Laut Thomas Schnabel ist der Gerichtssaal in Stammheim ein schützenswertes Zeitzeugnis. Foto: dpa

Der Gerichtssaal, in dem der Prozess gegen die RAF-Terroristen in Stuttgart-Stammheim geführt wurde, soll abgerissen werden. Dagegen regt sich erneut Widerstand – diesmal vom Leiter des Hauses der Geschichte.

Stuttgart - Der Leiter des Hauses der Geschichte Baden-Württemberg hat an das Land appelliert, den Abriss des RAF-Gerichtssaals am Gefängnis Stammheim zu überdenken. „Aus meiner Sicht ist das ein zentraler Bestandteil bundesrepublikanischer Geschichte“, sagte Thomas Schnabel „SWR Akuell“ am Dienstag. Es brauche eine gesellschaftliche Debatte um den Gerichtssaal, der in den 1970er Jahren wegen der Verfahren gegen die RAF-Terroristen Ulrike Meinhof, Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe weltweit bekannt wurde. Ihm sei wichtig, „dass nicht einfach sang- und klanglos die Abrissbagger anrücken.“

Zumindest solle überlegt werden, ob es nicht eine Möglichkeit gebe, das Gebäude zu erhalten. Es gehe um Authentizität, die man nicht nachbauen könne. „Ich glaube, dass es da ganz viele Möglichkeiten gibt, das lebendig zu machen, auch für Schulklassen, für Besuchergruppen. Stammheim ist nach wie vor ein wichtiges Thema und mobilisiert die Menschen.“

Für das Finanzministerium ist der Saal entbehrlich

Das Land hatte im Herbst, 40 Jahre nach der Hochphase des RAF-Terrors, bekanntgegeben, das Symbol dieser Zeit abreißen zu lassen. Mit der Fertigstellung eines neuen Prozessgebäudes für das Oberlandesgericht nebenan sei der Saal entbehrlich, hieß es im Finanzministerium.

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