Spaß in der Stadtbahn: Klaus Käppler, Uli Luipold und Hannes Münch (von links) sind mit ihrer Hommage an die Zacke noch lange nicht fertig. Foto: Ines Rudel

Mit ihrem Programm „Die drei Trittbrettfahrer“ feiern drei Jugendfreunde die Zacke.

S-Süd/Degerloch - Sie ist die Verbindung zwischen Degerloch und Stuttgart-Süd. Sie ist der Grund dafür, dass die Weinsteige zum Wohnquartier geworden ist. Sie ist das öffentliche Verkehrsmittel, mit dem viele Stuttgarter die schönsten Erinnerungen verknüpfen. Die Zacke. Uli Luipold, Hannes Münch und Klaus Käppler kennen die Zahnradbahn von Kindesbeinen an. Mit Fakten und Anekdoten über die geliebte Bahn begeistern die drei ein wachsendes Publikum. Ihr Programm haben sie „Die drei Trittbrettfahrer“ getauft.

Die Idee, der Zacke einen Vortragsabend zu widmen, entstand durch Zufall. Uli Luipold wollte eigentlich in der Haigstkirche einen Vortrag über ferne Länder anbieten, doch die Organisatorin bat ihn, sich der ­Zacke anzunehmen. Mit seinen beiden ­Jugendfreunden, alle entlang der Strecke aufgewachsen, konzipierte Luipold eine Geschichts- und Geschichtenstunde, die in Degerloch und Süd bis jetzt viel Resonanz gefunden hat. Allein der erste Vortragsabend lockte so viele Stuttgarter in die Degerlocher Haigstkirche, dass diese schon eine Viertelstunde vor Beginn wegen Überfüllung geschlossen werden musste. „Das war uns so peinlich, dass wir gleich im Anschluss um 21 Uhr den Vortrag noch einmal gehalten haben“, erinnert sich Luipold.

Mit Selbstironie vorgetragene Jugendsünden

Luipold, Münch und Käppler lassen als Trittbrettfahrer eine Zeit aufleben, in der der Fahrer der gelben Bahn morgens schon wusste, was es bei welcher Familie zum Mittagessen geben würde und die Fahrgäste sich in ihrem Mikrokosmos sehr verbunden fühlten. Längst geht es in der Zacke anonymer zu, nicht aber bei den Vortragsabenden der drei Herren. Dort werden ­unzählige schöne Erinnerungen ausgetauscht. Einige der Geschichten aus dem Publikum lassen die drei in der jeweils nächsten Hommage an die Zacke auftauchen. Es sind jedoch vor allem die mit Selbstironie vorgetragenen Jugendsünden von Münch, Käppler und Luipold, die die Zuhörer schmunzeln lassen. Als Buben investierten sie beispielsweise die zehn Pfennig Fahrtgeld ein ums andere Mal in Süßigkeiten und mussten mit vollem Bauch und leeren Hosentaschen zu Fuß die Weinsteige in Richtung Haigst hinauflaufen. Als Jugendliche nutzten die drei dann die Trittbretter, die die Zacke damals noch hatte, um mit kunstvollen Sprüngen die Damenwelt zu beeindrucken.

Die Empörung der gesamten Nachbarschaft aber hat sich Hannes Münch als 18-Jähriger zugezogen. Bei frostigen Temperaturen wollte er am Morgen des vierten Advent 1957 den Opel Kapitän seines Vaters aus der Garage holen, um die Familie zur Marienkirche zu fahren. Die Garage lag direkt an der Zahnradbahn­trasse. Wegen der Kälte sprang der Motor nicht gleich an, und so war die Zacke schon gefährlich nahe, als Münch endlich ausparken konnte. Prompt fuhr die Bahn auf den Opel auf, und das Heck des Wagens wurde zwischen Zahnradbahn und Garagenlaibung eingeklemmt. „Zum Glück hatte der Opel Kapitän ein Schiebedach, durch das ich rausklettern konnte“, erzählt Hannes Münch.

Für die nächste Vorstellung ist eine Gesangseinlage geplant

Für seine Jugendfreunde war jedoch das Beeindruckendste an der Episode die Reaktion von Münchs Vater. Der Schneidermeister Fritz Münch, nach dem auch ein Stuttgarter Stäffele benannt ist, nahm den Zusammenstoß sehr gelassen. Noch während die Nachbarn seinen Sohn als Rotzlöffel beschimpften, sagte Münch senior: „Hannes komm, morgen gehen wir in die Stadt und kaufen einen neuen.“

Mit solchen Anekdoten füllen Luipold, Käppler und Münch mittlerweile auch den Saal im Theater Rampe. Der passende Ort für die drei Trittbrettfahrer. Früher diente nicht der Marienplatz, sondern das Gebäude des heutigen Theaters als Endhaltestelle für die Zahnradbahn. Am 25. August 1884 nahm die Zacke dort ihren Betrieb auf. ­Fakten, die auch im Buch „Bahn zur schönen Aussicht“ von Hans-Joachim Knupfer nachzulesen sind, eine der Grundlagen für den historischen Teil des Vortrags. Dass die Erinnerung an die Zacke in Stuttgart bewahrt wird, ist den drei Männern wichtig. „Es ärgert uns schon, dass es in Stuttgart keinen der alten Siemens-Wagen der Zahnradbahn mehr gibt“, sagt Luipold. Zumindest die Erinnerung daran halten die drei Trittbrettfahrer fest. Demnächst übrigens auch singend. Für die nächste Vorstellung im Theater Rampe am 19. Januar 2013 ist eine Gesangseinlage geplant.