Symbolisch stecken die Spaten im ebenso symbolischen Erdhaufen. Am Montag begann die Erschließung der Rosneäcker. Hinten links die Schönbuchschule, in deren Nähe auch die neue Kindertagesstätte entstehen wird. Foto: /Stefanie Schlecht

Hildrizhausen beginnt das wichtigste Baugebiet der vergangenen 20 Jahre im Außenbereich. In den Rosneäckern werden 113 Wohneinheiten für 380 Menschen gebaut. Damit will die Gemeinde junge Familien am Ort halten. Montag war Spatenstich.

Man merkte dem Bürgermeister Matthias Schöck an, wie erleichtert er war, nach etwa sechs Jahren Planung, das derzeit wichtigste Baugebiet angehen zu können. Mit dem Spatenstich am Montag werden bald 113 Wohneinheiten für etwa 380 Menschen gebaut. Wenn die Häusle im nächsten Jahr gebaut und bezogen werden, wird damit die Bevölkerung von Hildrizhausen um etwa zehn Prozent steigen.

 

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Dabei lagen den Planungen der Vergangenheit stets Hindernisse im Weg. 2019 hatte man archäologische Hinterlassenschaften entdeckt, die dann aber nicht bedeutend genug erschienen, um ausgegraben zu werden. Auch eine streng geschützte Eidechsenart tauchte auf, weswegen das ganze Gelände weiträumig mit Amphienschutzzäunen eingefriedet werden mussten.

50 Grundstücke und 90 Eigentümer mussten vom Neubauvorhaben überzeugt werden

Das Geviert in der Größe von etwa sieben Hektar erstreckt sich südlich der Panoramastraße, westlich der Tübinger Straße und östlich des Steinhauwegs; im Süden wird das geplante Neubaugebiet begrenzt von einem Feld- und Grasweg, der in etwa die Würmstraße westwärts verlängert; dieser Weg soll als Teil des Entwässerungskonzepts auch bestehen bleiben.

Das neue Baugebiet wird nicht nur mehrere Straßen erhalten, sondern auch einen Spielplatz und, ganz wichtig, flächendeckend mit Glasfasern verkabelt sein. Ein Erdgasnetz wird es in diesem Gebiet nicht mehr geben, auch in Hildrizhausen hat man die Zeichen der Zeit verstanden.

Der ganz große Wurf

Dabei hatte die Verwaltung und insbesondere der Bürgermeister Matthias Schöck ein ganz dickes Brett zu bohren. Es ging um 50 Grundstücke und 90 Eigentümer, die überzeugt werden mussten. Durch das Umlegungsverfahren wurden in den vergangenen Jahren die Grundstücke neu geordnet und zugeschnitten. Außerdem gilt es, Platz für öffentliche Verkehrs- und Grünflächen auszusparen.

Erschließungsträger ist die LBBW Kommunalentwicklung (KE). Dadurch wird die finanztechnische Abwicklung komplett außerhalb des Haushaltes von Hildrizhausen direkt über die KE erfolgen.

Kernige Straßennamen

Klarheit hat der Gemeinderat indessen auch schon über die Straßennamen geschaffen. Dass es im Baugebiet eine Weizenstraße geben wird, ist übrigens keine Hommage an die fröhlichen Biertrinker im Ort, sondern knüpft bewusst an das Thema an, dass hier – im immer noch landwirtschaftlich geprägten Hildrizhausen – fruchtbares Ackerland wird weichen müssen. Diese körnigen respektive kernigen Straßennamen sollen eine Art Tribut an die Landwirtschaft als wichtigen und früher sehr markanten Teil der Dorfgemeinschaft sein, hatte der Gemeinderat in der entsprechenden Sitzung befunden. So hören die neuen, in Ost-West-Richtung verlaufenden Straßen, auf die Namen Emmerweg und Roggenweg, im Westen schließt sich in U-Form der Haferweg an, ganz im Süden läuft die Dinkelstraße als neue Ortsrandstraße entlang. Die zwei Durchstichsstraßen in Nord-Süd-Richtung heißen Rosnestraße und besagte Weizenstraße. Eine kleine Sackgasse, für die bedeutungsmäßig natürlich auch ein Getreidenamen gut gepasst hätte, wird allerdings den Namen des Gewanns tragen: Rosneäcker.

Bemühungen um Nachverdichtungen innerorts hatten wenig Erfolg

Auch die Tatsache, dass Hildrizhausen in den Jahren zuvor dem Motto „Innenentwicklung vor Außenentwicklung“ gefolgt sei, wie auch im Gemeindeentwicklungsplan festgeschrieben, habe nicht zu einem ausreichend befriedigenden Ergebnis geführt, um den Wegzug junger Familien aufhalten zu können, hatte Schöck einmal in einer Gemeinderatssitzung gesagt.

Seit 20 Jahren erstmals wieder Wohnbebauung außerorts

Nebenbei bemerkt, konnte das Neubaugebiet vollständig aus dem bestehenden Flächennutzungsplan entwickelt werden. Für Schöck ein Indiz dafür, dass Hildrizhausen bis dato eine zurückhaltende und sparsame Flächenpolitik betrieben hat. Denn das letzte Baugebiet, das außerorts hochgezogen worden ist, datiert aus dem Jahr 2003.

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