Der Kompromiss von 1980 ist wohl bald hinfällig. Foto: Judith A. Sägesser

Die Buowaldstraße zwischen Sillenbuch und Stuttgart-Ost dürfte bald für Autos gesperrt werden – weil die politische Mehrheit eine andere ist.

Sillenbuch/Stuttgart-Ost - Die anderthalb Kilometer sind zweifellos ein Fall für die städtischen Annalen. Doch nicht etwa, weil die Buowaldstraße zwischen Alt-Sillenbuch und der „Stelle“ an der Frauenkopfstraße so bedeutsam ist. Sondern weil das Straßenstück zu jenen Themen der Landeshauptstadt gehört, die zu keinem Ende kommen wollen. Die Frage ist seit Jahrzehnten dieselbe: Soll der Waldweg für Autos gesperrt werden – oder eben nicht?

Die einen sagen Ja, die anderen Nein. Und weil sich die beiden Lager seit jeher über das Entweder-oder streiten, blieb irgendwann nur das Sowohl-als-auch. Seit Juli 1980 steht an der Buowaldstraße ein Schild, das die Durchfahrt verbietet und gleichzeitig erlaubt. Das geht so: Unter der Woche dürfen Autofahrer von 6 bis 9 Uhr von Sillenbuch aus in Richtung Stuttgarter Osten fahren, und von 16 bis 19 Uhr ist die Fahrt gen Sillenbuch gestattet. In der Zeit dazwischen sind fahrende Autos auf der Buowaldstraße ein Fall für ein Bußgeld.

Die Gemeinderats-SPD schlägt ein neues Kapitel auf

Die Zeit dieses Kompromisses ist jetzt abgelaufen. Die Gemeinderats-SPD hat im Februar gefordert, das Sträßchen durch den Silberwald zum reinen Spazierweg zu erklären. Damit beginnen die Sozialdemokraten ein neues Kapitel dieser alten Geschichte. Die Bezirksbeiräte in Sillenbuch sind im März in die Debatte eingestiegen. Seither steht wieder Argument gegen Argument – und Entweder gegen Oder. Die Sillenbucher CDU, die FDP und die Freien Wähler haben sicherheitshalber sofort einen Antrag gegen den SPD-Antrag formuliert.

Und die Bezirks-SPD hat inzwischen nachgezogen und unterstützt erwartungsgemäß das Ansinnen der Genossen im Stuttgarter Gemeinderat. Einig sind sich die Kontrahenten nur in einem: dass sie mitreden wollen – und zwar bevor sich die Stadträte im Ausschuss für Umwelt und Technik mit dem Zankapfel Buowaldstraße befassen.

Die Streitenden warten derzeit auf das Ergebnis einer aktuellen Verkehrszählung. Wohl in der Hoffnung, dass die Statistik einer der beiden Seiten recht gibt. Diese Hoffnung dürfte allerdings enttäuscht werden. Zwar sind die Zahlen noch nicht offiziell, aber sie haben sich bereits auf den Fluren herumgesprochen. Ungefähr 50 Autos pendeln morgens von Alt-Sillenbuch zur „Stelle“, und ebenso viele fahren am Abend zurück. Diese Verkehrsmenge störe weder Spaziergänger und Radler – würde die Buowaldstraße offen bleiben. Noch würden diese Autos die Kirchheimer Straße zusätzlich verstopfen – würde die Buowaldstraße gesperrt werden.

Die Argumente der Kontrahenten sind außer Kraft

Damit sind sowohl die Argumente der Gegner als auch die der Befürworter außer Kraft gesetzt. „Beide Lösungen sind denkbar“, sagt Hermann Karpf, der persönliche Referent des Ordnungsbürgermeisters Martin Schairer, „es geht vielmehr um den politischen Willen.“ Wie seit Jahren schon.

Doch dieses Mal dürfte das Gezerre um das Waldsträßchen eine noch nie da gewesene Wende nehmen. Weil sich 2009 die Mehrheiten im Gemeinderat zu Gunsten von Grün-Rot verschoben haben, bedeutet das wohl das Aus für die Abkürzung durch den Wald. Grüne und SPD haben im UTA gemeinsam neun Stimmen – und damit die Mehrheit, egal wie die restlichen Fraktionen votieren. Dass die Grünen mit den Sozialdemokraten stimmen, gilt als gesetzt. „Wir wollen den Antrag unterstützen“, sagt der Grünen-Stadtrat Peter Pätzold.

Die Sillenbucher Lokalpolitiker haben bei ihrer April-Sitzung erklärt, Kontakt zu den Kollegen aus dem Bezirksbeirat Ost aufnehmen zu wollen. Schließlich liege der Großteil besagter anderthalb Kilometer auf deren Gemarkung. Anders als in Sillenbuch ist das Thema im Osten aber offenbar nicht erneut hochgekocht. So jedenfalls ist Martin Körner zu verstehen. Der Bezirksvorsteher sagt, die Bezirksbeiräte hätten sich in jüngerer Zeit nicht mehr mit der Buowaldstraße befasst. Im Jahr 1979 hatten sie übrigens geschlossen für die Sperrung des Waldweges gestimmt.

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