Zeitungskrise in New York „Daily News“ wird halbiert

Von red/dpa 

Die Reporterin Chelsia Rose Marcius und der Fotograf Todd Maisel haben gerade von ihrer Kündigung bei der „Daily News“ erfahren. Foto: AP
Die Reporterin Chelsia Rose Marcius und der Fotograf Todd Maisel haben gerade von ihrer Kündigung bei der „Daily News“ erfahren. Foto: AP

In New York schrumpft die einst auflagenstärkste Zeitung der USA radikal. Die „Daily News“ war das Vorbild von Supermans Zeitung „Daily Planet“ – und hat elf Pulitzer-Preise gewonnen.

New York - Was können wir anders machen als die anderen, lautete vom Fleck weg die Überlebensfrage der 1919 auf dem heiß umkämpften New Yorker Tageszeitungsmarkt gestarteten „Daily News“. Die Antwort lautete: Wir nehmen Fotos wichtiger als die Konkurrenz, wir begreifen die Zeitung als Augen-, aber nicht unbedingt als Lesemedium. So stieg das Blatt, das eine stilisierte Kamera im Titelschriftzug trug, zur Zeitung mit der zeitweilig höchsten Auflage in den USA auf.

Nun aber entlässt die „Daily News“ die Hälfte der Redaktion. Auch Chefredakteur Jim Rich muss gehen. In einer E-Mail an die Redakteure heißt es, die verbliebenen Mitarbeiter sollten sich künftig auf Nachrichten zu den Themen „Kriminalität, Justiz, öffentliche Aufgaben“ konzentrieren. New Yorks Promiszene, die Kriminalität in der Stadt, aber auch knallhart und journalistisch sauber recherchierte kommunale Korruptionsfälle sowie jede Art Aufreger des Alltags – die ewige Schlaglochplage etwa in den Straßen der Metropole – waren bislang schon Brot und Butter der „Daily News“. Die Zeitung gewann elf Pulitzer-Preise, zuletzt einen im vergangenen Jahr. Der „Daily Planet“ im Comic-Kosmos, bei dem Superman alias Clark Kent sowie seine Freundin Lois Lane als Reporter arbeiten, war der „Daily News“ nachempfunden.

Das Erfolgsrezept war keines

Die Weltpolitik und viele Hintergrundgeschichten überließ man der Konkurrentin „New York Times“, und vielen Pragmatikern schien das eine robuste Überlebensstrategie: Boulevard und Lokales schlägt Nachdenklichkeit und Globales. Die „Times“ aber wächst dank ihres lesenswerten, komfortabel aufbereiteten Digitalangebots wieder, während die „Daily News“, deren Auflage beständig sinkt, im vergangenen Jahr für einen Dollar an Tronc Inc., den Eigentümer der „Chicago Tribune“, verkauft wurde. Der New Yorker Gouverneur Andrew Cuomo hat Tronc aufgefordert, die Radikalschrumpfung der Redaktion noch einmal zu überdenken. Die „Daily News“ sei eine wichtige Institution, der Arbeitsplatzverlust betreffe viele Familien, sagte er. Der Staat New York sei bereit zu helfen.

Lesen Sie jetzt