388 Vertragszahnärzte gibt es laut Landeszahnärztekammer im Landkreis Esslingen. Foto: /Murat Subatli

Noch ist die zahnmedizinische Versorgung gut im Kreis Esslingen. Doch die Altersstruktur der Zahnärzte ist problematisch. Der Fachkräftemangel in Praxen war ein Thema beim Festakt zum 70. Geburtstag der Landeszahnärztekammer in Esslingen.

Genau 70 Jahre nach ihrer Gründung am gleichen Ort feierte die Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg im Alten Rathaus ihren runden Geburtstag. Ein Thema beim Festakt: Die zahnmedizinische Versorgung wackelt auch im Kreis Esslingen. In den Praxen fehlt der Nachwuchs.

 

Festredner Landesinnenminister Thomas Strobl (CDU) sprach in seinem Vortrag von einer Umbruchphase in der Branche. Der demografische Wandel schlage auch bei den Zahnärzten zu, meinte der stellvertretende Ministerpräsident: „Viele werden altersbedingt in den nächsten Jahren ausscheiden.“

Festakt zu 70 Jahren Landeszahnärztekammer (von links): Axel Maag, Direktor der Verwaltung, Präsident Torsten Tomppert, Festredner Innenminister Thomas Strobl und Bert Bauder, stellvertretender Präsident

Zahlen der Landeszahnärztekammer bestätigen dies. Noch sieht es gut aus im Kreis Esslingen. 388 Vertragszahnärzte, davon 25 Kieferorthopäden, werden in der Region gezählt. In Esslingen als größter Stadt sind es 88 Dentisten. Bei gut 541 770 Einwohnerinnen und Einwohnern ist somit durchschnittlich ein Zahnmediziner für etwa 1396 Personen im Kreis zuständig. Den Versorgungsgrad zahnärztlicher Behandlung gibt die Kammer mit 105,2 Prozent an.

Problematische Alterspyramide im Kreis Esslingen

Doch die Alterspyramide zeigt, dass sich das in Zukunft ändern könnte. 23 Zahnärzte sind über 65 Jahre, 48 zwischen 61 und 65 Jahre sowie 58 zwischen 56 und 60 Jahre alt. 93 Ärzte gehören zur Altersgruppe der 46- bis 55-Jährigen. Nur 166 sind 45 Jahre und jünger.

Die Zahlen alarmieren. Cornelia Schwarz, Pressesprecherin der Landeszahnärztekammer, verweist auf verschiedene Untersuchungen wie den Versorgungsbericht 2024: „Die Altersstruktur der derzeit tätigen Zahnärzte zeigt deutliche Verschiebungen. Bereits über 30 Prozent sind 55 Jahre oder älter, was in den kommenden Jahren zu zahlreichen altersbedingten Praxisabgaben führen wird.“ Besonders betroffen seien ländliche Regionen, in denen der Nachwuchs häufig fehle und bereits heute regionale Versorgungsengpässe auftreten würden.

Auch die Arbeitsstruktur befinde sich im Wandel, so Cornelia Schwarz. Die klassischen Einzelpraxen seien rückläufig. An ihrer Stelle würden zahnärztliche Versorgungszentren immer mehr an Bedeutung gewinnen. Auch der Anteil der angestellten Zahnärzte nehme zu: „Aktuell arbeiten rund 40 Prozent der unter 40-jährigen Zahnärzte angestellt, ein Trend, der die Versorgungslage ebenfalls beeinflusst.“