Mit Rundflug-Video - Die Saison hat begonnen: Zeppeline heben in Friedrichshafen wieder zu Rundflügen ab. Die Tickets sind nicht billig. Doch wer sich eines kauft, erhält ein Flugerlebnis der besonderen Art.

Friedrichshafen - Sanft schwebt das Luftschiff empor. Wenige Augenblicke später sind die Menschen auf dem Boden nur noch stecknadelkopfgroß. Dann taucht der ­Bodensee auf. Das Wasser glitzert in der Sonne und ­scheint am Horizont nahtlos in den Himmel überzugehen. Die Aussicht aus der Kabine des Zeppelins könnte kaum ­besser sein. Am vergangenen Samstag hat die Deutsche Zeppelin-Reederei (DZR) in ­Friedrichshafen die Saison eröffnet.

DZR-Geschäftsführer Thomas Brandt: „Viele Menschen wissen ja gar nicht, dass man überhaupt in einem Zeppelin mitfliegen kann.“ Und unter denen, die es wissen, hält sich hartnäckig das Gerücht, die Plätze seien Monate im Voraus ausgebucht. „Das stimmt natürlich nicht“, vertreibt Brandt­ ­alle Bedenken. ­Tickets gebe es reichlich.

Deren Preis variiert von 160 Euro für einen 30-minütigen Rundflug über Friedrichshafen mit Frühaufsteher-Rabatt bis 785 Euro für die zweistündige Schleife über den ganzen Bodensee. Die führt über Meersburg, die Insel Mainau, Überlingen, Konstanz, Romanshorn, Bregenzer Bucht und Lindau zurück nach Friedrichshafen. ­Dazwischen bietet die Reederei Rundflüge mit 45, 60 oder 90 Minuten Dauer an – insgesamt kann zwischen zwölf Routen gewählt werden. Die ­Tickets fallen freilich nicht in die Kategorie Schnäppchen. Doch als Gegenleistung erwartet die Gäste ein ­exquisites Flugvergnügen. Die Unterschiede zu einem „normalen“ Flug im Flugzeug beginnen schon beim Einsteigen.

Da der 75 Meter lange Zeppelin mit 7500 Kubikmeter Helium gefüllt ist, will das ­Gewicht in der Kabine genau austariert sein. Findet ein fliegender Wechsel der Passagiere statt, dürfen die Ankommenden nicht alle auf einmal aussteigen. Ansonsten wäre der Zeppelin viel zu leicht, würde abheben und ­käme nicht ohne weiteres wieder runter. ­Also: nach und nach umsteigen. Erst zwei Passagiere rein, dann zwei raus. Dann ­wieder zwei rein und so weiter.

Zwar bietet die Kabine nur zwölf ­Personen Platz, doch die haben reichlich ­davon. Auf den Einzelsitzen neben den großen Panoramafenstern stört nichts den Blick nach draußen oder besser gesagt: unten. Aus 300 Meter Flughöhe wirkt die Landschaft wie im ­Miniatur-Wunderland. Häuser und Autos erscheinen winzig, bleiben aber doch gut zu erkennen.

Sechs Piloten hat die DZR in Friedrichshafen im Einsatz. Auch Kate Board gehört zum Team. Die gebürtige Engländerin darf sich die einzige Luftschiff-Pilotin der Welt nennen. Danach gefragt, was sie an der Zeppelin-Fliegerei so begeistere, antwortet sie: „In einem Zeppelin fliegt man nicht, man schwebt.“ Stimmt: Der ­riesige Koloss gleitet sanft durch die Luft. Die Reisegeschwindigkeit liegt zwischen 60 und 90 von möglichen 125 Kilometern pro Stunde. Von Hektik ­keine Spur. Wohl daher tragen die Zeppeline den Beinamen „friedliche Riesen der Lüfte“.

Die DZR hat sich für 2015 ­besondere ­Angebote ausgedacht: den Feuerwerksflug zum Beispiel. Aus ­sicherer Entfernung können die Passagiere eines der See-Feuerwerke bestaunen. Welches, kann der stellvertretende DZR-Geschäftsführer Michael Schieschke aber nicht ­genau sagen. „Entweder wir fliegen zum Seehasenfest in Friedrichs­hafen, oder der Flug findet am Abend eines anderen Feuerwerks statt – dem Seenachtsfest in Konstanz zum Beispiel.“

Entscheidend sei – wie bei allen Zeppelinflügen – das Wetter. Nur wenn Petrus mitspielt, hebt das Luftschiff ab. Scheint die Sonne, können die beiden Zeppeline der Reederei von morgens bis abends durchfliegen, von März bis November. Bei Regen, ­Hagel, Nebel oder zu starkem Wind wird der Flug auf den nächstmöglichen Zeitpunkt verschoben.

Zeppelinfliegen verlangt von den Passagieren daher eine gewisse zeitliche Flexibilität. Wer einen Zeppelinflug in seinem Urlaub plant, dem empfiehlt die Reederei daher, ihn an den Anfang des Aufenthalts zu legen. So könne ein wetterbedingt verschobener Flug ­auch noch nachgeholt werden. Das Wetter bilde auch „die ­natürliche Grenze“ bei der Zahl der möglichen Flüge im Jahr, sagt Michael Schieschke.

In dieser Saison will er wieder „mindestens so viele Passagiere befördern wie 2014“. Da waren es rund 18 300, nach 12 250 im Jahr davor. „Diese Steigerung von rund 50 Prozent ist nur durch den Zwei-Schiff-Betrieb möglich, mit dem wir 2014 begonnen haben“, sagt er. Und sieht noch Luft nach oben: „Wir ­könnten leicht 20 000 Passagiere oder sogar mehr ­befördern.“ Die will er auch durch die Möglichkeit der Buchung im Internet ­gewinnen – eingerichtet seit Oktober des vergangenen Jahres.

Neben den Feuerwerken macht der ­Zeppelin dieses Jahr auch zweimal Station in München: vom 24. bis 26. April und vom 1. bis 3. Mai. Der 40-minütige Flug führt über Allianz-Arena, Deutsches Museum, Schloss Nymphenburg und Olympiastadion.

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