Mit einem Plakat im Schaufenster des Waaghäusle wird zu Spenden für den im Frühjahr erfolgten Rückbau aufgerufen. Foto: Sandra Hintermayr

Die Handwerker, die das Waaghäusle in seinen Originalzustand zurückversetzten, rufen zu Spenden für ihre Arbeit auf. Einigen Bürgern schmeckt das gar nicht. Vor dem Rückbau habe es geheißen, die Handwerker würden kostenlos arbeiten.

Plieningen - Aufgebracht schüttelt Helmut Gehrung den Kopf, als er vom Spendenaufruf für den im Frühjahr erfolgten Rückbau des Waaghäusle liest. „Als die Bürger die Unterschriftenliste für den Rückbau unterschrieben haben, hieß es, das kostet nichts, die Handwerker würden die Arbeiten in Eigenleistung verrichten“, sagt Gehrung. Die Unterschriftenaktion war von den Landfrauen und einigen Bürgern initiiert und über den CDU-Sprecher Michael Wörner dem Bezirksbeirat vorgelegt worden. Im Februar stellte das Gremium bei der Stadt die Anfrage, ob man das Waaghäusle, das im Zuge der Sanierung der Zehntscheuer mit Holzbrettern verschalt worden war, zurückbauen könnte. Die Stadt gewährte den Rückbau unter der Voraussetzung, dass die Plieninger in Eigenleistung für die Arbeiten und die Kosten aufkommen.

Handwerker sind in Vorleistung gegangen

Dass es nun um die Begleichung der Handwerkerleistungen geht, sei „unmöglich“, sagt Gehrung. „Wenn vorher klar gewesen wäre, dass der Rückbau etwas kostet, wäre das in Ordnung gewesen. Aber nicht hinterher mit Forderungen kommen“, sagt der Landwirt.

Dem widerspricht Michael Wörner: „Bedingung der Stadt für ihre Zusage zum Rückbau war, dass die Maßnahme die Stadt selber nichts kostet.“ Sie wollte allerdings sicherstellen, dass Leute vom Fach sich dem Rückbau annehmen. „Das geht nicht kostenlos“, sagt Wörner. Die Handwerker wie Walter Schnee und Thomas Plagemann hätten nicht zugesichert, die Arbeiten umsonst zu verrichten. Sie seien mit Material und Arbeitsstunden in Vorleistung gegangen, mit dem unternehmerischen Risiko, dass im schlimmsten Falle die Kosten für ihren Aufwand nicht gedeckt werden können.

Wenn man wüsste, wofür das Geld benötigt werde, würden die Plieninger gerne spenden, ist sich Gehrung sicher. Eine Kostenaufstellung allerdings liege Wörner noch nicht vor. Walter Schnee wolle sich laut Wörners Auskunft an dem orientieren, was die Plieninger spenden. „Die Materialkosten werden dadurch wohl gedeckt werden können, ob es für die Arbeitsstunden noch reicht, wird man sehen“, sagt Wörner.

Schaukasten wird von der Stadt finanziert

Thomas Plagemann, der die Holzarbeiten am Waaghäusle übernommen und den Schaukasten erneuert hat, ist nicht auf die Spenden angewiesen: die Stadt hatte den Auftrag ausgeschrieben, den Schaukasten zu erneuern. Diese Position sei mit einem bestimmten Betrag angegeben worden. „Das Geld dafür bekomme ich von der Stadt“, sagt Plagemann. Zudem habe er für die Holzarbeiten das Material bekommen, das die Stadt zuvor am Waaghäusle verbaut hatte, musste also kaum zusätzliches Holz beschaffen. Plagemann will auch noch eine Kostenaufstellung über seinen Arbeitsaufwand schreiben. Sollte die ergeben, dass der mit erheblich mehr Geld beglichen werden müsste, werde er sich an Wörner wenden und fragen, ob aus dem Spendentopf noch etwas übrig sei. „Ich bin aber nicht böse, wenn kein Geld von dieser Seite fließt“, sagt Plagemann.

Dass es überhaupt zu dem Hick-Hack gekommen ist, ist für Helmut Gehrung unverständlich. „Die Pläne der Stadt für die Verschalung des Waaghäusle waren dem Bezirksbeirat bekannt, man hat sehen können, dass das Holz da hinkommt.“ Bereits bei der Durchsicht der Pläne hätte das Gremium reagieren und gegen die Verschalung des Waaghäusle angehen können. „Die Bilder haben nicht erkennen lassen, dass das Endergebnis letztlich so aussehen wird, wie es dann der Fall war“, entgegnet Wörner. Sonst hätte der Bezirksbeirat dem Vorhaben selbstverständlich nicht zugestimmt.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: