Der alte Schafstall wurde wieder aufgebaut und ist jetzt ein Schmuckstück. Foto: Horst Rudel

Sieben Jahre nach dem verheerenden Brand ist der Alte Schafstall am Randecker Maar wird der Neubau eingeweiht. Was das Projekt der Ziegelhütte Ochsenwang (Kreis Esslingen) so besonders macht.

Wer das schmucke Gebäude am Randecker Maar sieht, wird kaum glauben, dass dies noch vor kurzem eine Ruine war: In der Nacht zum 8. November 2017 brannte der Jahrhunderte alte, denkmalgeschützte Schafstall aus ungeklärten Gründen bis auf die Grundmauern nieder. Doch alles habe sich zum Guten gefügt, blickt Hendrik van Woudenberg, der Geschäftsführer der Jugendhilfe Ziegelhütte Ochsenwang, stolz auf einen „langen Weg mit Höhen und Tiefen“ zurück. An diesem Samstag wird der neue alte Schafstall feierlich eingeweiht. Gut 2,2 Millionen Euro hat das Projekt gekostet.

 

Zugegeben: Die alte Zehntscheuer mitten im Naturschutzgebiet war schon vor dem Brand ziemlich baufällig. Ursprünglich um 1680 in Unterlenningen errichtet, wurde sie 1850 an die Staatsdomäne Randeck verkauft und 1851 auf den dortigen Wirtschaftshof umgesetzt. Das Anwesen am Albrand wurde in den späten 1930er Jahren dann aufgeteilt – und der kaum noch genutzte Schafstall verfiel zusehends. Vor zehn Jahren überließ die Gemeinde Bissingen der Ziegelhütte schließlich das marode Gebäude.

Die Verantwortlichen der Einrichtung, die gestrauchelte Jugendliche durch individuelle Betreuung und flexible Hilfe in die Gesellschaft zurückzuführen will, hatten einen ambitionierten Plan: Aus der Ruine soll ein dringend benötigter Veranstaltungsraum werden – mit Hilfe der Jugendlichen. „Viele haben an der Machbarkeit gezweifelt angesichts der Bausubstanz“, räumt van Woudenberg ein. 2015 startete das Projekt zur Berufsorientierung, das den jungen Menschen ergänzend zum Unterricht die Möglichkeit gab, praktische Erfahrungen in der Arbeitswelt zu sammeln. Das Konzept ging auf, der Bau machte sichtbar Fortschritte – bis alles kurz vor der Fertigstellung in Rauch aufging.

„Zunächst sah es so aus, als wenn es keine zweite Chance für den Schafstall gäbe“, erinnert sich der Leiter der Ziegelhütte. Doch überzeugt von der Idee, setzte er sich für den Wiederaufbau ein: „Wir waren es uns, unseren Jugendlichen und unseren Unterstützern schuldig, dass wir nicht einfach das Handtuch werfen.“ Nicht zuletzt sei genau das die Botschaft, die man den jungen Menschen vermitteln wolle: auch bei widrigen Umständen nicht aufgeben. Nach einer erneuten, längeren Planungsphase mit vielen Hindernissen ging das Projekt dann Anfang 2022 in die zweite Runde.

Moderner Neubau in altem Gewand

Heute steht, um ein paar Meter weiter wegversetzt von der Straße, der neue, alte Schafstall – ein echtes Schmuckstück, findet van Woudenberg. Entstanden ist ein zeitgemäßer Neubau, der sogar dem strengen KfW-Effizienzhausstandard 40 entspricht. Bei den Baustoffen wurde viel Wert auf Nachhaltigkeit gelegt: Das gesamte Gebäude ist komplett mit Stroh gedämmt, die Innenwände sind mit Lehm verputzt, die Außenwände wurden mit Kalkputz versehen. Geheizt wird mit Holzpellets. An den alten Schafstall erinnert nicht mehr viel – außer der Name und die ursprüngliche Form des Gebäudes mit dem markanten Walmdach an der Nordseite. Diese Bedingung knüpften die Behörden damals an den Wiederaufbau: Die Hülle muss in etwa das gleiche Erscheinungsbild haben wie der alte Bau. Im Inneren war man in der Gestaltung hingegen frei.

„Wir haben unsere Jugendlichen mitarbeiten lassen, wo es nur möglich war“, berichtet van Woudenberg. Und das Projekt sei ein voller Erfolg geworden: Beim Umbau und Neubau des Schafstalls seien über die Jahre hinweg 50 bis 70 Jugendliche beteiligt wesen. „Manche haben dadurch zu ihrem Beruf gefunden und andere wussten danach, dass das Handwerk wohl nicht zu ihnen passt, was auch eine wichtige Erfahrung ist.“

Mit dem Schafstall steht der Ziegelhütte nun ein Gebäude zur Verfügung, das die Einrichtung schon seit langem benötigt für den Unterricht, für Bewegungsangebote, Veranstaltungen, Elterntage, Fortbildungen und Feiern, hebt ihr Geschäftsführer hervor. „Auch unsere Verwaltung hat jetzt endlich genügend Platz“, freut sich van Woudenberg. Die sechs Mitarbeiter haben im ersten Obergeschoss moderne Büroräume erhalten. Im Erdgeschoss befinden sich eine Catering-Küche, ein Besprechungsraum und Sanitäreinrichtungen. Der lichtdurchflutete Veranstaltungssaal – das Herzstück des Hauses – bietet Platz für etwa 180 Personen. Die Trennwände lassen sich öffnen, sodass er bei Bedarf noch vergrößert werden kann.

Das Haus soll nun mit Leben gefüllt werden. „Wir wollen es auch für die Menschen in der Umgebung öffnen“, kündigt van Woudenberg an. „Die Bürgerbeteiligung im Herbst vergangenen Jahres hat gezeigt, dass daran großes Interesse besteht“, betont der Leiter der Ziegelhütte. „Und es gibt viele Ideen.“ So finden gleich im Anschluss an die feierliche Eröffnung die Kulturtage mit einem vielseitigen Programm im und rund um den alten Schafstall statt.

Gefeiert wird mehrere Tage lang

Kulturtage
Von Sonntag, 5. Mai, bis Sonntag, 23. Juni, kann man den alten Schafstall im Rahmen der „Kulturtage“ bei zahlreichen Veranstaltungen kennenlernen. Konzerte, Theaterabende, Vorträge, ein Kulturspaziergang und eine Führung durchs Randecker Maar, das offene Volksliedersingen und jeden Sonntagnachmittag Livemusik stehen auf dem Programm – und das alles bei freiem Eintritt. Im „Pferdestall“ gegenüber dem historischen Gebäude wird am 5. Mai um 11 Uhr die Ausstellung „face to face“ eröffnet: Die Porträts von 15 Jugendlichen der Ziegelhütte stammen von der Künstlerin Ulrike Heinzelmann sowie den Fotografen Roman Hermann und Kathrin Münzenmaier. Sie sind den gesamten Zeitraum über zu sehen, es gibt sechs Termine für Führungen durch die Ausstellung. Alle Infos zum Programm: www.jugendhilfe-ziegelhuette.de.

Biosphären-Woche
Die Eröffnung des alten Schafstalls Randeck ist die Auftaktaktveranstaltung der Biospähren-Woche. Vom 4. bis 12. Mai dreht sich unter dem Motto „Mit allen Sinnen genießen“ alles rund um das von der Unesco ausgezeichnete Biosphärengebiet Schwäbische Alb. Bei über 70 Veranstaltungen in den drei Landkreisen Esslingen, Reutlingen und Alb-Donau-Kreis wird zu Exkursionen und Führungen eingeladen, zu Festen, Märkten, Vorträgen, Seminaren und Mitmachangeboten. Viele Veranstaltungen eignen sich für Familien mit Kindern. Unter www.biosphaerengebiet-alb.de ist das detaillierte Programm zu finden.