Wer zweimal täglich zur Zahnbürste greift, schützt die Zähne ausreichend gegen Karies. Foto: Martina Misar/Fotolia

Obst und Gemüse sind gesund – können aber für die Zähne schädlich sein. Worauf soll man beim Putzen achten, und sind elektrische Zahnbürsten besser? Ein Experte gibt Antworten.

- Herr Frankenberger, ist Zähneputzen gefährlich für die Zähne?
Es kann gefährlich sein, wenn man mit der falschen Technik putzt, dabei zu viel Druck ausübt oder es zu lange macht. In Deutschland wird aber eher zu wenig als zu viel geputzt, daher ist weniger die Dauer eine Gefahr als eine falsche Technik. Eine Zahnbürste kann zur Waffe werden, wenn man mit festem Druck horizontal am Zahnfleisch entlangschrubbt. Das Zahnfleisch wird ­dadurch geschädigt und auch der Zahn. Die Folge sind freiliegende Zahnhälse, die auch anfällig für Karies sein können.
Welche Technik ist die richtige?
Dieses horizontale Schrubben ist leider relativ weit verbreitet. Es gibt die Technik, wo man die Zahnbürste in kleinen Kreisen über die Zahnoberfläche bewegt und dann zum Zahn hin ausstreicht. Das ist eine gute ­Technik. Ideal ist aber, die Zahnbürste im 45-Grad-Winkel auf den Zahn aufzusetzen, dann den Zahnbelag durch eine Rüttel­bewegung zu lösen und diesen zum Zahn hin auszustreichen. Studien haben aber gezeigt, dass solche Instruktionen nicht sehr gut ­umgesetzt werden. Oft ist man direkt nach dem Zahnarztbesuch hoch motiviert, alles richtig umzusetzen, meistens fällt man aber relativ schnell wieder in alte Verhaltens­muster zurück.
Ist es besser, eine elektrische Zahnbürste zu benutzen?
Wenn man das Geld übrig hat – auf alle Fälle. Die elektrische Zahnbürste kann einfach ­alles besser. Sie macht die Rüttelbewegung von alleine und man muss sie nur noch von Zahnfleisch zum Zahn und von Zahn zu Zahn führen. Sie hat außerdem den charmanten Vorteil, dass man mit ihr bei gleichem Ergebnis schneller fertig ist. Mit der Handzahnbürste braucht man circa drei Minuten, um mit der richtigen Technik annähernd belagfrei zu werden, mit einer maschinellen ­Bürste reichen oft schon zwei Minuten.
Wie findet man die richtige elektrische Zahnbürste?
Elektrische Zahnbürsten, die man ab 50 Euro in der Apotheke oder im Drogeriemarkt bekommt, sind meistens gut. Manche lösen Zahnbeläge mit Ultraschall, andere mit einer mechanischen Rütteltechnik. Beides ist gleich effektiv.
Viele Menschen sind groß geworden mit dem Rat „nach jedem Essen Zähne ­putzen“. Ist das nach heutiger Sicht falsch?
Was wirklich erwiesenermaßen die Zähne schützt, ist zweimal pro Tag Zähne zu putzen. Also abends sehr gründlich und idealerweise auch mit Zahnseide und morgens noch mal, um einen frischen Geschmack und vor allem eine wirksame Menge Fluorid auf die Zähne zu bekommen. Wer zusätzlich mittags die Zähne putzt, um ein saubereres Gefühl im Mund zu haben – gerne. Das ist kein Fehler, aber um weniger Karies zu haben, muss es nicht unbedingt sein.
Kann putzen direkt nach Essen schädlich sein?
Nur nach sauren Speisen. Wenn Sie Äpfel, Orangen oder Mandarinen gegessen haben, sollten Sie eine halbe Stunde warten. Ein Milchprodukt danach verbessert die Remineralisation und neutralisiert die Säure. Aber ich würde trotzdem zwischen der ­säurehaltigen Mahlzeit und dem Putzen eine halbe Stunde vergehen lassen. Man braucht noch nicht mal eine Zahnbürste, um sich mit Obst die Zähne zu ruinieren. Es gibt ­Patienten, die essen so viel Obst, dass die Kau­flächen praktisch verschwunden sind.
Alle Ernährungsexperten raten, viel Obst zu essen. Wie viel ist zu viel aus zahn-medizinischer Sicht?
Ich spreche von Patienten, die sich fast ausschließlich von Obst ernähren. Die Tipps der Ernährungsexperten dagegen gehen von fünf Obst- oder Gemüseportionen pro Tag aus, das ist kein Problem, wenn die 30 Minuten zwischen Kauen und Zähneputzen eingehalten werden. Warnen möchte ich vor Softdrinks wie Cola. Gerade wenn sie schluckweise über eine ­längere Zeit getrunken werden, sind die Zähne dauerhaft der Säure ausgesetzt.
Können zu festes Zähneputzen und säurehaltige Mahlzeiten zu ­überempfindlichen Zähnen führen?
Ja, wenn die Zähne bereits überempfindlich sind, ist der Schaden schon eingetreten. Besser ist, wenn es gar nicht erst dazu kommt. Das kann man mit der richtigen Zahnputztechnik und durch richtige Ernährung schaffen, indem man nicht ständig isst, sondern zu Mahlzeiten, und indem man nicht ständig Softdrinks zu sich nimmt. Auch sollte man saure Getränke wie zum Beispiel Cola im Mund nicht hin und her bewegen, weil man die Zähne noch stärker dem schäd­lichen Einfluss aussetzt. Diese Vorsichtsmaßnahmen sind natürlich auch dann sinnvoll, wenn bereits Beschwerden da sind, damit diese nicht noch schlimmer werden.
Kann eine Zahnpasta, die gegen empfindliche Zähne wirken soll, die Schäden beseitigen?
Nein – aber sie kann die Beschwerden sehr reduzieren. Es gibt heute mehrere Zahnpasten, die sehr gut wirksam sind. Bei empfindlichen Zähnen fehlt Zahnschmelz und Dentin, das knochenähnliche Gewebe, meistens am Zahnhals am Übergang zum Zahnfleisch. Dadurch liegt das Gewebe frei und die darin enthaltenen Kanälchen, die zum Nerv führen. Der Nerv wird leicht gereizt und schmerzt. Die Zahnpasten gegen empfindliche Zähne verstopfen diese Nervkanälchen, dann hört die Heiß-kalt-Empfindlichkeit auf. Wenn man diese Spezialzahncremes immer wieder aufträgt, bleibt der Schutzfilm erhalten, und die Beschwerden verschwinden. Sollte das nicht helfen, ist es auch möglich, in dem Bereich dünne Füllungen aus Kunststoff aufzukleben.
Kann ein Kaugummi einen Säureangriff nach dem Essen beenden?
Der große Vorteil von Kaugummis – wenn sie zuckerfrei sind – ist das Anregen der Speichelproduktion. Speichel ist der beste Schutz für die Zähne. Er spült die Zähne und neutralisiert Säuren. Gäbe es keinen Speichel, würden sich die Zähne schnell auf­lösen, denn es werden laufend Mineralien aus dem Zahn herausgelöst. Der Speichel­ ­remineralisiert den Zahn ständig, das heißt, er führt ihm Kalzium und Phosphat zu.
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