Als Ex-Journalist musste sich Axel Prahl in „Extraklasse“ mit widerspenstigen Abendschülern herumschlagen. Nun legt das ZDF die Fortsetzung vor – „Extraklasse 2+“.
Stuttgart - Lehrer, denkt man sich als Schüler, müssen von einem sehr fernen, sehr fremden Planeten stammen. Erst im Rückblick merkt man, dass man mit den meisten von ihnen etwas Grundlegendes gemeinsam hatte: absolut keinen Bock auf Schule. Weil das Kino und das Fernsehen aber auch dazu erfunden wurden, uns eine bessere Welt vor Augen zu halten, gibt es eine Menge Filme über unwillige Lehrer, die auf bockige Schüler treffen, und heraus kommen gegenseitige Lern- und Lebenshilfe. „Extraklasse“, im Dezember 2018 erstmals im ZDF gelaufen, war so eine Schulkomödie. Axel Prahl amüsierte sehr in der Rolle des arbeitslosen Journalisten Ralph Friesner, der einen Job an der Abendschule annehmen muss.
Nun ist die Fortsetzung da, „Extraklasse 2+“. Die hat zumindest eine Grundidee, wie sich Friesner, der eigentlich schon seinen Frieden mit dem Lehrerdasein gemacht hatte, in borstige Unzufriedenheit zurückversetzen lässt. Eines Wasserschadens wegen muss Friesner in eine neue Schule übersiedeln, wo er mit dem smarten Chef nicht klarkommt. Und die neue Klasse besteht aus lauter Menschen mit unterschiedlichen Handicaps, die genau darum miteinander nicht klarkommen. Und mit den Eliteschülern der Vorzeigeeinrichtung gleich gar nicht.
Alte Bekannte, neue Autoren
Regie führt wie bei Teil eins Matthias Tiefenbacher, der schöne Inszenierungen etwa für den„Tatort“ (wie „Herrenabend“ und „Spieglein, Spieglein“ aus Münster), für „Polizeiruf 110“ und die „Schwarzach 23“-Reihe geliefert hat. Aber beim Vorgänger, der immer noch in der ZDF-Mediathek abrufbar ist, haben Gernot Gricksch und Tiefenbacher das Drehbuch geschrieben, nun haben das Martin Douven und Johann Bunners übernommen. Der Unterschied ist deutlich.
Immerhin sind alte Bekannte dabei. Katharina Thalbach etwa darf als Friesners Mitbewohnerin zeigen, dass auch ältere Menschen der Online-Shopping-Manie verfallen können. So leidenschaftlich, dass man dem Paketboten das, was er ausliefern will, unausgepackt retour gibt. Man muss ja schon wieder Neues ordern.
Likör und Schmierseife
Filme über das Zusammenwachsen der Verfeindeten, über die Heilung der Angeschlagenen, das Aufrappeln der Chancenlosen und die Talententfaltung der Abgeschriebenen wollen Mut machen, keinen Gipsabdruck der Realität liefern. Aber „Extraklasse 2+“ macht es sich schon sehr leicht – so leicht, dass er eigentlich seine Figuren nicht ernst nimmt.
Mit ein bisschen Selbstironie soll das abgefedert werden. Wenn die Gymnasialschnösel aus den besseren Kreisen und die bunt gemischten Abendschüler aus der Hartz-IV- und Strafauflagenwelt zur Rap-Battle aufeinandertreffen, wenn dabei zwischen zwei ehemaligen Kombattanten schon Liebe keimt, merken die Filmfiguren selbst , dass das die „West Side Story“ zitiert. Aber das hilft nicht weit. Immer wieder, wenn der Film ein süßes Likörchen sein möchte, schmeckt er nach Schmierseife. Das bekommt auch Axel Prahl nicht weg.
Ausstrahlung: ZDF, Mo, 3. 5., 20.15 Uhr.