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Vorstoß im Parlament zur Einführung der ganzjährigen Sommerzeit geplant - Schotten dagegen.

London - Kaum werden die Tage wieder kürzer, flammt die älteste und strittigste Debatte im Königreich wieder auf: Die Mehrheit der Briten mag es abends länger hell und will die Uhren mit dem Kontinent synchronisieren. Allzeit Sommerzeit? Jetzt sympathisiert auch Premier David Cameron mit der Idee. Nur die Schotten sind entsetzt.

"Wir schauen uns das Thema genau an", versprach Cameron jetzt überraschend. Er folge der Diskussion schon seit Jahren und verspreche sich von der "doppelten Sommerzeit" Vorteile für die Tourismusindustrie. Der Streit, wer auf der Insel wann von Sonnenschein profitiert, geht schon im Herbst in die entscheidende Runde. Rebecca Harris, Abgeordnete der Konservativen, will dann eine entsprechende Gesetzesvorlage ins Parlament einbringen. Ihr Ziel: entweder die Sommerzeit ganzjährig einführen oder die Uhren generell um eine Stunde - und damit auf kontinentaleuropäische Zeit - vorstellen.

Beide Optionen würden den Bewohnern im Süden Großbritanniens mehr Tageslicht zum Feierabend schenken. Sonnenuntergang wäre nicht vor 22Uhr. Für die Schotten hingegen würde bei dem neuen Modell die Sonne nicht vor zehn Uhr in der Früh aufgehen. Dort ist die Sorge groß, dass Kinder, die im Dunkeln den Schulweg antreten, häufiger verunglücken könnten.

"Wenn die Leute im Süden eine Extrastunde Licht wollen", wehrt sich der schottische Abgeordnete Angus MacNeil, "dann sollen sie doch einfach früher aufstehen." Doch der Süden ist wild entschlossen: Schiebt doch einfach den Schulbeginn um eine Stunde nach hinten, tönt es zurück.

Tatsächlich stehen die Chancen, dass Großbritannien zum dritten Mal in einhundert Jahren an der Uhr dreht, mittlerweile sehr gut. Der einstige Widerstand der Landwirtschaft als traditionelle Frühaufsteher-Branche hat im gleichen Maße abgenommen wie die Zahl der Höfe in Großbritannien. Kürzlich kündigte die Agrar-Union sogar an, "für alle Optionen offen" zu sein.

Derweil ist auch die Zahl der Unterstützer stetig gestiegen. Gerade Umweltschützer versprechen sich von der Abschaffung der Winterzeit eine gigantische Stromeinsparung. 500.000 Tonnen Kohlendioxid, so rechnet die Organisation 10:10, könnten durch längeres Tageslicht eingespart werden - nach Berechnungen der Universität Cambridge entspräche das der Stilllegung von 200.000 Autos. Ganz zu schweigen von den anderen Vorteilen: "Ein hellerer Feierabend macht uns glücklicher und gesünder", argumentiert 10:10-Sprecherin Eugenie Harvey.

Schon im Zweiten Weltkrieg hat die britische Regierung mit der Zeit experimentiert. Damals wurden die Uhren eine Stunde vorgestellt, um die Produktivität zu erhöhen. Nach Kriegsende rechnete man allerdings wieder in "Greenwich Mean Time". Einen zweiten Vorstoß wagte man 1968, als man für drei Jahre ganzjährig die Sommerzeit einführte. Weil es in Schottland eine leichte Steigerung der Unfallzahlen gab - landesweit ging sie allerdings um drei Prozent zurück -, wurde das Projekt wieder eingestellt.

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