Hans-Dieter Mechler hat das Begleiter-Programm Vera vor acht Jahren im Südwesten bekannt gemacht. Über den heutigen Erfolg ist er selbst erstaunt. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Die Initiative Vera stellt Azubis Senioren zur Seite. Sie sollen den jungen Männern und Frauen bei persönlichen oder beruflichen Schwierigkeiten helfen und Ausbildungsabbrüche vermeiden. Die Erfolgsquote liegt bei 80 Prozent.

Stuttgart - Ehrenamtliche Begleiter der Initiative Vera (Verhinderung von Ausbildungsabbrüchen) haben in den vergangenen zehn Jahren bundesweit rund 12 300 Azubis begleitet. In etwa 80 Prozent der Fälle sei es dadurch gelungen, die Probleme der jungen Männer und Frauen zu lösen, die einem erfolgreichen Ausbildungsabschluss im Weg standen, wie eine Sprecherin der Initiative, die ihren Sitz unter dem Dach des Senior-Experten-Service in Bonn hat, auf Anfrage unserer Zeitung sagt.

Baden-Württemberg ist Anfang 2011 als letztes Bundesland mit dem Programm gestartet – und nimmt mittlerweile eine bundesweite Vorreiterrolle ein. Im Südwesten lag die Zahl der Begleitungen in diesem Zeitraum bei knapp 2500. Allein rund 600 „Tandems“ aus Senior-Begleiter und Azubi gab es bislang in der Region Stuttgart. „Ein erfolgreicher Berufsabschluss ist der Lohn unserer Arbeit“, sagt Hans-Dieter Mechler, Regionalkoordinator von Vera in der Region Stuttgart.

Regionalkoordinator sieht Probleme oft in den Familien

Der heute 74-Jährige hatte 2010 die Aufgabe übernommen, Vera in Baden-Württemberg zu initiieren. Den Hintergrund vieler Ausbildungsabbrüche sieht Mechler weniger bei den Berufsschulen oder Ausbildungsbetrieben als im sozialen Umfeld der Azubis. In den Elternhäusern würde zu wenig über Schwierigkeiten gesprochen: „Eltern merken nicht, dass ihr Sohn oder ihre Tochter mit Problemen durchs Leben geht. Und die Kinder öffnen sich ihren Eltern gegenüber nicht.“

In Baden-Württemberg wird mehr als jede fünfte abgeschlossene Ausbildungsvertrag vorzeitig aufgelöst. Mit einer Quote von gut 22 Prozent steht der Südwesten zwar im Bundesvergleich noch am besten da. Allerdings liegen die Quoten in manchen Bereichen nach jüngsten Zahlen des Baden-Württembergischen Handwerkstags (BWTH) deutlich darüber, etwa im Bäcker- oder Friseurhandwerk mit 37 beziehungsweise 42 Prozent.

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