Viele Zahnärzte bieten inzwischen die Technik „All-on-4“ an. Dieses neuartige Verfahren funktioniert laut aktuellen wissenschaftlichen Studien recht gut und ist sogar etwas günstiger als das bisherige Verfahren. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten dafür aber auch nicht.
Stuttgart - Die Werbung für eine neuartige Implantat-Technik klingt verlockend. Wir beantworten die wichtigsten Fragen dazu.
Was verspricht die Implantat-Technik?
Feste dritte Zähne an einem Tag, kein aufwendiger Knochenaufbau davor und kaum Schmerzen. Möglich machen soll das eine neuartige Implantat-Methode, die sich „All-on-4“ nennt.
Was sind Implantate überhaupt?
Implantate sind künstliche Zahnwurzeln, die im Kieferknochen verankert werden und dort mit dem Knochen fest verwachsen. Das dauert mit der bislang üblichen Implantat-Technik mehrere Monate. Erst dann kann man auf den Implantaten Kronen, Brücken oder Prothesen als Zahnersatz befestigen.
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Wie funktioniert die neuartige Implantat-Technik?
Wie der Name „All-on-4“ verrät, braucht es mindestens vier Implantate in einem Kiefer. Darauf wird eine Zahnkonstruktion zum Ersatz aller Zähne eines Kiefers befestigt. „Deshalb muss man nicht mehrere Monate warten, bis die Implantate im Knochen eingewachsen sind , sondern man kann das direkt erledigen – wenn die Implantate ausreichend stabil sind“, sagt Hans Ulrich Brauer, Fachzahnarzt für Oralchirurgie und Leitender Oberarzt der Akademie für Zahnärztliche Fortbildung in Karlsruhe.
Dauert es also nur einen Tag bis zu den neuen Zähnen?
„Solche Aussagen beschreiben die neue Technik sehr verkürzt“, sagt Brauer. Wie bei jedem Zahnersatz müsse bei einem ersten Gespräch zunächst geklärt werden, ob Implantate überhaupt möglich sind. Dazu muss der Zahnarzt den Gesundheitszustand des Patienten erfragen, die Mundhöhle gründlich untersuchen, röntgen, die Dicke von Schleimhaut und Kieferknochen messen.
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Und wie geht es dann weiter?
„Bei einem Folgetermin können dann die Implantate gesetzt werden und häufig kann am gleichen Tag der Patient mit einer festsitzenden, provisorischen Versorgung nach Hause gehen“, sagt Brauer. Das bedeutet: Auch dann hat der Patient noch nicht seine definitiven Zähne. Diese werden in der Regel erst nach vollständiger, biologischer Einheilung in den Knochen angefertigt – was noch einmal zwei bis sechs Monate dauert.
Warum gibt es diese neue Technik?
Das monatelange Einwachsen der Implantate entfällt, das spart dem Patienten Zeit, ist aber nur ein angenehmer Nebeneffekt. „Vor allem können jetzt Patienten Implantate bekommen, bei denen das bislang nicht oder nur sehr aufwendig möglich war“, ergänzt Brauer. Beim „All-on-4“-Verfahren werden die hinteren Implantate ja schräg in den Kieferknochen eingesetzt. Sie sitzen damit an anderen Stellen als herkömmliche Implantate. So müssen anatomisch sensible Bereiche wie die Kieferhöhle im Oberkiefer und die Nervenkanäle im Unterkiefer nicht angetastet werden und es wird wahrscheinlicher eine Stelle zu finden, an welcher der Kieferknochen geeignet ist für die Platzierung. „Das kann einen langwierigen Knochenaufbau ersparen“, sagt Brauer.
Ist die neuartige Technik genauso sicher und gut wie das bisherige Verfahren?
Brauer zufolge gibt es eine Reihe wissenschaftlicher Studien die zeigen, dass das neuartige Implantat-Verfahren gut und dauerhaft funktioniert – und nicht mehr Risiken mit sich bringt als herkömmlich eingesetzte Implantate. „Es kann eine Blutung auftreten, es kann sich etwas entzünden, die Implantate können nicht richtig heilen, aber das hat nichts mit der neuen Technik zu tun.“
Wie hoch sind die Kosten?
„Unterm Strich ist es günstiger als mit der herkömmlichen Technik“, sagt Brauer. Was aber nichts daran ändert, dass Implantate mehrere tausend Euro kosten. „Zahnarzt und Patient sollten unbedingt immer ermitteln, ob es nicht auch andere Möglichkeiten als Implantate gibt“, sagt Peter Grieble, Leiter der Abteilung Versicherungen, Pflege, Gesundheit bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.
Übernehmen die Krankenkassen einen solchen Eingriff?
Nein, die Versorgung mit Implantaten ist grundsätzlich keine Leistung, an welcher sich die gesetzlichen Krankenkassen beteiligen. Es gibt die Möglichkeit, eine Zahnzusatzversicherung abzuschließen, welche sich an den Kosten für Implantate beteiligt. „Das sollte man sich aber gut überlegen und auf jeden Fall nur in Erwägung ziehen, wenn andere, finanziell wesentlich größere Risiken wie eine Berufsunfähigkeit oder die private Haftpflicht entsprechend abgesichert sind“, sagt Versicherungsexperte Grieble.