Bauer Senkfuß (Frank Schneider) glaubt, Islamisten entdeckt zu haben. Foto: ZDF

Die ZDF-Produktion „In bester Verfassung“ mit Gudrun Landgrebe erzählt von Staatsdienern, die islamistische Anschläge vortäuschen. Es geht schließlich um ihre Jobs.

Stuttgart - Manchmal ist in Niederlützel echt was los. Dann legt einer der Dorfjugendlichen abends sein Moped auf dem Spielplatz so auf den Boden, dass der Hinterreifen am Rand des Kinderkarussells anliegt, dreht am Gashebel, und das Karussell mit Teeniemädels kommt in Schwung. Abgesehen von solchen Höhenflügen des Erfindungsgeistes verläuft das Leben in eher beschaulichen Bahnen. Einen eigenen Polizeiposten rechtfertigt die jugendliche Unrast jedenfalls nicht. Dafür hat Niederlützel, so malt uns das die ZDF-Satire „In bester Verfassung“ genüsslich aus, eine eigene, zwei Beamte starke Außenstelle des Verfassungsschutzes.

Feierabend nach der Mittagspause

Vor 40 Jahren sollen hier mal RAF-Leute gesehen worden sein. Und irgendwie hat man vergessen, die Krisenintervention zu beenden. Die mit Beißzangenmentalität auf ihrem Drückebergerposten beharrende Mechthild Dombrowski (Gudrun Landgrebe) und der nicht einmal in die Position energischer Arbeitsverweigerung aufrichtbare Schlaffbeutel Peter Horner (Uke Bosse) hoffen, hier vollends die Rente zu erreichen. Vormittags passen sie auf, dass ihre Büromöbel keine Äste austreiben, nach der frühen Mittagspause machen sie Feierabend. Die wehrhafte Demokratie zeigt hier ihr ganz entspanntes Gesicht.

Keine Frage, respektlos ist diese Satire. Sie ist ja auch Teil des ZDF-Versuchs, junge Formate zu etablieren. „In bester Verfassung“ läuft zwar am 17. Juni um 23.55 Uhr als Einstünder im Hauptprogramm, ist aber ab sofort in der Mediathek und bei Youtube abrufbar – dort als Webserie in sechs kleinen Häppchen. Man hat darum einen Spezialisten für diese andere Welt geholt, die mit alten Parteien und Sendern so ihre Schwierigkeiten hat: Für Regie und Buch zeichnet Oliver Bolz verantwortlich, der als Joseph DeChangeman einen Youtube-Kanal betreibt und für die Webserie „Das Netzwerk“ 2016 den Webvideo-Preis erhielt.

Das Spiel entgleitet

„In bester Verfassung“ nutzt den ganz breiten Übertreibungspinsel. Das ist schade, denn so wird alles eher Gaudi als Schreckspiegel. Als das Niederlützeler Verfassungsschutzbüro geschlossen werden soll, täuschen Dombrowski und Horner zur Standortsicherung islamistischen Terror vor. Das Spiel entgleitet, eine Schweinemastanlage explodiert, der geschädigte Bauer hält Hassreden. Im Nu entsteht eine Wutbürgerbewegung, der Besitzer des einzigen Kebabladens am Ort wird beinahe gelyncht.

Oft ist diese Satire ganz nah dran am realen Wuchern der Radikalität, am Fake-News-Fieber, immer wieder kippt sie in belanglose Blödelei. Aber wenn der Bauer Senkfuß (Frank Schneider) wieder faktenfrei gegen Überfremdung geifert, kommt doch ein wenig Grusel auf.

Verfügbarkeit:
abrufbar via Mediathek und Youtube, am 17. Juni um 23.55 Uhr im regulären ZDF-Programm

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