nicht. Es müsse eben für beide passen, sagt sie. Sie mag Studenten als Mieter. Auch aus einem ganz pragmatischen Grund: „Wenn ein Mieter 20 Jahre in einer Wohnung lebt, bleibt der Vermieter am Ende auf einem riesigen Renovierungsbedarf sitzen“, sagt sie. Der drohe dagegen nicht, wenn ein Student nach einigen Jahren wieder auszieht, sagt die Vermieterin.

Das Ziel vieler Wohnungsbesitzer ist eine möglichst hohe Miete

Christiane Mergenthaler glaubt, dass viele den wachsenden Bedarf an Studentenwohnungen nutzen, um möglichst viel Miete für eine Bleibe zu verlangen. Für sie sei das nicht nur unakzeptabel, sondern auch nicht nachhaltig. „Viele Nachmieter kommen zu uns, weil andere uns empfohlen haben“, sagt sie.

Das setze voraus, dass die Studenten sich gut behandelt fühlen. „Zum Beispiel bin ich offen, wenn ein Mieter während eines Auslandssemesters untervermieten will“, sagt sie. Eines würde Mergenthaler außerdem nie tun: Wie ihre eigene Vermieterin in Studentenzeiten auf der Lauer liegen und schauen, ob auch ordentlich geputzt wird. „Solange das Zimmer beim Auszug sauber übergeben wird, ist das nicht mein Problem.“

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