Dennis Decker, Patrizia Krubitzer und Jannika Bohn auf Station (von links) Foto: Gottfried Stoppel

Im hektischen Klinikalltag eine Station zu leiten, stellt wohl die Königsdisziplin für Pflegefachkräfte dar. 15 Auszubildende wagten in Winnenden das Experiment. Was sagten sie nach Ende des Projekts?

Patienten versorgen, Beratungen durchführen, Kursangebote wie Atemübungen leiten – eine Stationsleitung im Zentrum für Psychiatrie (ZfP) in Winnenden ist vielseitig und anspruchsvoll.

Von der Theorie in die Praxis

Dieser Herausforderung haben sich nun 15 Auszubildende gestellt. Sie stehen kurz vor dem Ende ihrer Ausbildung zur Pflegefachkraft und haben nach drei Jahren viel Übung und Wissen im Gepäck. Für knapp zwei Wochen übernahmen sie nun die Leitung der Station F2, die zur Allgemeinpsychiatrie in Winnenden gehört.

„Es war toll, die Theorie in die Praxis umsetzen zu können“, sagt die Auszubildende Jannika Bohn über die Schulstation. Als Stationsleiterin übernahm sie bei dem Projekt eine besondere Rolle. „Sich selbst beim Wachsen zuzusehen, hat mir am besten gefallen“, sagt die junge Frau.

Die Schulstation ist keine Eintagsfliege

Bei der Abschlussveranstaltung im Andachtssaal werden die Lehrlinge auch vom Team des ZfP für ihre Leistung gewürdigt. „Ich stehe mit Stolz und Freude vor Ihnen, um Danke zu sagen“, sagt Marija Eckert-Bilic, die Pflegedienstleiterin des ZfP. Auch Pflegedirektor Klaus Kaiser zeigt sich begeistert von den angehenden Pflegefachkräften: „Es hat alles sehr gut geklappt!“

Besonders freut sich Klaus Kaiser darüber, dass der Erfolg der Schulstation, die nach vergangenem Jahr nun zum zweiten Mal durchgeführt wurde, wiederholt werden konnte: „Der zweite Durchlauf hat gezeigt, dass es keine Eintagsfliege war und die Schulstation Sinn macht.“

Gute Vorbereitung ist wichtig

Das Projekt steht nicht im Ausbildungsplan für angehende Pflegefachkräfte, sondern ist ein Sonderangebot des ZfP. Die Auszubildenden sind froh, dass sie die Möglichkeit zur Leitung einer Station bekommen. „Das Besondere daran ist, dass wir so den ganzen Prozess üben können“, sagt Dennis Decker über die Schulstation. Einige der Auszubildenden haben so viel Gefallen an der Verantwortung gefunden, dass sie sich nach Ablauf der zehn Tage gewünscht haben, das Projekt sei längerfristig angesetzt.

Der Erfolg der Schulstation liege auch an einer guten Vorbereitung durch das Fachpersonal: „Wir haben zum Beispiel viel über die rechtlichen Rahmenbedingungen gelernt“, erklärt Patrizia Krubitzer, die auf der Schulstation die stellvertretende Leitung übernahm. Doch auch Schulungen, etwa für das Telefon- und Computersystem, habe es gegeben. Auch noch so gute Vorbereitung schützt aber nicht vor den vielseitigen Herausforderungen des Stationsalltags. Cornelia Cantiani, die Leiterin des Ausbildungswesen Pflege, betont bei der Abschlussveranstaltung deshalb: „Die Schulstation ist ein Prozess, und Ihr und die Mitarbeitenden entwickelt euch währenddessen.“ Sie erinnert an einen besonders anstrengenden Tag am Anfang des Projekts, der viele der Beteiligten sehr gefordert hatte.

Die Schulstation sei auch dafür da, um Fehler zu machen, erklärt Cornelia Cantiani. Letztlich stieß das Projekt trotz aller Herausforderungen auf positive Resonanz bei allen Beteiligten. Auch Dennis Decker, Patrizia Krubitzer und Jannika Bohn, die nach Abschluss ihrer Ausbildung alle dem ZfP erhalten bleiben werden, sind sich einig: Die Schulstation ist ein gelungenes Projekt. Der Berufsalltag nach dem Ausbildungsende kann kommen.