Eien Branche steht unter Strom. Welchen Modellen gehört die Zukunft? Foto: ZB

Der Chef des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung, Achim Wambach, sieht die Autokonzerne in schwerer See. Ihr bisheriges Geschäftsmodell drohe zu zerbröseln. Die Manager suchen derweil ihr Heil in Koalitionen. Eine zukunftsfähige Strategie?

Stuttgart/Mannheim/Genf - Der Präsident des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) sieht die heimischen Autohersteller vor einer unsicheren Zukunft. „Der Strukturwandel, der auf die deutsche Automobilindustrie zukommt, ist enorm“, sagte Achim Wambach kurz vor Beginn des Genfer Autosalons im Interview mit unserer Zeitung. „Beim Elektromotor läuft die Branche hinterher, beim autonomen Fahren sind wir erst am Anfang.“ Eine spannende Frage werde sein, welche Rolle Daimler und andere Autobauer zukünftig bei den neuen Mobilitätsformen einnehmen werden.

„Allianzen sind sinnvoll“

Vor wenigen Tagen haben Daimler und BMW ihre Kooperation bei selbstfahrenden Autos und bei Mobilitätsdiensten bekannt gegeben. Die Rivalen im Premiumgeschäft teilen sich dabei die milliardenschweren Entwicklungskosten. Wambach, der auch Vorsitzender der Monopolkommission ist, zeigte sich offen gegenüber der Zusammenarbeit von Autobauern: „Auto-Allianzen sind sinnvoll.“ Es könne in verschiedenen Bereichen vorteilhaft sein, zusammenzuarbeiten – beispielsweise bei einer gemeinsamen digitalen Plattform, auf der Angebote unterschiedlicher Anbieter zusammengeführt werden. Der ZEW-Präsident erwartet weitere Allianzen. „Das ist eine Notwendigkeit, um sich in der digitalen Ökonomie behaupten zu können.“

Volkswagen sieht sich durch das Zusammengehen von Daimler und BMW beim autonomen Fahren nicht in Zugzwang. VW-Finanzvorstand Frank Witter deutete in Genf aber an, dass für VW auch eine Zusammenarbeit mit Daimler und BMW in Frage käme. „Autonomes Fahren ist es allemal wert, sich Optionen anzusehen.“ In der Branche rede ohnehin jeder mit jedem. Volkswagen müsse deutlich offener für Kooperationen werden.

E-Autos nur ein Zwischenschritt?

Seine Technik für Elektroautos will VW auch anderen Herstellern anbieten. Als ersten Partner hat Europas größter Autokonzern das Aachener Startup e.Go Mobile gewonnen. Der Konzern will seinen Elektrobaukasten möglichst weit verbreiten – so könnten die Kosten für E-Autos sinken. VW-Chef Herbert Diess sagte, die Motortechnik – derzeit eine Erfolgsdomäne deutscher Autobauer – werde künftig kein entscheidendes Kriterium bei neuen Autos mehr sein. „Die Antriebe werden ziemlich ähnlich sein.“

Der Chefvolkswirt der Landesbank Baden-Württenberg, Uwe Burkert, sieht die Autohersteller vor einer schwierigen Situation: Sie müssten massiv in die Elektromobilität investieren, weil sie ohne E-Fahrzeuge in ihrer Flotte die strengen CO2-Vorgaben nicht einhalten können. „Gleichzeitig gehen viele Branchenexperten davon aus, dass die Elektromobilität nur eine Zwischentechnologie sein wird und dass sich ab 2030 eher die Brennstoffzelle durchsetzen wird.“ Völlig ungewiss sei noch, ob die Kunden ihre Kaufzurückhaltung bei den Elektroautos irgendwann einmal ablegen.

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