Planer, Experten und Bürger reden am Zentralen Omnibusbahnhof in Göppingen über dessen Umbau. Dabei wird klar: Manches Problem lässt sich nicht lösen.
Was haben Fußball und öffentlicher Nahverkehr gemeinsam? Es gibt sehr, sehr viele Experten. „Im Fußball gibt es 84 Millionen Bundestrainer“, sagt Armin Roos. „Beim öffentlichen Nahverkehr ist es ähnlich“, meint der Vorsitzende der Göppinger SPD-Gemeinderatsfraktion. Es gibt also Redebedarf, und so hatte die SPD an den Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) geladen, um den geplanten großen Umbau, der eher ein Neubau ist, noch einmal vorzustellen und zu besprechen.
Rund 30 Interessierte und Experten kamen, hatten die Pläne des Siegerentwurfs und ihre Argumente dabei. Zuerst war die Göppinger Baubürgermeisterin Eva Noller an der Reihe, denn die Stadt baut den Busbahnhof. Sie fasste noch einmal zusammen, was und warum es gemacht werden soll.
„Zentrales Problem“ sei, dass der jetzige ZOB nicht barrierefrei ist. Sollte er aber sein, und muss er auch irgendwann werden, sagt das Personenbeförderungsgesetz. Die Bordsteine der Bussteige müssen höher werden, das gesamte ZOB-Gelände barrierefrei zugänglich sein. Zudem sei der jetzige ZOB seit gut 30 Jahren in Betrieb, und die Busse seien größer geworden, sagte Noller.
Seit Oktober vergangenen Jahres gibt es einen Entwurf, es ist der Plan der Stuttgarter Bürogemeinschaft um die Uniola, die als Siegerin aus einem Architektenwettbewerb hervorging. Der neue Zentrale Omnibusbahnhof ist – natürlich – barrierefrei, und soll 27 Bushaltepunkte bekommen, zehn mehr als jetzt. Das runde Servicehaus zwischen den Bussteigen kommt weg, damit ist etwas mehr Platz auf dem Gelände, die Serviceräume für die Busfahrer inklusive Toiletten sollen an die Ecke zur Kellereistraße umziehen und im Haus Weber, das schon länger der Stadt gehört, eingebaut werden.
Überdacht werden die Bussteige auch, wie bisher. Das Dach wird begrünt, und es werden Photovotaik-Module installiert. Und rundherum, also an den Rändern des Busbahnhofs, soll es einiges an Grün geben. Zudem ist ein heller Bodenbelag geplant, um die Hitze im Sommer nicht zusätzlich zu befeuern. In Zeiten des Klimawandels gehört es für Planerinnen und Planer mittlerweile selbstverständlich dazu, möglichst auch für ein erträgliches Stadtklima zu sorgen.
Und die Bäume? Von der Platanenreihe zur Bahnhofstraße sollen immerhin vier erhalten bleiben. Allerdings werden auch einige gefällt, anders sei es nicht zu machen. Ein paar neue Bäume werden auch gepflanzt. Es gibt also etwas mehr Platz. Trotzdem sieht Heiko Stobinski vom Fahrgastbeirat bei den Plänen für den neuen ZOB Probleme: Es gebe zu viele Kreuzungspunkte auf dem Gelände, an denen sich Busse und Fußgänger in die Quere kommen könnten. Außerdem seien auch die neuen Bussteige zu schmal, vor allem wenn dort Menschen mit Rollator, Rollstuhl und/oder Kinderwagen gleichzeitig unterwegs seien.
Das Platzproblem lässt sich nicht lösen
Dass es ein Platzproblem gibt, stritt Noller auch gar nicht ab. „Der Platz ist begrenzt. Aber einen besseren Platz für den ZOB gibt es nicht“, sagte sie. Die neuen Bussteige sollen drei bis fünf Meter breit werden, mehr Sitzgelegenheiten als momentan soll es auch geben. Und die Zugänglichkeit soll etwas verbessert werden. Bisher sei der Busbahnhof von der Innenstadt her nur über die Kellereistraße und den Gang herunter von der Grabenstraße erreichbar. „Mauseloch“, nannte Noller den Gang. Davon soll es demnächst noch eins geben.
Und auch eine Erweiterung des Geländes sei denkbar, in fernerer Zukunft, das Eckhaus müsse nicht ewig stehen bleiben. „Es wird immer ein Kompromiss sein“, sagte der SPD-Fraktionschef Armin Roos am Ende der Diskussion, die sicher noch weiter geführt wird.
Ausweich-ZOB am Fischbergele
Planung
Wo es Entwürfe und Pläne gibt, da gibt es auch Termine. Im jetzigen Stadium sind das oft Wunschtermine, aber so soll es gehen: Zuerst soll der Interims-ZOB an der Göppinger Fischstraße und am Fischbergele gebaut werden, dort könnte es schon im kommenden Jahr losgehen.
Neubau
Baubeginn am jetzigen ZOB wäre dann im Frühjahr 2027, sagt die Baubürgermeisterin Eva Noller. Ende 2028 könnte der neue ZOB fertig sein.