Der Landtagsabgeordnete aus Ulm will eine inhaltliche Kontrolle bei Veranstaltungen in Gebäuden des Landes. Grund ist eine Konzertreihe im Stadtteil Wiblingen, wo sich der Popsänger angesagt hat.
Ulm - Ein lauer Abend im August 2017, im Innenhof des Wiblinger Klosters traten vor ein paar tausend Besuchern die Söhne Mannheims auf. Der heimliche Star des Abends ließ sich Zeit. Nach ein paar Songs erschien endlich auch Xavier Naidoo. „Habt ihr mich vermisst?“, fragte er schelmisch, und der Beifall vieler signalisierte ihm: Ja.
Dieser Auftritt dürfte sich so schnell nicht wiederholen. Die vielköpfige Band aus Mannheim hat sich von ihrem prominentesten Gründungsmitglied Naidoo losgesagt. „Xavier und wir gehen seit einiger Zeit getrennte Wege“, teilten die Söhne Anfang März via Facebook mit. Vorausgegangen war der Abgang Naidoos aus der Jury der RTL-Show „Deutschland sucht den Superstar“. Der Sänger hatte ein einwanderungskritisches Video veröffentlicht gehabt. Für viele war das der letzte Nachweis für dessen rechte Gesinnung.
Finanzministerin soll einschreiten
Am 25. Juli beabsichtigte der Popsänger, erneut in den Klosterhof der ehemaligen Benediktinerabtei Wiblingen zu kommen, diesmal als Solokünstler. Wegen der Corona-Krise wurde der Auftritt aber abgesagt und in das nächste Jahr geschoben. Doch der Ulmer SPD-Landtagsabgeordnete und stellvertretende Vorsitzende seiner Fraktion Martin Rivoir will auch das verhindern. Das Kloster ist nicht nur ein Bau- und Kirchendenkmal, sondern auch der Sitz von Abteilungen des Universitätsklinikums Ulm. Es gehört dem Land. Und das, so Rivoir, dürfe nicht Gastgeber von Sängern sein, die, wie Naidoo, „ganz offensichtlich ein geschlossenes rechtsextremes Weltbild“ hätten.
In einem Schreiben hat sich Rivoir an die grüne Finanzministerin Edith Sitzmann gewandt. Seine Idee: In die Verträge zur Anmietung landeseigner Liegenschaften soll ein Passus aufgenommen werden, wonach „Kultur- und andere Veranstaltungen mir rassistischen, fremdenfeindlichen und antisemitischen Inhalten nicht gestattet sind.“ Bei „Zuwiderhandlungen“, so Rivoir, müsse eine Veranstaltung „von der vermietenden Landesbehörde umgehend abgebrochen werden“. Er fügte hinzu: „Das soll keine Zensur sein.“
Zurückhaltende Reaktion aus Stuttgart
Rivoir verweist gegenüber dem Finanzressort auf die vielstimmige Kritik an Naidoo etwa durch die Migrationsbeauftragte der Bundesregierung, Annette Widmann-Mauz (CDU). Sie nannte Naidoos letztes umstrittenes Video „angesichts der Bedrohung durch Rechtsextremismus brandgefährlich“. Außerdem hat Rivoir durch sein Büro ein fünfseitiges Dossier mit Presse-Fundstellen anfertigen lassen, die sich allesamt kritisch mit Naidoos Äußerungen oder Liedtexten auseinandersetzen.
Eine Sprecherin des Finanzministeriums sagte am Mittwoch, der Posteingang werde derzeit bearbeitet. Ob Naidoo in Wiblingen noch gestoppt werden könne, das sei doch sehr fraglich. „Einseitige nachträgliche Änderungen von bereits geschlossenen Verträgen sind nicht möglich“, teilte das Finanzressort mit.
Naidoo äußerte schon seine Feindschaft zur SPD
Der Popsänger selber ließ eine Anfrage zu dem Vorstoß in Ulm unbeantwortet. Dass er und die SPD als Ganzes allerdings keine Freundschaft pflegen, machte er bereits in einem rund einminütigen Video Ende März deutlich. Darin textete der Künstler, die Linke und die SPD „sind die neuen Faschisten“.