Pflegeazubi Alexander Jorde im Gespräch mit FDP-Chef Christian Lindner bei „Menschen 2017“. Foto: dpa

Markus Lanz blickt mit seiner Sendung „Menschen 2017“ auf das Jahr zurück, vergisst dabei aber offenbar, Frauen einzuladen. Auch Christian Lindner hat es nicht leicht: er wird von einem alten Bekannten verhört.

Mainz - Es ist so sicher wie die Tatsache, dass nach der dritten Kerze auf dem Adventskranz die vierte folgt: Mitte Dezember wird zurückgeblickt, auf das vergangene Jahr, seine Höhepunkte, seine emotionalen Momente. Kein Sender will bei der Rückschau fehlen, weshalb sich zur Weihnachtszeit die Jahresrückblicke im Fernsehprogramm die Klinke in die Hand geben.

Auch das ZDF lässt sich einen Rückblick nicht nehmen. Denn bekanntlich sieht man mit dem Zweiten ja besser – und das gilt bestimmt auch für die Vergangenheit. So hat dann Markus Lanz am Donnerstagabend seine „Menschen 2017“ vorgestellt.

Zwei Frauen unter den 19 Gästen

Zu Besuch auf der Couch waren unter anderem Elyas M’Barek, der auf Promo-Tour für seine neuen und alten Filme war, die „Helden von Barmbek“, die einschritten, als ein Mann in einem Hamburger Supermarkt auf Menschen einstach, und Hans-Joachim Watzke, Geschäftsführer von Borussia Dortmund, der über den Anschlag auf den BVB-Mannschaftsbus sprach.

Tatsächlich löste Markus Lanz den Titel seiner Sendung, „Menschen 2017“, nicht ganz ein. Eigentlich hätte sie „Männer 2017“ lauten müssen. Denn von den 19 Gästen, die mal kürzer und mal länger auf der Couch Platz nahmen, waren grade mal zwei weiblich. Die Frauen, die vom ZDF eingeladen worden waren, waren Heidi Hetzer und Anna von Boetticher. Daran, dass kaum Frauen in der Sendung eingeladen waren, stieß sich auch Anja Reschke, Journalistin beim NDR. Sie twitterte: „#menschen2017 sind, wie ich im ZDF lerne, ausschließlich Männer. Bis auf Heidi. Die kennt sich aber mit Autos aus. Mann, Mann, Mann ...“.

Rallyefahrerin Heidi Hetzer, die mit einem Auto aus dem Jahr 1930 einmal um die Welt gefahren war, durfte eingangs eine Frage von Markus Lanz beantworten, die ebenfalls aus dem Jahr 1930 stammen könnte: „Was war denn auf dieser irren Reise das größte Problem? Dass Sie ohne Servolenkung oder Bremskraftverstärker unterwegs waren – oder ohne Mann?“ Dass es sogar „viel besser ohne Mann“ gewesen sei, kommt für Markus Lanz erschreckend überraschend, sodass er noch drei Mal zu den fehlenden Männern nachhakt.

Wer sich nun fragt, woher er den Namen Heidi Hetzer kennt: die 80-Jährige sorgte im Frühjahr für Schlagzeilen, als sie im Morgenmagazin des ZDF erzählte, dass es in Südafrika sehr schön sei, es aber auch Nachteile gebe. „Die klauen. Die Schwarzen klauen wenn sie nur eine Jacke, eine olle Jacke sehen. Die klauen alles“, so Hetzer damals gegenüber Moderatorin Jana Pareigis – die einen simbabwischen Migrationshintergrund hat. War nicht so gemeint, erklärte sie im Nachhinein.

Viel Kontra für Christian Lindner

Frau Nummer Zwei, Anna von Boetticher, deutsche Rekordhalterin im Apnoetauchen, war im September in der Karibik, als Hurrikan Maria über die Karibik-Insel Dominica hinwegfegte. Sie erzählte von ihren Erlebnissen während des Tropensturms, bevor sie von Komiker Chris Tall abgelöst wurde.

Zuvor hatte Christian Lindner seinen ersten großen Auftritt nach Abbruch der Jamaika-Sondierungen. Als einfachen Auftritt kann der FDP-Chef diesen Abend wohl nicht verbuchen. Erst gab es vereinzelt Buhrufe zu seiner Begrüßung, dann bekam er mit dem Pflegeauszubildenden Alexander Jorde einen Gesprächspartner, der im Herbst auch schon Angela Merkel ins Schwitzen gebracht hatte. Damals hatte er in einer Wahlsendung vor der Bundestagswahl Merkel mit Fragen zum Pflegenotstand in Bedrängnis gebracht. Damit, und speziell mit dem Satz, dass die Würde des Menschen im Krankenhaus täglich tausendfach verletzt wird, machte er damals Schlagzeilen.

„Wenn man in die Politik geht, muss man lügen können“

Auch gegenüber Christian Lindner, bei Markus Lanz auf der Couch, kritisierte Jorde die Situation in der Pflege. Christian Lindner stimmte ihm zu, woraufhin ihn Jorde fragte, weshalb eine Personalquote dann nicht im FDP-Parteiprogramm stehe. „Mit Jamaika hätten wir das gemacht“, entgegnete Lindner. Einige Lacher erntete Jorde mit der Aussage: „Dass sich die FDP für die Pflege einsetzt, ist mir neu“.

Er konfrontierte Lindner auch mit seiner Aussage zur privaten Krankenversicherung: „Die Privaten können besser mit Geld umgehen“. Als Lindner sich herauszuwinden versuchte, hakte Jorde immer wieder nach. Moderator Markus Lanz sah in der Schlagfertigkeit des Pflegeazubis Karrierechancen: „Sehr talentierter junger Mann. Schon mal drüber nachgedacht, in die Politik zu gehen?“ Für Jorde eher kein Weg, den er einschlagen mag: „Ich glaube, wenn man in die Politik gehen will, dann muss man auch manchmal gut lügen können.“ Das Publikum reagierte mit Jubel und Applaus, Christian Lindner hingegen sah das selbstverständlich etwas anders und protestierte. Jorde schwächte seine Aussage danach etwas ab: „Politiker müssen Wahrheiten so verpacken können, dass man am Ende gar nicht mehr versteht, worum es geht.“ Die Botschaft aber war angekommen.

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