Wo früher der Bauhof stand, befindet sich heute das Gartenschaugelände. Foto:  

Rechberghausen galt 2009 als die kleinste Gartenschaugemeinde im Land. Vor zehn Jahren entstand das Naherholungsgebiet rund um den Landschaftspark Töbele.

Rechberghausen - Vor genau zehn Jahren ging für Rechberghausen der Traum von der Gartenschau in Erfüllung. Wo früher ein Eisenbahndamm, der alte Bauhof und Brachland Tristesse verbreiteten, sorgen bis heute Themengärten, blühende Wiesen und Beete für mediterranes Flair. An diese blütenreiche Verwandlung erinnert nun die Fotoausstellung „Zehn Jahre Gartenschau“, die im Rathaus von Rechberghausen zu sehen ist.

Rechberghausen beweist grünes Gespür

Grünes Gespür bewiesen die Verantwortlichen in der kleinen Schurwaldgemeinde mit 5400 Einwohnern lange bevor in der nur 15 Kilometer entfernten Göppinger Schwesterstadt Schwäbisch Gmünd der Spatenstich für die dortige Landesgartenschau begangen wurde. Diese Stadt im Ostalbkreis war 2014 erstmals Schauplatz einer Gartenschau und geizt auch in diesem Sommer bei der interkommunalen Remstal Gartenschau wieder nicht mit ihren grünen Reizen. Angefeuert von diesem Vorbild feilen auch fünf Kommunen im oberen Filstal nun an Plänen für eine interkommunale Schau, für die sie sich bis zum Ende des Jahres bewerben können.

Die damals kleinste Gartenschaugemeinde im Land

Mit seinem ganz eigenen Sommermärchen unter dem Motto „Sommer, Blüten, Träume“ schulterte Rechberghausen 2009 als bis dahin kleinste Veranstaltergemeinde im Land eine Gartenschau. 240 000 Gäste besuchten den Park und die 700 Veranstaltungen. Seither gibt es ein Grünes Trauzimmer. Die Imker und die Landfrauen haben sich angesiedelt, und im Hochsommer belebt der Gartenmarkt den Park genauso wie Sommernachtsfest und Open-Air-Kino. Bis heute halten Ehrenamtliche vom Förderverein Landschaftspark Töbele den Park am Blühen. Sie pflanzen den Sommerflor, jäten und mähen. Sogar der Aussichtsturm und der See werden von den Bürgern in der Saison von März bis November gepflegt.

Die Ehrenamtlichen suchen dringend nach Nachwuchs

Nach zehn Jahren zeigen sich allerdings allmählich Verschleißerscheinungen. „Wir sind jetzt alle im Rentenalter und könnten jüngeren Nachwuchs gut gebrauchen“, erklärt eine Bürgerin, die jeden Dienstagvormittag im Park arbeitet. Überhaupt seien die acht bis zehn Aktiven auf Dauer zu wenige für die vielen Aufgaben. Wenn sie andere Mitglieder zur praktischen Mitarbeit auffordere, erhalte sie meist nur den Hinweis: „Ich muss mich um meinen eigenen Garten kümmern“.

Aber zurück zum Jubiläum. Zehn Jahre sind ein beliebter Anlass, um zurückzuschauen und zu fragen wie das kleine Dorf überhaupt auf den grünen Trichter kam. Und wie konnte es sein, dass eine Landgemeinde eher städtische Ambitionen entwickelte und dabei rund um das Gartenschaugelände 14 Millionen Euro verbuddelte? Immerhin musste in neue Straßen, eine Fahrradunterführung und den Hochwasserschutz investiert werden. Außerdem wurden der alte Bahndamm weggeräumt und der Bauhof verlegt.

Der Altbürgermeister entwickelte gestalterischen Ehrgeiz

Vieles begann 1977, als der Altbürgermeister Reiner Ruf ins Amt kam. Unterstützt von seinem Gemeinderat, entwickelte der gebürtige Badener gestalterischen Ehrgeiz und schrieb das erste Sanierungsprogramm in der Gemeinde aus, dem noch einige folgen sollten. Selbst 40 Jahre später sei die „städtebauliche Intensivstation“ Rechberghausen, wie es Ruf einmal nannte, noch nicht beendet.

Von der Kunst zum Garten

Nach und nach wandelte sich das verschlafene Schurwaldörtchen zu einer Gemeinde, die auch als Kleinstädtle durchgehen könnte. Eine Entwicklung, die in Rechberghausen wohl in den Genen liegt, besaß der Ort im Mittelalter doch einmal das Stadtrecht. Und weil der Bürgermeister einen Narren an der Kunst gefressen hatte, jagte in den 1990er Jahren ein Kunstsommer mit Skulpturenschauen unter freiem Himmel den nächsten. Das passte zu dem idyllisch am Schurwaldrand gelegenen Ort und seiner mittelalterlichen Bausubstanz. Mehrere Picasso- und Chagallausstellungen machten Rechberghausen von 1999 an zum Mekka für jeweils bis zu 36 000 Kunstfreunde.

Beflügelt vom Erfolg, entwickelte die Kommune schließlich ihre Gartenschaupläne und konnte das Areal zwischen Hauptstraße und dem Höhenrücken Hungerboll samt der Kulturmühle mit einem Park neu gliedern und als Naherholungsgebiet aufwerten.

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