Der Kommissar Robert Anders (Walter Sittler) denkt nach. Foto: ZDF

„Lichterfest“ ist ein in jeder Hinsicht sehenswertes Drama: Im 25. Fall der Reihe „Der Kommissar und das Meer“ muss Walter Sittler den Tod eines Mädchens aufklären.

Stuttgart - Zwei Tage nach dem Lucia-Fest zeigt das ZDF ein Krimidrama, in dem diese beliebte schwedische Tradition eine große Rolle spielt, wenn auch auf denkbar tragische Weise. Bei dem Brauch zieht eine Gruppe weiß gekleideter Mädchen mit Kerzen in die Kirche ein. So beginnt auch „Lichterfest“, der 25. Film aus der Reihe „Der Kommissar und das Meer“: Robert Sanders (Walter Sittler) besucht mit seiner Familie einen Gottesdienst, als das Kleid der Lucia-Darstellerin plötzlich in Flammen aufgeht. Es gelingt ihm zwar, das Feuer zu löschen, aber die Verbrennungen sind zu stark; Malin, gerade mal 15 Jahre alt, erliegt ihren Verletzungen.

Was zunächst wie ein schrecklicher Unfall wirkt, entpuppt sich als Anschlag. Als sich herausstellt, dass Malin kurzfristig für die erkältete Nora eingesprungen ist, geht Anders davon aus, dass ihr der Anschlag galt. Vor gut einem Jahr gab es einen Busunfall, bei dem zwei Mädchen gestorben sind. Der Besitzer des Busunternehmens, Bo Björklund, erhält seither Morddrohungen; Nora ist seine Tochter.

Weihnachtlich behaglich

Während die Regisseure bei den meisten Reihen regelmäßig wechseln, setzt das ZDF bei „Der Kommissar und das Meer“ auf Kontinuität. „Lichterfest“ ist bereits die neunte Episode, die Thomas Roth für die Gotland-Krimis inszeniert hat – diesmal mit einer sehr angenehmen Atmosphäre. Gerade die Innenaufnahmen sind dank eines speziellen Lichts so stimmungsvoll behaglich wie bei einem Weihnachtsfilm, zumal die Lichtquellen gerade in den halbdunklen Szenen sehr akzentuiert platziert worden sind.

Arthur W. Ahrweiler ist einer der erfahrensten deutschen Kameramänner, hat gemeinsam mit Roth bereits dessen frühere Schweden-Krimis gedreht und war auch bei seinen in jeder Hinsicht sehenswerten Beiträgen zur ARD-Reihe „Kommissar Dupin“ für die Bildgestaltung verantwortlich.

Männer mit Mütze

Der Film ist jedoch nicht nur schön anzuschauen. Schon seit einiger Zeit sind Hauptdarsteller Walter Sittler und Andy Gätjen als sein nicht immer pflegeleichter Kollege Thomas Wittberg die einzigen deutschen Mitwirkenden, aber die einheimischen Gastschauspieler sind ausgezeichnet ausgewählt, selbst wenn es zu Beginn etwas schwierig ist, angesichts der diversen bärtigen Männer mit Mütze den Überblick zu behalten.

Recht bald zeigt sich, dass es neben Henrik Akesson (Christian Hillborg), dem Vater eines der beim Busunglück gestorbenen Mädchen, einen weiteren Verdächtigen gibt: Der damals völlig übermüdete Fahrer des Unfallbusses, Jonas Nyborg (Gustaf Hammarsten), hat stets beteuert, sein Chef habe ihn zu der Fahrt gezwungen.

Die Familie ist wichtig

Das Drehbuch ist der erste Gotland-Krimi von André Georgi („Die Flut ist pünktlich“, „Der Mordanschlag“). Bei „Lichterfest“ ist vor allem die Kombination des Falls mit Anders’ Privatleben gelungen. In manchen Krimireihen laufen diese beiden Ebenen bloß nebeneinander her, mitunter wirken die Einschübe gar wie Fremdkörper. Ähnlich wie einst bei „Stubbe – Von Fall zu Fall“ spielte die Familie bei „Der Kommissar und das Meer“ immer schon eine wichtige Rolle.

Diesmal stellt diese Ebene eine besonders interessante Ergänzung dar, zumal Lilly (Jennifer Lee), die Freundin von Anders’ Stiefsohn Kasper (Grim Lohman), ebenfalls zu den Lucia-Mädchen gehörte: Emma (Frida Hallgren), Kaspers Mutter, hat die Beziehung zu Anders beendet und lebt jetzt in Stockholm, aber Kasper will nicht mit. Was andere Autoren als Anlass für allerlei Drama genutzt hätten, erzählt Georgi ruhig und sachlich, schließlich ist der Fall schon dramatisch genug.

Komplexe Charaktere

Trotzdem gelingt es Roth, dank seiner Arbeit mit den einheimischen Mitwirkenden viel Empathie herzustellen. Für den Hauptdarsteller gilt das ohnehin. Walter Sittler gehört zu den Schauspielern, die sogar den Vorgang des Denkens verkörpern können. Dank komplexer Charaktere und der sorgfältigen Bildgestaltung kann Roth völlig auf vordergründige Effekte verzichten, was zur Folge hat, dass die einzige Ausnahme umso wirkungsvoller ist. Als Akesson, der verbitterte Vater, mit dem Finger auf Björklund zielt und so tut, als feuere er eine Pistole ab, fällt tatsächlich ein Schuss, aber nur auf der Tonspur.

Ausstrahlung: ZDF, 15. Dezember 2018, 20.15 Uhr

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