Für wen lohnt sich eine Zusatzversicherung? Und gilt sie auch noch, wenn eine Behandlung schon begonnen wurde? Die Stiftung Warentest befasst sich in „Finanztest“ mit dem Thema. Die wichtigsten Fragen und Antworten.
Stuttgart - Aktuell gibt es 234 verschiedene Tarife von Zahnzusatzversicherungen. Darunter den passenden für sich zu finden, ist nicht ganz einfach. Die gute Nachricht: 76 Tarife wurden mit „sehr gut“ bewertet. Und wer bei einer weniger gut getesteten Versicherung unter Vertrag ist, erfährt in der aktuellen Ausgabe von „Finanztest“, worauf er bei einem Wechsel achten sollte.
Ist eine solche Versicherung nötig?
Auch wenn junge Erwachsene heute seltener Karies haben als noch vor 20 Jahren, so sind Zahnschäden nicht ganz vermeidbar. Wem die Standardversicherung genügt, der braucht keine Zusatzversicherung abzuschließen. Das bedeutet im Zweifel: Metall statt Keramik, Prothese statt Implantat. Günstig ist es, eine Zahnzusatzversicherung so früh wie möglich abzuschließen – solange das Gebiss noch in Ordnung ist. Dann sind die Beiträge für eine Zahnzusatzversicherung noch deutlich günstiger. Für mehrere Zahnimplantate kommen schnell mal die Kosten eines Kleinwagens zusammen. Die Krankenkassen übernehmen bei Implantaten nicht einmal 12 Prozent der Gesamtkosten. Der Eigenanteil pro Implantat kann 3000 Euro und sogar mehr betragen.
Gibt es Menschen, die keine Zusatzversicherung brauchen ?
Geringverdiener brauchen in der Regel keine Zusatzversicherung abzuschließen, da sie Anspruch auf einen erhöhten Zuschuss von der Krankenkasse haben. Alleinstehende mit einem Bruttogehalt von maximal 1246 Euro oder ein Paar mit Kind mit maximal 2035 Euro brutto Monatseinkommen gelten als Geringverdiener.
Was kostet eine gute Zusatzversicherung?
„Finanztest“ hat die Versicherungen sowohl für Neukunden als auch für Wechsler untersucht. Dabei zeigt sich: Teuer ist nicht immer auch gut – und umgekehrt. Es kommt auch auf individuelle Wünsche an. Als Modellkunden hat die Stiftung Warentest einen 43-Jährigen gewählt. Das ist das Alter, in dem sich die meisten Menschen für eine Zahnzusatzversicherung interessieren. Das Ergebnis: Eine Versicherung, die für den Modellkunden 18 Euro monatlich kosten würde (Tarif: Hallesche DentZE.100), steht der gleich bewerteten teuren Versicherung (Tarif: Arag Dent100 für 53 Euro monatlich) in nichts nach. Die meisten Versicherungen sind so kalkuliert, dass die Beiträge im Vertragsverlauf stufenweise ansteigen. Mit überraschenden Sprüngen müssen die Kunden laut „Finanztest“ jedoch nicht rechnen.
Wann lohnt sich ein Wechsel der aktuellen Versicherung?
Laut den Testern lohnt es sich meist nicht, zu einem neuen Versicherer zu wechseln, wenn man mit dem eignenen Tarif unzufrieden ist. Es sei ratsam, zunächst bei der eigenen Versicherung nachzufragen, ob diese entweder einen günstigeren oder einen besseren Tarif im Angebot hat. Bietet die bisherige Versicherung lediglich einen Basisschutz und möchte man aber gerne einen hochwertigeren Zahnersatz mit absichern, fragt man nach einem höheren Versicherungsschutz. Die meisten Versicherungen bieten zusätzliche Optionen nach einer Art Baukastenprinzip an. Die Erstattung kann stark variieren. Während man bei einen Tarif lediglich dreißig oder fünfzig Prozent des Eigenanteils von der Zusatzversicherung erhält, bekommt man in anderen Tarifen 70 oder sogar 100 Prozent erstattet.
Wird auch eine professionelle Zahnreinigung übernommen?
Das lässt sich pauschal nicht beantworten. Wenn jemand aber beispielsweise auf eigene Kosten regelmäßig eine professionelle Zahnreinigung durchführen lässt, lohnt es sich, danach zu fragen. Viele Versicherer bieten eine Kostenübernahme an. Somit kann die hochwertigere Zahnzusatzversicherung am Ende günstiger sein als jene mit geringeren Versicherungsleistungen. Wer bei einem Wechsel seiner Versicherung treu bleibt, hat den großen Vorteil, dass Wartezeiten nur für die neu versicherten Optionen anfallen.
Wo liegen bei den Verträgen mögliche Fallstricke?
Einer der größten Streitpunkte, berichten die Tester, bezieht sich auf den offiziellen Beginn einer Behandlung. Während Patienten wohl annehmen, sie seien ab dem Tag zusätzlich versichert, an dem der Zahnarzt den Bohrer ansetzt, haben Versicherer ein anderes Verständnis. Sie können sich vom Zahnarzt die Patientenakte zukommen lassen und genau nachsehen, ob ein Zahnarzt bereits zu einem früheren Zeitpunkt eine bestimmte Behandlung empfohlen hat. Denn: Bei Abschluss der Zusatzversicherung entbindet man seinen Zahnarzt von der Schweigepflicht. Die Versicherungen betrachten dies dann als den Beginn der Behandlung. Aber: Laufende Behandlungen sind vom Versicherungsschutz grundsätzlich ausgeschlossen. Hat man bei Abschluss der Zusatzversicherung sogar falsche Angaben gemacht, so ist der Versicherungsschutz weg – ebenso wie bis dahin bezahlte Beiträge.
Wie lange sind die Wartezeiten?
Die Wartezeiten für Behandlungen können bei einem Neuabschluss sehr stark variieren. Üblich sind acht Monate bei Zahnersatz oder auf Zahnreinigungen. Bei manchen Anbietern sind die Wartezeiten aber auch kürzer oder entfallen vollständig. Mitunter kommen bei den Kosten außerdem Obergrenzen für Zahnersatz in den ersten Jahren hinzu – beispielsweise bis zu 1000 Euro im ersten, bis zu 2000 Euro im zweiten Jahr. Es kann bis zu fünf Jahre dauern, bis man auf den vollständigen Versicherungsschutz zugreifen kann.
Lässt sich auch ohne eine Zusatzversicherung beim Zahnarzt Geld sparen?
Im Grunde ja. Die meisten Zahnärzte arbeiten mit dem Dentallabor ihres Vertrauens zusammen. Manchmal kennt ein Zahnarzt allerdings noch ein zweites Labor, beispielsweise in Fernost. Und dies hat womöglich günstigere Angebote für Zahnersatz. Man sollte sich ruhig trauen, nach günstigeren Alternativen zu fragen. Auch die Frage nach der medizinischen Notwendigkeit ist wichtig. Für einen Zahnersatz gibt es oft mehrere Möglichkeiten. Ist man unsicher, so holt man sich am besten eine Zweitmeinung ein.